Kritik: Resident Evil – Retribution (DE/CA 2012)

„Mein Name ist Alice.“

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Beim Überfall der Umbrella-Corporation auf Arcadia wird Alice ins Meer geschleudert und wacht in einem riesigen unterirdischen Komplex wieder auf. Sie ist eine Gefangene, doch ein Rettungstrupp ist schon auf dem Weg, um sie dort raus zu holen. Komme, was wolle.

Milla Jovovich: Gesicht von Filmen, Kosmetik, Mode und schöner Musik, keine andere Schauspielerin verbindet besser zarte Unschuld mit brachialer Action, martialische Stärke mit sanfter Anmut. So etwas konnte nur einer Frau gelingen, die mit einem Bein im Genrekino und mit dem anderen auf den Billboards dieser Welt steht. Der Star-Fotograf Peter Lindbergh ließ sie in einer Bilderserie in Science-Fiction-Manier dem Unbekannten begegnen, apokalyptische Bilder, Nebel, Laternenlicht und verbeulte Autos. Diese Reihe entstand kurz vor „Resident Evil“ und zeigte bereits wie hervorragend sich Jovovichs Gesicht als Spiegel der Bedrohung eignet.

Ihre Alice bleibt symptomatisch für den Wandel des Actionkinos, das sich immer mehr von der harten Körperlichkeit verabschiedet und den organischen Fluss choreografierter Zeitlupentänze sucht. Es verwundert auch nicht, dass in vielen Hollywoodproduktionen diese Sparte Frauen die tragenden Rollen spielen. Das Körpergefühl ist anders, eng anliegende Kostüme und nie versiegende Schönheit, ganz egal wie verletzt sie sind. Dass solche Filme meistens von Männern gedreht werden, sollte nicht unerwähnt bleiben, doch abseits geschlechtlicher Klischees kreieren diese Filme dennoch ein Frauenbild, dass inspiriert und begeistert. Keine Frau in „Resident Evil“ fühlt sich genötigt zu den „Waffen einer Frau“ zu greifen und keiner ihrer männlichen Begleiter hat auch nur halb soviel Substanz, geschweige denn Stärke. Sie wirken eher wie Statisten, die den Zombies als Futter dienen. Obwohl sich heutige Heldinnen weit von Vorbildern wie Sigourney Weavers Ripley entfernt haben, verkörpern sie ein Bild, das ihnen kein Action-Held mehr nehmen kann, eben diese interessante Schnittmenge aus Glanz und Brutalität.

Das muss man den „Resident Evil“-Filmen zugute halten, ebenso ihrem „Mastermind“ Paul W.S. Anderson, der sich nun endgültig in der Vertrashung des Genres gemütlich gemacht hat und das mit dem bereits fünften Teil des Franchises eindrucksarm beweist. Es erstaunt schon, wie es einem Regisseur gelingt, auch das größte Feuerwerk am Zuschauer gänzlich vorbei zu inszenieren. Meistens reagiert man auf das Geschehen ohnehin nur mit Gelächter. Genügend Gelegenheiten gibt es ja. Abgesehen von ein oder zwei fetzigen Sprüchen, die Alice über die Lippen gehen, versinken doch die restlichen Gags im Reich der unfreiwilligen Komik. Irgendwann kommt es bei jeder Actionsequenz zu dem Punkt, an dem es zu absurd wird, um darüber nicht zu lachen, wobei ich Anderson nicht unterstellen will, das sei unbeabsichtigt. Alles ist möglich. Unverzeihlich finde ich dagegen den offenkundigen Verzicht auf eine Handlung und damit meine ich eine Erzählung, die der Reihe auf die Sprünge hilft. Andersons Drehbuch fungiert leider nur als großes retardierendes Moment, als Luftblase, die auf das Finale vertröstet, welches hoffentlich mit dem sechsten und letzten Teil eintritt, ganz egal wie erfolgreich diese Filme auch sind. Bei kommenden Videoabenden jedenfalls kann man sich den fünften Film getrost sparen und nach dem vierten gleich den sechsten in den Player schieben.

Vielleicht sollte das Publikum auch den Titel des Films ernst nehmen und sich von Paul W.S. Anderson mit diesem Machwerk bestraft fühlen, moralisch gerechtfertigt durch den Kauf der Kinokarte. Wer dennoch auf Nicht-Geschichten im Billig-CGI-Gewand und absurder Action inklusive fescher 3D-Effekte steht, sollte sich von meinem Urteil nicht abhalten lassen. Die „Resident Evil“-Reihe bleibt sympathischer Bodensatz und hochbudgetierter Dilettantismus mit der besten Heldin aller Heldinnen. Vielleicht liegt es auch einfach an Milla Jovovichs Augen, die Alice erst zu dem machen, was sie ist. Ihr Blick verweist auf die Oberfläche und gleichzeitig alles darunter, also perfekt für’s Kino und zu gut für einen Film wie diesen.

Bewertung: 3/10 Sternen