Scream 4 (2011) – Eine gute Enttäusschung

Wes Craven ist alt geworden. Und irgendwo hat der Film jetzt schon einen leichten Staub auf der Filmrolle, trotz Anpassung des Härtegrads an die heutige Zeit. Anders formuliert: Craven hat einen altmodischen Film gemacht, der sich wieder ein Stück weit neu erfindet, Metaebene über Metaebene bastelt und Klischees und den heutigen Zeitgeist entlarvt und verarscht. All das hatten wir aber schon 1996. Bemerkenswert aber trotzdem ist, dass man dem Scream-Genre trotzdem noch Neues abgewinnen kann, eben nicht nur für Fanboys. Via Facebook, Twitter und Livestreams werden die Kills wiedermal auf ein anderes Niveau verfrachtet, das nach dem brillanten Intro auch bitter nötig war. Ab der Hälfte gelangt Scream dann wieder zur alten Form, ist spannend, witzig und wirklich sehr brutal.

Das Jonglieren mit Insidergags und Anspielungen kann Williamson einfach nicht lassen, stört auch nicht weiter, aber irgendwann läuft die Masche ins Aus. Da muss der Zuschauer verschmerzen, dass die Altstars wirklich Müde agieren und von den Neuen an die Wand gespielt werden. Etwas mehr Mut zum Neuen hätte dem Film gut getan, etwas mehr Schauwerte, vielleicht einmal ein anderer Schauplatz oder einfach noch schockierende Wendungen im Bezug auf die Hauptpersonen.

Die Auflösung, sowie das komplette Finale ist grandios und gelangt zur Original Scream-Stärke, auch wenn es relativ unspektakulär inszeniert wurde. Etwas größer und weiter hätte man es anlegen können, doch das ist meckern auf hohem Niveau.

Die Frage, die jetzt im Raum steht: Was soll jetzt noch kommen? Wirklich ALLES haben wir jetzt gesehen, alles wurde verarscht, geschlitzt und vermöbelt, wie soll man noch zwei sinnvolle Teile hinterher jagen? Wenn das allerdings der Letzte gewesen sein soll, dann ist das etwas dürftig und es hätte ihn nicht gebraucht, wenn aber dies der Auftakt sein sollte, wie es heißt, dann sehe ich diesen Film als ausgezeichnet an. Craven zeigt den „Horrormeistern“ von heute eben doch noch, wo der Haken bzw. das Messer hängt. Irgendwo charming und nostalgisch und hart und kultig, leider aber auch mit einigen Schwächen versehen, über die man als Screamianer gerne hinwegsieht. Es ist eben doch das beste Horrorfranchise.

Fazit: Altmodisch Erneuerung des Mythos Scream, etwas konturlos und blass bei den Darstellern, aber blutig, spannend und im Hinblick auf unsere heutige Horrorkultur bitter nötig.

Bewertung: 7/10 Sternen