"Riddick" (USA, GB 2013) Kritik – Schwanzvergleich in fernen Welten

Autor: Stefan Geisler

null

„You’re not afraid of the dark, are you?“

Riddick: Männer kriegen feuchte Hände und Herzrasen, wenn sie nur seinen Namen hören, während Frauen auf Grund des zu befürchtenden Testosteron-Überschusses schnell das Weite suchen dürften. Der unbarmherzige Weltraumgangster kehrt nach mehrjähriger Schaffenspause wieder auf die große Leinwand zurück und ist auch diesmal wieder vor allem eins: männlich. Erstaunlicherweise stand der dritte „Riddick“-Film lange Zeit in der Schwebe, da sich die Produktion alles andere als einfach gestaltete. Besonders die Suche nach einem willigen Geldgeber erwies sich nach dem mäßigen Erfolg von „Riddick: Chroniken eines Kriegers“ als äußerst schwierig und so musste letzten Endes sogar Riddick-Mime Vin Diesel höchstselbst in den eigenen Geldbeutel greifen, um die Produktion voranzubringen. Rein qualitativ gesehen hat sich das Engagement des Actionstars leider nicht bezahlt gemacht, denn David Twohys „Riddick“ ist letztendlich lediglich ein müder Abklatsch des Ur-Riddick „Pitch Black“ geworden.

Alles wieder beim Alten: Kurz nachdem Ex-Knacki Riddick (Vin Diesel) zum Lord Marshal der Necromonger ernannt wurde, ist der Traum auch schon wieder vorbei. Plump wird er von Kommandeur Vaako (Karl Urban) in einen Hinterhalt gelotst, entmachtet und auf einem fremden Planeten zurückgelassen. Hier muss sich der unkaputtbare Riddick nicht nur mit den Tücken der heimischen Flora und Fauna auseinandersetzen, sondern bekommt auch bald Besuch von zwei Kopfgeldjäger-Banden, die dem geschwächten Riddick endgültig den gar ausmachen sollen.

Riddick ist zurück: Fast zehn Jahre hat es gedauert, bis es das Sequel zu „Riddick: Chroniken eines Kriegers“ auf die Leinwand geschafft hat. Thematisch führt Regisseur und Drehbuchautor David Twohy („A Perfect Getaway“) seinen Helden wieder „Back to the Roots“, denn „Riddick“ erinnert in fast allen Belangen an den düsteren Sci-Fi-Thriller „Pitch Black“, in dem der intergalaktische Schwerverbrecher seinen ersten Auftritt hatte. Doch statt sich lediglich auf die Grundtugenden der „Riddick“-Reihe zu besinnen und einen ebenso geradlinigen wie kompromisslosen Sci-Fi-Actioner zu erzählen, hat sich David Twohy gleich dazu entschlossen, „Riddick“ zu „Pitch Black 2.0“ werden zu lassen. Denn wie schon in „Pitch Black“ muss sich Riddick auf einem fremden Planeten mit Kopfgeldjägern herumschlagen und wieder geht mit plötzlich auftretender Finsternis ein Monster-Overkill einher, der Feinde notgedrungen zu Freunden werden lässt. Wenn einem dann sogar noch der Schlussakt (Stichwort „Energiezelle“) nur allzu vertraut vorkommt, dann fragt man sich insgeheim schon, warum bei einer solch offensichtlichen Innovationsarmut ein weiterer „Riddick“-Teil gedreht werden musste.

Dabei hätte Drehbuchautor David Twohy mit „Riddick“ sogar ein gelungener Neustart der Reihe gelingen können, denn ganz ungewohnt beginnt der Film als vielversprechender Sci-Fi-Survival-Thriller. So begibt sich der Zuschauer gemeinsam mit einem sichtlich angeschlagenen Riddick auf eine Entdeckungsreise in einer äußerst lebensfeindlichen Umgebung. Hier wird der sonst so souverän wirkende Riddick wirklich einmal an die persönlichen Grenzen getrieben und entgeht nicht nur einmal mit knapper Not einem tödlichen Schicksal. Das Ganze wirkt wie eine Folge „Survival Man in Space“, denn wie Überlebenskünstler Les Stroud („Survival Man – Allein in der Wildnis“) kämpft Riddick hier allein ums nackte Überleben. Leider führt David Twohy „Riddick“ nach diesem fulminanten Auftakt zu schnell wieder in bekannte Bahnen zurück und vergibt so die Chance, aus „Riddick“ mehr als einen stupiden Macho-Actionfilm zu machen.

Dabei hätte „Riddick“ als reiner Survival-Thriller noch einen weiteren Vorteil gehabt: Man hätte auf eine ganze Menge grenzdebiler One-Liner verzichten können. Als würden Riddicks testosterongetränkte Monologe nicht schon anstrengend genug sein, treffen mit den Kopfgeldjägern noch elf (!) weitere Charaktere ein, deren Miteinander sich wohl am besten als ein permanenter Schwanzvergleich beschreiben lässt. So richtig unangenehm wird es aber immer dann, wenn die einzige Frau im Bunde in den Mittelpunkt des Geschehens rückt. Die Sniper-Kampfamazone Dahl (Katee Sackhoff) wird auf solch unangenehme Weise über sexistische One-Liner stilisiert, dass man selbst als Kenner der Materie nur noch entnervt abschalten kann.

Fazit: Mit „Riddick“ versucht Regisseur David Twohy noch einmal an den Erfolg von „Pitch Black“ anzuknüpfen, erschafft damit aber letzten Endes nur einen lahmen Abklatsch des düsteren Weltraum-Thrillers. Hätte er den Kurs der ersten halben Stunde konsequent weitergeführt, hätte „Riddick“ genau der frische Wind werden können, den die angestaubte Reihe inzwischen dringend nötig gehabt hätte.