"Sabotage" (USA 2014) Kritik – Wo die Muskelberge unter Mimikspastik leiden

Autor: Sebastian Groß

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„We had our fingers in the devil’s pussy.“

Neben den hundert Millionen Dollar schweren Massenvernichtungsorgien der großen Studios, in denen ganze Metropolen und damit auch deren Bewohner den Erdboden gleichgemacht werden, hat sich fast schon etwas still und heimlich ein zweiter Actiontrend gebildet. Gemeint sind günstige bis mittelpreisige Actionfilme, die in ihrer Destruktion weitaus realistischer, rauer und vor allem brutaler zu Werke gehen, als die auf Zelluloid gebannten Zerstörungsorgien eines „Man of Steel“ oder „Star Trek Into Darkness“. „Sabotage“ von „Harsh Times“-Regisseur David Ayer ist so ein „kleiner“ Actionfilm. Ein brutaler Reißer, in dem nicht klinisch sauber gestorben wird, sondern in dem das Blut spritzt, Projektile tiefe Wunden ins Fleisch fräsen und schon mal die Eingeweide von der Decke hängen. Ein Film halt für Erwachsene, und dazu spielt auch noch Arnold Schwarzenegger, der alte König der Actiongardisten, mit. Ein Grund also, um sich auf „Sabotage“ zu freuen. Vor allem weil diese kleineren, schmutzigen Actionfilme noch fern von einem Übersättigungsgefühl sind, ganz anders als die protzigen Kollegen.

Machen wir’s jetzt erst einmal kurz, bevor wir genauer auf „Sabotage“ eingehen: Der Film ist seine Vorfreude nicht wert. Kein bisschen. So, ihr könnt jetzt entweder das Lesen einstellen, uns als unwissende Idioten titulieren (bzw. den Autor dieser Kritik) und dennoch ins Kino rennen, oder ihr lest weiter und erfahrt, warum David Ayers kruder Dummfilm von uns eine klare Anti-Empfehlung erhält. Um euch etwas Bedenkzeit zu geben, hier kurz die Synopsis: Ein Elite-Team der DEA (Drug Enforcement Agency) rund um den Anführer John „Breacher“ Wharton, nehmen in Atlanta das Safe House eines Drogenkartells aus. Ziel der Gruppe: das dort gelagerte Drogengeld. Davon verstecken sie zehn Millionen Dollar, um es später untereinander aufzuteilen. Doch als endlich Zahltag ist und das Team ihren illegalen Zusatzverdienst bergen will, ist die Beute spurlos verschwunden. Als wäre das noch nicht schlimm genug, wird auch intern gegen Wharton und seine Crew ermittelt und als Sahnehaube dezimiert jemand Unbekanntes das Team.

David Ayers letzter Film „End of Watch“ überzeugte durch gutes Schauspiel, durch eine authentische Atmosphäre sowie durch eine schlüssige Story. Davon ist „Sabotage“ meilenweit entfernt. Kein Wunder, denn die Geschichte bzw. das Script ist ein löchriges Abgrasen von chauvinistischen Debilitäten. Das Team rund um Schwarzenegger besitzt nichts Menschliches. Alle, selbst die später auftauchenden Ermittler des FBI, sind plastinierte Rollenmodelle, deren Verwesungsgeruch penetrant durch den Action-Thriller wabt. Leblose Pappchargen, dazu verurteilt Dialoge aus der Hölle aufzusagen. Kein Wunder, beruht das Skript doch auf einem Drehbuch von Skip Woods. Dieser verfasste bereits Katastrophen wie „Hitman – Jeder stirbt allein“ und „Stirb Langsam – Ein guter Tag zum sterben“. Mit „Sabotage“ hat er aber so etwas wie sein bisheriges Magnus Scrotum abgeliefert. Wobei es natürlich schon interessant wäre zu wissen, inwiefern David Ayer noch Dinge verbessert, bzw. verschlimmert hat mit seiner Überarbeitung des Drehbuchs. Dieses Wissen würde sich allen schon deswegen lohnen, um zu wissen, wen man für die unglaublich stupiden Charaktere auf die Finger hauen soll.

