"Schändung – Die Fasanentöter" (DE/DK/SE 2014) Kritik – Ein Verbrechen verjährt niemals

Autor: Pascal Reis

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„Diese Person war ich nicht. Ich war nicht ich selbst…“

Jussi Adler-Olsen lässt das Herz von Krimipretiosen auf der ganzen Welt höherschlagen und suhlt sich daher auch zu Recht in internationaler Reputation. Seine Romane, oft äußerst drastisch in ihrer Gewaltschilderung und die Grenzen des konservativen Gestus durch menschliche Abgründe mit Anlauf überschreitend, verharren mit Wonne über Monate in den Bestsellerlisten. Bei einem solch rigorosen Leserandrang war es selbstverständlich nur eine Frage der Zeit, bis das erste Jussi Adler-Olsen-Buch auf die großen Leinwände projiziert werden sollte. Mit „Erbarmen“, Anbruch einer fünfteiligen Reihe, ist das dann auch im Jahre 2014 der Fall gewesen. Durch deutsche Subventionen finanziert, musste sich „Erbarmen“ als filmische Interpretation jedoch die Vorwürfe gefallen lassen, keine wirkliche Individualität im Sumpf des kontemporären Krimi-Wahnsinns versprühen zu können: Etwas bessere ZDF-Abendunterhaltung lieferte uns Regisseur Mikkel Norgaard da ab, stellte aber gleichzeitig auch die Weichen dafür, die Serie fortzusetzen. Und warum auch nicht?

Wenn Jussi Adler-Olsen als Deklaration auf einem Projekt vorliegt, werden auch die Massen angelockt und egal, wie verhalten das Echo der Kritik auch bei „Erbarmen“ ausfiel – Nicht Wenige zeigten Gefallen an der düsteren Krimikost. Nun schafft es „Schändung – Die Fasanentöter“ in die deutschen Lichtspielhäuser, die Fortsetzung zu „Erbarmen“, für viele Leser Adler-Olsens sogar der eindrucksvollste Roman, den er in seiner Karriere bisher verfasst hat. Als filmaffiner Geist zeichnet sich aber schon in den ersten Minuten von „Schändung – Die Fasanentöter“ die bittere Vermutung ab: Nein, hier wird nichts Besonderes abgerollt. Und man sollte tragischerweise Bestätigung erfahren. War „Erbarmen“ schon nicht sonderlich inspirierend in seiner mit bleierner Schwere inszenierten Verbrecherhatz, bei der eine Dampfdruckkammer eine garstige Rolle spielen sollte, ist „Schändung – Die Fasanentöter“ sogar noch eine Qualitätsstufe niedriger anzusiedeln, hat sich doch nicht nur die gestalterische Route längst als Sackgasse zu erkennen gegeben, auch das divergente Duo um Carl Morck (Nikolaj Lie Kaas) und Assad (Fares Fares) trampelt im Kreis herum.

Carl Morck wird weiterhin einzig über seinen selbstdestruktiven Habitus charakterisiert, was Nikolaj Lie Kaas dazu veranlasst, die Stirn stetig in Falten zu werfen und bedröppelt aus der Wäsche zu lugen. Assad bedient ohnehin die zweite Geige, darf hier und da seine Meinung kundtun, Carl Morck auch mal davor bewahren, komplett aus den Fugen zu geraten, ansonsten steht der Syrer meistens im Hintergrund und zieht verwegen den Rauch seines Glimmstängels ein. Dass Carl und Assad bereits in „Erbarmen“ etabliert worden sind, sollte klar sein, deswegen wäre es für „Schändung – Die Fasanentöter“ der einzig rentable Schritt gewesen, neue Facetten aufzuweisen, ihnen etwas mehr Tiefe durch Entwicklung einzugestehen – Aber Pustekuchen. Abgesehen vom fahlen Ermittlergespann sind auch die Antagonisten der Geschichte (u.a. gespielt von Pilou Asbaek und David Bencik) holzschnitzartige Abziehbilder, die mit Sicherheit auch Katzenbabys in der Regentonne ertränken würden, solche Fieslinge sind das! Der Roman selbst war als gesellschaftskritische Parabel justiert, in denen die Täter ein repräsentatives Profil aufbringen durften, in dem an ihrem Beispiel veranschaulicht wurde, wie Straftaten und Delikte durch Wohlstand verschleiert werden.

In der filmischen Übersetzung ist von diesem erschütternden Aspekt wenig bis gar nichts übriggeblieben. „Schändung – Die Fasanentöter“ geht sogar so weit, dass er das Porträtieren einer gesellschaftlichen Kluft gnadenlos trivialisiert, in dem er sich weniger um Kohärenz, als um die Düsternis seiner Fotografien schert. Seit „Sieben“ und auch der „Millenium“-Trilogie weist dieser aus den Bilder quellende Nihilismus jedoch herbe Abnutzungserscheinungen auf – Man hat sich schlichtweg sattgesehen. Dass es in diesen nordischen Kriminalgeschichten nicht zimperlich zugehen wird, ist wenig überraschend, so wird auch „Schändung – Die Fasanentöter“ mit Sex- und Gewaltszenen gestreckt. Allerdings ist der Einsatz jener Sequenzen im Kontext der auf das banale Minimum seiner Möglichkeiten heruntergebrochene Handlung ein biederer Wink mit dem Zaunpfahl. Was hier aufrütteln soll, besitzt längst keine Kraft mehr dazu, irgendetwas zu bewegen, zu abgestanden und absehbar wird die gesamte Angelegenheit dargeboten. Lieber bei „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ bleiben. Da hat man mehr von.