"Das Schwergewicht" (USA 2012) Kritik – No More Mr. Nice Guy

„I’m bringing the boom!“

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Schon mal aufgefallen, dass Kevin-James-Komödien immer nach demselben Schema verlaufen? Denn der lustige Dicke aus der beliebten Sitcom „King of Queens“ darf, ganz im Stile alter Donald-Duck-Cartoons, in seinen Leinwandausflügen in die verschiedensten Jobs der amerikanischen Mittelschicht schlüpfen. Hier stellt er den Arbeitsalltag durch seine liebenswert-tollpatschige Art gehörig auf den Kopf – Lustig, oder? So durfte er sich bereits als Zoowärter, Kaufhaus-Polizist, Feuerwehrmann und Vertreter versuchen. Auch in „Das Schwergewicht“ bleibt James dieser Tradition treu und schlüpft in die Rolle eines Biologielehrers, der zu einem Cage-Fight-Kämpfer mutiert, um das Geld für die Rettung des schuleigenen Musikkurses zu beschaffen. Eine familienfreundliche „Warrior“-Version mit Kevin James? Das kann doch nur schief gehen. Doch allen Unkenrufen zum Trotz funktioniert die neue Komödie von Frank Coraci („Klick“) sogar stellenweise richtig gut, was besonders an den gelungenen Cage-Fight-Einlagen liegt. „Das Schwergewicht“ ist somit die erste Kevin-James-Komödie, die nicht nur Kevin-James-Fans unterhalten dürfte.

Scott Voss (Kevin James) war mal ein guter Biologielehrer. Eigentlich war er nicht nur gut, sondern sehr gut, schließlich wurde er sogar Lehrer des Jahres. Doch diese Zeiten sind lange vorbei und inzwischen trifft Scott Voss meist lang nach seinen Schülern im Klassenzimmer ein. Das ändert sich, als er davon erfährt, dass auf Grund von Budgetkürzungen kein Geld mehr für den beliebten Musikkurs des Orchesterleiters Marty (Henry Winkler) mehr vorhanden ist. Doch wie sollen die bis zum Ende des Semesters benötigten 48.000 Dollar beschafft werden? Obwohl die Lage hoffnungslos erscheint, gibt Scott nicht auf und beschließt als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer das Geld zu beschaffen.

Wirklich „dick“ ist der ehemals stark adipöse Lastwagenfahrer aus „King of Queens“ schon lange nicht mehr. Verkörperte er in „Der Kaufhaus-Cop“ noch den liebenswerten Pfundskerl von nebenan, purzelten die Pfunde von Film zu Film immer stärker. In „Das Schwergewicht“ präsentiert sich Kevin James erstmals richtig durchtrainiert und macht dadurch sogar neben Größen des Sports eine erstaunlich gute Figur. Denn auch wenn Kevin James sonst immer den Nice-Guy gegeben hat, in „Das Schwergewicht“ langt er auch gerne mal kräftig hin.

Dass in einem Kevin-James-Film mal Blut fließt, Fäuste fliegen und sich die Protagonisten ernsthaft Gedanken um ihre Gesundheit machen müssen, hätte vor „Das Schwergewicht“ wohl keiner gedacht. Doch der bekennende MMA-Fan Kevin James wollte mit diesem Projekt keine halben Sachen machen, schließlich hatte er oft genug betont, dass es sich hierbei um ein Herzensprojekt von ihm handelt. Und so wurden Kampfsportgrößen wie Bas Rutten, Mark DellaGrotte und Jason Mayhem Miller verpflichtet, die nicht nur mit dem „King of Queens“-Star trainiert haben, sondern auch gleich für das nötige Maß an Authentizität sorgen.

So überraschend gut die Kampfszenen sind, so vorhersehbar ist die Geschichte um den desillusionierten Biologielehrer, der plötzlich sein Lehrer-Mojo wiederentdeckt. Denn wenn Biologielehrer Scott Voss plötzlich auf Tische steigt und versucht den Schülern mit einigen Scherzen den Lehrstoff in die Köpfe zu treiben, dann sind die Parallelen zu „Der Club der toten Dichter“ offensichtlich. Innovatives erwartet man von einer Frank-Coraci-Komödie eigentlich ohnehin nicht, doch wenn ein Film so dermaßen schematisch gestaltet ist, ärgert das schon ein wenig. Und so bleibt die Handlung gänzlich vorhersehbar, wobei natürlich ein finaler und unnötiger Twist nicht fehlen darf, um den letzten Kampf noch einmal so richtig „spannend“ zu machen. Wenn letztendlich sogar der Schulchor extra zu diesem Event eingeflogen wird, um den prügelnden Biologielehrer mit einer Live-Hymne in den Käfig zu begleiten, ist das selbst für eine Komödie wie „Das Schwergewicht“ eindeutig zu dick aufgetragen.

Wenigstens die Darsteller sind mit Spaß bei der Sache. Neben einem liebenswerten Kevin James, können auch Selma Hayek („Frida“), Bas Rutten („Sinners and Saints“) und Henry Winkler („Arrested Development“) überzeugen. Große Schauspielkunst wird hier natürlich nicht gezeigt, doch zwischen diesen vier Schauspielern scheint die Chemie einfach gestimmt zu haben und so wird aus „Das Schwergewicht“ zwar kein guter, dafür aber immerhin ein kurzweiliger Film.

Fazit:
Wenig flache Witze, dafür mehr Treffer unter die Gürtellinie: „Das Schwergewicht“ ist der erste Kevin-James-Solo-Film mit echtem Unterhaltungswert.