"Shaun of the Dead" (GB 2004) Kritik – In England sind die Zombies los

„Sind Zombies in der Nähe?“ – „Sag das nicht.“ – „Was?“ – „Das.“ – „Was??“ – „Na, das. Das Wort mit Z. Sag es nicht.“ – „Warum nicht?“ – „Weil es irgendwie lächerlich klingt.“ – „Na schön… Und sind da nun welche?“

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Nach der Jahrtausendwende ist es seltsamerweise immer noch Genre-Urgestein George A. Romero, der das Zombie-Genre regelmäßig mit seinen geliebten Untoten lebendig hält, während sich frische Gesichter ohne Halt im Einheitsbrei verlaufen und Zombies ohne jegliche Qualität oder Unterhaltungswert auf Menschenjagd schicken. Sicher hat Romero auch schon einen Teil seiner einstigen Klasse eingebüßt, doch der Mann inszeniert seine Filme nach wie vor mit dem Herzen, die Liebe zum Genre ist immer noch spürbar und verhilft Werken wie „Land of the Dead“ oder „Survival of the Dead“ zu dieser unverwechselbaren Atmosphäre, wie sie nur Romero erzeugen kann. Aber im neuen Millennium gibt es noch einen ganz anderen Filmtrend: Die Parodien oder „Verarschen“. Mit „Scary Movie“ einst in pubertärer, aber durchaus unterhaltsamer Weise losgetreten, überschwemmen Katastrophen wie „Meine Frau, die Spartaner und ich“, „Disaster Movie“ und „Beilight“ den Markt und stecken mit ihrer Niveaulosigkeit die ganze Filmwelt an. Aber es gibt zum Glück noch Ausnahmen, die den Charme und die Klasse der parodierten Vorlagen berücksichtigen und sich in diesen Fällen nicht nur als Parodie verstehen lassen können, sondern auch als liebenswürdige Hommage, genau wie Edgar Wrights „Shaun of the Dead“ aus dem Jahre 2004.

Shaun ist Ende 20 und hat in seinem Leben nichts erreicht. Gerade erst hat er seine Beziehung mit Liz in den Sand gesetzt und auf der Arbeit wird er von seinen jüngeren Kollegen nicht mehr ernstgenommen. Eigentlich hat er nur noch Ed, seinen Mitbewohner, der die meiste Zeit damit verbringt, Videospiele zu spielen, Drogen zu verticken und Alkohol zu konsumieren. Aber Shaun will sein jämmerliches Dasein ändern, auch wenn das Aufgeben des Rauchens nur ein kleiner Schritt in Richtung Besserung ist, und versammelt auch diesen Versuch. Das größte Problem kommt auf die Engländer allerdings erst noch zu, denn über Nacht wimmelt es überall von Untoten die nur ein Ziel vor Augen haben: Menschfleisch. Shaun muss endlich seinen Mann stehen, die Familie und Freunde zusammentrommeln und den Kampf ums Überleben antreten…

Simon Pegg zählt zu den festen Größen des britischen Humors. In der Serie „Spaced“ machte der Rotschopf auf sich Aufmerksam und empfahl sich nicht nur als kreativer Kopf, sondern auch als ungemeiner Sympathieträger, bei dem es nur eine Frage der Zeit war, bis er auf der großen Leinwand seine Wellen ziehen darf. In „Shaun of the Dead“ beweist Simon Pegg vollkommen, dass er nicht nur einer Hauptrolle gewachsen ist, sondern auch eine charismatische Leinwandpräsenz besitzt, die den höheren Anforderung mehr als gewachsen ist. Allerdings trägt Pegg den Film nicht allein durchs Ziel, sondern kann genüsslich im Zusammenspiel mit Schauspielkollegen Nick Frost aus den Vollen schöpfen. Frost und Pegg harmonieren hervorragend, gerade weil sie so gegensätzlich sind und sich die Bälle grandios zuspielen können. Aber „Shaun of the Dead“ ist auch in den Nebenrollen wunderbar besetzt: Da hätten wir Kate Ashfield als Liz, Dylan Moran als David, Bill Nighy als Philip, Lucy Davis als Dianne und Penelope Wilton als Barbara. Selbst Martin Freeman, den man bald in der Hauptrolle von „Der Hobbit“ als Bilbo Beutling sehen kann, ist in einer kurzen Szene zu sehen, genau wie Regisseur Edgar Wright in diversen Nebenrollen vertreten ist.