Egal ob Arnold Schwarzenegger als väterlicher Team Leader Breacher, Sam Worthington („Avatar – Aufbruch nach Pandora“) als bärtiger Monster oder Terrence Howard („Prisoners“) als Quoten-Afroamerikaner Sugar, alle Charaktere, die „Sabotage“ auffährt, sind ein Ärgernis: allesamt unsympathische Muskelberge mit Mimikspastik. Um den Zuschauer nicht zu überfordern, wird uns dann auch zu jeder freien Minute mittels pubertärem Männlichkeitsgehabe klar gemacht, dass dieses Team zusammenhält, komme was da wolle. So sollte vielleicht Empathie generiert werden, die dann vermutlich wiederum einen Schock verursachen sollte, wenn sich dann das Gruppengefüge im späteren Verlauf aufsplittert. Tja, „hätte“ und „sollen“. Im Falle von „Sabotage“ sind dass die kleinen Brüder von „versagt“ und „verschissen“. Wobei die Figuren in Ayers Film zumindest im Bereich der unfreiwilligen Komik punkten können. Die Speerspitze dieser verzichtbaren Unerträglichkeiten ist Mireille Enos („World War Z“) als Lizzy: eine durchtrainierte Amazone, die vermutlich als Kind in einem Topf voller Testosteron gefallen ist und mit ihrem hyper-maskulinen Gebaren jedes Klischee, was es über Frauen in männlich dominierten Berufen gibt, bestätigt.

Aber okay, wohl niemand dachte bei der Ankündigung von „Sabotage“ an so etwas wie „Juhu, endlich wieder tolle Charaktere“, deswegen kümmern wir uns mal um die Action des Films. Die ist, wie bei Ayer gewohnt, recht energetisch und vermittelt den Eindruck von Bedrohung und Konsequenz. Schade nur, dass es in „Sabotage“ nur sehr selten dazu kommt, das Äkschn-Arnie und seine Gefährten wirklich etwas zu tun haben. Mehr als Actionszenen inszeniert Ayer leb- und lieblos montierte Dialoge. Dass die nicht zu gebrauchen sind, wurde ja bereits geklärt. Was hingegen noch erwähnt werden sollte, ist dass die Story von „Sabotage“ eine unförmige wie löchrige Ansammlung von Ungereimtheiten ist, die dazu teils wirklich schlecht konzipiert sind. Es scheint fast so, als ob David Ayer letztlich mehr daran interessiert ist, drastische Gewalteskapaden zu zelebrieren. Nicht unbedingt die Ausführung von Gewalt, sondern viel mehr deren Resultat. Die Brutalität von „Sabotage“ dient als hochschaukelndes Element, doch wo Filme wie „The Raid“ diese als bitteren wie markerschütternden Motor für die Action nutzen, verkommt sie unter Ayer zum divergenten Pflichtprogramm ohne wahren Zweck. Ganz ehrlich, wer die Action von „Sabotage“ als gelungen bezeichnet, kann so viele gute Actionfilme nicht gesehen haben.

Bleibt zum Schluss noch der Blick auf unseren Arnie. Nach seiner politischen Karriere versucht er sich nun wieder als Actionstar, doch ohne seinen Steroid-Buddy Sylvester Stallone und dessen Geronto-Actionreihe „The Expendables“, scheint es nicht sonderlich gut für ihn zu laufen. Sein erster großer Solofilm nach seiner Zeit als Gouvernator, „The Last Stand“, erhielt gemischtes Echo und floppte an den Kinokassen brachial. Ob „Sabotage“ ein Erfolg wird, bleibt abzuwarten. Ein großer Hit wäre aber absolut unverdient! Auch weil Schwarzenegger mit dem Problem zu kämpfen hat, dass das krude Script von ihm Emotionen erwartet. Hier zeigt sich aber, dass Arnie zwar ein Typ mit einer kernigen Ausstrahlung ist, als dramatischer Akteur ist und bleibt er aber absolut überfordert. Falls „Sabotage“ aber dennoch ein Kassenmagnet wird, würde dies zumindest gut zu der alten Redewendung passen, dass man auch Scheiße zu Gold machen kann. Pardon für diese harten Worte, aber das Niveau von „Sabotage“ ist sogar noch ein paar Etagen tiefer. Das wäre gewiss nicht sonderlich verwerflich, wenn der Film zumindest gut unterhalten würde, tut er aber nicht. Trotz viel CGI-Blut und harten Männern mit Schultern so breit wie ein Tisch, ist „Sabotage“ nicht mehr als ein wimmerndes Nichts. Der ungelenke Versuch einen rohen Actionbrocken zu erschaffen, der am Ende von seiner eigenen Dummheit niedergemetzelt wird. Zum Glück kommt ja bald „The Raid 2“.