"Safe" (USA 2012) Kritik – Jason Statham räumt in der Unterwelt auf

„An deiner Stelle würde ich meine Zeit nicht mit reden vergeuden.“

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Die Zeit des starken Kerls aus dem Actiongenre ist leider vorbei. Der härteste Typ, der in der letzter Zeit über die Leinwände donnern durfte, war der Driver aus Nicolas Winding Refns ‚Drive‘, der sich aber nicht durch seine grobe Statur oder rotzigen One-Liner auszeichnete, sondern durch bedacht, ebenso gradliniger Brutalität und Stille. Vermissen tut man die Zeiten trotzdem, in denen Arnold Schwarzenegger, Silvester Stallone und Jean-Claude van Damme noch die Kinos unsicher gemacht haben und keinen Stein auf dem anderen gelassen haben. In denen die politische Korrektheit niemandem etwas bedeutet hat und Feinde eben wie Feinde behandelt wurden und nicht mit Worten, sondern mit Waffen gesprochen wurde. Schaut man sich die Actionstars von heute an, dann fehlen irgendwie die richtigen Männer. Vin Diesel und The Rock machen da zwar schon rein optisch den richtigen Eindruck, doch die Rollenwahl der beiden Schränke lässt viel zu oft zu wünschen übrig. Wer jedoch auch genau in die Rolle des Actionstars passt, ist Muskelpaket Jason Statham, aber auch der Brite kann mit seinen Filmen nicht mehr wirklich überzeugen. 2012 meldete sich Boaz Yakin nach 9 Jahren Ruhe zurück und mit ihm der Action-Thriller ‚Safe‘, in dem Statham wieder einmal die Hauptrolle hat, doch auch ‚Safe‘ passt‘ genau in die ausgelutschte Actionsparte, die Statham in letzter Zeit nur zu gerne bedient.

Luke Wright war mal einer der besten Polizisten der Stadt. Doch seine Aufrichtigkeit hat ihn aus dem korrupten Kreis seiner Kollegen getrieben. Nun findet man ihn bei Martial-Art-Fights, aber auch hier geht einiges schief, und als er seinen Gegner ins Koma prügelt, steht die russische Mafia schon mit gezückten Pistolen in seinem Haus und erschießt seine Frau. Die 10 jährige Mei wird zur gleichen Zeit von den Triaden entführt und wegen ihres genialen Zahlengedächtnisses gefangen gehalten, denn sie weiß einen Code für einen vollen Tresor. Den Code wollen natürlich die Russen haben und Luke, der Mei zufällig über den Weg läuft, erklärt sich zum Beschützer des kleinen Mädchens und rutscht dabei nicht nur zwischen die beiden Verbrecherfronten, sondern trifft auch auf seine alten Kollegen wieder.

Einen richtig innovativen und neuen Actionfilm haben wir schon lange nicht mehr gesehen, aber das muss er auch gar nicht sein, wenn er denn wenigstens Spaß macht und richtig auf den Putz haut. Mit Jason Statham, der schon als britischer Pitbull bekannt ist, hat man dazu natürlich den richtigen Mann. Aber Statham allein kann da wenig anrichten, wenn der Rest des Films nicht wirklich packen will. Dabei sind die ersten Anzeichen gar nicht mal so schlecht. Verschiedene Fronten vermischen sich, ein Einzelgänger steht zwischen ihnen und muss nicht nur mit seiner neuen gefährlichen Situation klarkommen, sondern sich auch als Beschützer beweisen und zu seinen Prinzipen stehen. Auch die Kameraarbeit, die war manchmal etwas wirr wirkt, aber in der Verfolgungsjagd wirklich ansehnlich ist, macht in manchen Momenten einiges her. Dazu auch der Score von Marc Mothersbaugh, der in seiner Melodie immer etwas an das legendäre ‚Mission: Impossible‘-Theme erinnern lässt, aber durch sein tiefes Dröhnen die Stimmung selbst perfekt hätte unterstreichen können.

