"Seraphim Falls" (USA 2005) Kritik – Ein ungewöhnlicher Genre-Beitrag

„Nobody can protect nobody in this world.“

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Nadelwälder, Kälte und Schnee. Ganz viel Schnee. „Seraphim Falls“ scheint sich am Klassiker „Leichen pflastern seinen weg“ orientiert zu haben. Und zwischendrin ein Mann, gefangen in der Wildnis und auf der Flucht. Das Warum erfährt der Zuschauer im Laufe des Films.

„Seraphim Falls“ beginnt zwar recht unlogisch (Flüchtiger überlebt Eiseskälte nachdem er einen Bergfluss als Fluchtmöglichkeit nehmen muss), bald jedoch entwickelt sich der Western zu einem sehr sehenswerten Genre-Beitrag. Opulente Naturaufnahmen, haufenweise Ideen und zwei sehr gute Darsteller, einer der Jäger (Liam Neeson), der andere der Gejagte (Pierce Brosnan). Figuren mit Ecken und Kanten, skrupellose Kopfgeldjäger, es beginnt eine spannende Hatz über die verschiedensten klimatischen Regionen. Wüsten, Schneelandschaften, Wälder, Berge, der Film deckt das gesamte Spektrum ab. Und das macht ihn so interessant. Er zeigt nicht nur die Menschen, die sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, sondern die Natur als Kontrahent eben jener. „Seraphim Falls“ ist ein Ausnahmewestern, der bald tiefer geht, als der Zuschauer anfangs glaubt. Hass, Rachegedanken, sinnloses Töten, „Seraphim Falls“ ist ein Abbild unserer Welt. Dass der Regisseur seine Ideen konsequent durchzieht, ist umso erfreulicher.

Die Entscheidungen der Figuren sind zugegeben nicht immer realistisch. Die ein oder andere Länge verzeiht man gerne, ebenso dass dem Genre-Kenner bestimmte Szenen aus anderen Western bekannt vorkommen, denn „Seraphim Falls“ ist ein toller Vertreter seiner Gattung. Er bietet coole Charaktere, ist hart in seiner Umsetzung und zugleich wunderschön bebildert. Solche Western würde ich gerne öfters sehen.

Bewertung: 7,5/10 Sternen