Für die hartgesotteten Zombie-Fans der alten Schule kann vorweg nostalgische Entwarnung gegeben werden, denn Regisseur Edgar Wright, der ebenfalls Regie bei der erwähnten Erfolgsserie „Spaced“ geführt hat, lässt die Zombies ausdruckslos durch die Gegend schlurfen, genauso wie wir sie lieben und das wunderbare Gegenteil von Zack Snyders überaus gelungener Dawn of the Dead-Variante darstellt. Dabei stehen jedoch die Figuren Shaun und Ed im Mittelpunkt und Wright spinnt um die beiden Protagonisten ein Beziehungsnetz, bestehend aus Freunden, der Familie, Liebe und natürlich den damit verbundenen Problemen. Shaun ist ein Standardengländer, einer von vielen eben, die täglich ihrer Arbeit nachgeben, aber keinen wirklichen Sinn im Leben gefunden haben, was sich auch am routinierten Tagesablauf abzeichnet. Vom Bett auf die Couch, von dort in den Kiosk und auf zur Arbeit. Abends dann noch ins Lieblingspub Winchester und das war es. Zwischendurch gibt es noch Stress mit dem dritten Mitbewohner, der sich vor allem an Eds Fehlverhalten in Sachen Sauberkeit und Höflichkeit eschauffiert und die Beziehung zu Liz hat längst jeden aufregenden Reiz verloren. Kommen dann jedoch die Zombies ins Spiel, die fast unscheinbar in den Film geworfen wurden und für Shaun kaum einen Unterschied zu den anderen Menschen darstellen, wird das Geflecht aus alltäglicher Langeweile und menschlichen Enttäuschungen konsequent über den Haufen geworfen.

Wenn man möchte, könnte man „Shaun of the Dead“ als eine etwas andere Geschichte über die Freundschaft zwischen zwei Menschen sehen, die jede Hürde überstehen kann und sogar die extremsten Veränderungen akzeptiert. „Shaun of the Dead“ ist jedoch in erster Linie eine wunderbare Mixtur aus treffsicherer Persiflage und liebenswerter Hommage. Regisseur Edgar Wright kennt die großen Genre-Vorbilder nicht nur, er hat auch den größten Respekt vor ihnen. Allerdings macht seine Inszenierung dabei nicht den Eindruck einer ängstlicher Annäherung, die sich vor jedem Humor scheut, sondern „Shaun of the Dead“ punktet durchgehend mit seinem Wortwitz und der Situationskomik, vor allem dank der herrlich zusammengewürfelten Truppe und den daraus resultierenden Konstellationen. Mit viel Charme und der unverkennbaren britischen Note werden wir in den Kampf gegen die Untoten geschickt, in dem Wright auch in Sachen Emotionalität und Gore voll punkten kann, einfach weil hier nichts erzwungen wirkt, sondern in jeder Szene mit der passenden Natürlichkeit aufwartet, die nicht nur bestens unterhält, sondern auch jeden Charakter auf seine ganz eigene Art menschlich und sympathisch macht.

Fazit: „Shaun of the Dead“ hat nicht nur das Potenzial einer der großen Kultfilme zu werden, er ist es längst. Mit sympathischen Hauptcharakteren, die sich dank ihrer Eigenarten immer wieder wunderbar entfalten können, reichlich Blut und einigen emotionalen Szenen wird „Shaun of the Dead“ zu einem der großen Highlights im Horror-Komödien-Genre. Der schwarzer Humor, die charmante Aufmachung und Edgar Wrights respektvolle, aber nie verklemmte Inszenierung runden das mehr als überzeugende Bild grandios ab und machen „Shaun of the Dead“ schlussendlich zu einem wahren Muss für jeden Fan der schlurfenden Untoten.

Bewertung: 8/10 Sternen