Mit Luke Wright kriegen wir sozusagen einen Prototyp des Genres. Luke war mal einer der besten Cops der Polizeieinheit New Yorks, doch sein Problem war, seine Ehrlichkeit. Er hat zwar das Blut fließen lassen, allerdings bei den Menschen, die es auch verdient hatten. Nachdem er jedoch bei der Polizei rausgeflogen ist, versuchte er sich mit abgekarteten Käfigkämpfen über Wasser zu halten, die er in der Regel eigentlich verliert, nur in dem Fall, in der die russische Mafia Unmengen Geld auf seine Niederlage gesetzt hat, gewinnt er und prügelt seinen Gegner nicht nur ins Krankenhaus, sondern auch direkt ins Koma. Als er darauf nach Hause kommt, warten dort schon einige finstere Gestalten, die seine Frau bearbeiteten und töteten und drohen ihm damit, jede Person umzubringen, mit der er Kontakt hat. Der beste Weg wäre nun der Suizid, doch Luke treibt sich als Obdachloser durch die Stadt. Er ist vollkommen allein und darf keinerlei Kontakte aufbauen, wenn er nicht sein eigenes Leben und das von fremden in Gefahr bringen will. In dieser Zeit wird auch die kleine Mei gefangen gehalten, die von den Triaden als sicherstes Gedächtnis genutzt wird und einen Code in ihrem Kopf bewahrt, der der Schlüssel zu einem Tresor ist, den die Russen nur zu gerne knacken würden. Deswegen wird sie daraufhin auch von den Russen entführt, schafft jedoch die Flucht und trifft dabei in der U-Bahn ihren neuen Beschützer Luke, dem sie sich anschließt. Nun müssen die beiden einsamen Seelen ohne Heimat zusammenhalten und sich gegen alles und jeden wehren, doch das geht nur gemeinsam.

Regisseur Yakin würde ‚Safe‘ gerne als 70er Jahre Hommage verkaufen, die sich den dreckigen Cop-Thrillern alá Friedkin und Lumet widmet, doch scheitert dabei gewaltig. ‚Safe‘ ist mit kompromisslosen und flotten Szenen ausgestattet, ohne Zweifel, doch der New-Ära-Stil ist ihm trotzdem an jeder Ecke anzusehen und seine Aufmachung wirkt immer Möchtegern, als wirklich ansprechend und an alte Zeiten zurückerinnernd. Dazu kommt die recht flache Story, die zwar ab und an ihre überraschenden Momente hat, aber im Großen und Ganzen immer durchsichtig bleibt. Genau wie die Standardbösewichte, deren Ende schon beim Durchlesen der Handlung klar sein sollte. Statham macht zwar nach langer Zeit wieder eine gute Figur, rotzt Sprüche und ballert was das Zeug hält,aber hilft seinem eindimensionalen Charakter so auch nicht auf die Sprünge. Highlights gibt es genauso wenige, denn wenn es mal zur Sache geht, dann ist es auch schnell wieder vorbei, obwohl es doch gerade Laune machen könnte. ‚Safe‘ bleibt zwar auf unterschwelligem Niveau unterhaltsam, aber bietet nur das, was wir schon 1000 Mal gesehen haben und davon auch 800 Mal besser.

Fazit: Der gebrochene Mann, der nichts mehr zu verlieren hat und wieder neuen Sinn im Leben findet. Die Geschichte kennen wir schon. Auch die Action ist zwar nett inszeniert, aber nichts Besonderes. Statham macht endlich mal wieder was her und blamiert sich nicht, aber auch er kann ‚Safe‘ nicht retten. Am Ende bleibt ein stellenweise ziemlich durchwachsener, manchmal nett unterhaltender, aber viel zu flacher Actioner, der uns genau das zeigt, was wir schon kennen. ‚Safe‘ tut nicht weh, aber gibt uns auch nichts.