"Ride Along" (USA 2013) Kritik – Ein Buddy-Movie zum Abgewöhnen

Autor: Pascal Reis

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„Today is your training day.“

Buddy-Movies gehören in der Filmwelt gewiss nicht zu den Modeerscheinungen, wie sie immer mal wieder eine Hochphase feiern dürfen, dann aber über kurz lang von der Bildfläche verschwinden, wie es beispielsweise mit dem Sandalenfilm geschah, den Ridley Scott 2001 mit „Gladiator“ opulent reanimiert, damit jedoch keinen anhaltenden Trend abzeichnen durfte. Nein, ein Buddy-Movie will sich nicht als definiertes Zeitgeistphänomen verstehen, dafür ist diese Art von Film einfach viel zu beliebt und wird es auch immer bleiben. Man denke dabei nicht nur an Stan Laurel und Oliver Hardy, die mit ihren Auftritten in den legendären „Dick & Doof“-Streichen das Zwerchfell des Zuschauers abermalig zum Erschüttern brachten, oder auch Bud Spencer und Terence Hill, die sich in Italo-Kult-Vehikeln wie „Das Krokodil und sein Nilpferd“ und „Vier Fäuste für ein Halleluja“ vor allem durch ihre schlagkräftigen Argumente auszeichnen sollten.

Einer ähnliche Popularität genießt auch der Buddy-Movie der 1980er Jahre, an dem sich moderne Streifen dieser Couleur mit Vorliebe zu orientieren versuchen. Richard Donners „Lethal Weapon“ ist wohl die primäre Inspirationsquelle, haben sich Mel Gibsons und Danny Glovers dynamische Wortgefechte doch schon längst ihren festen Platz in den Annalen der Kinematographie gesichert. Das Problem bei den heutigen Filmen jener Fasson, ist, dass ihnen der Charme, mit dem die gesamte „Lethal Weapon“-Quadrilogie reichhaltig protzen konnte, abhanden gekommen ist. Ob es nun Paul Feigs lahme Nullnummer „Taffe Mädels“ ist, der das Sujet aus femininem Blickwinkel betrachtete oder David Charhons französische Action-Komödie „Ein MordsTeam“, die über ihre guten Ansätze in Sachen Charakterzeichnung ebenfalls nicht hinaus kam. Den (neuen) Tiefpunkt erreicht in diesem Jahr allerdings Tim Storys „Ride Along“, in dem sich Ice Cube („21 Jump Street“) und Kevin Hart („Scary Movie 3“) nun in den Hauptrollen freimütig komplett zum Affen machen dürfen.

Bezeichnenderweise – oder ist es schon wieder Realsatire? – hat es „Ride Along“ allein durch die Einspielergebnisse in den Vereinigten Staaten geschafft, das Sechsfache seines 25 Millionen Dollar Budget wieder in die Kassen zu spülen. Warum das so ist, lässt sich höchstens am Bekanntheitsgrad von Comedian und Entertainer Kevin Hart erklären, der in den USA auf mehr Gegenliebe stößt, als es der Berliner Mario Barth in Deutschland tut. Dass Kevin Hart auf der Bühne die Massen mitgehen lassen kann, ist unwiderruflich belegt, dass er auf der Leinwand den Beweis seines Schauspieltalents immer noch schuldig ist, hat sich durch die mangelhaften Auftritte in „Denk wie ein Mann“ und „Zwei vom alten Schlag“ nachhaltig betoniert. In „Ride Along“ gilt Gleiches und ein Buddy-Movie lebt nun mal auch größtenteils von der Chemie seiner (ungleichen) Hauptdarsteller. Die Chemie, die Harmonie im Zusammenspiel mit Ice Cube ist hier nicht existent, denn während Hart nur den hyperaktiven Zappelphilipp raus hängen lässt, ist Ice Cube der standardisierte Brummbär, der im Laufe der Schema-F-Dramaturgie selbstredend weichgekocht wird.

Die Frage, die man sich bei „Ride Along“ zu Anfang noch stellen darf, ist, ob man das Drehbuch, an dem ganze vier verschiedene Köpfe herumgedoktert haben, nun rücksichtslos verdammen sollte oder doch den Mut des Autorenteams bewundern, eine so abgestandene Handlung mit derart abgedroschenen, weil unzählige Male durch den Fleischwolf gedrehten Gags aufzumischen. Es sind beispielsweise Rohrkrepierer wie der „überraschende“ Rückstoß einer Waffe, mit dem „Ride Along“ sein Publikum für sich gewinnen möchte. Klamauks aus der Mottenkiste, so hinfällig und energielos dargeboten, dass sie natürlich auch keinesfalls als Hommage an goldene 80s-Tage durchgehen können, sondern einzig und allein mit dem albernen Pennälerhumor und Machogehabe Seite an Seite ins Verderben stolpern. Von kokettem Wortwitz und Situationskomik, die wirklich gut getimed und spritig daherkommt, ist in „Ride Along“ natürlich keinerlei Spur. Über die eigentliche Handlung um den mythischen Gangster-Boss Omar (Laurence Fishburne) darf gerne geschwiegen werden, denn jede einzelne Wendung ist genauso vorhersehbar, wie „Ride Along“ stumpf aus der Retorte fischt.

Fazit: Eine Story ohne Drive, mit Twists, so alt wie das Kino selbst, Gags ohne Pointe und ein schäbiges Hauptgespann ohne jede Chemie: „Ride Along“ ist die peinlich-lustlose Degradation eines jeden Buddy-Movies und eine Schande für Martin Riggs und Roger Murtaugh, für Jack Cates und Reggie Hammond und sogar für Mike Lowrey und Marcus Burnett – Und das will schon was bedeuten.