"Sherlock Holmes" (USA 2009) Kritik – Der Meisterdetektiv in neuem Gewand

„In einem anderen Leben wären Sie ein exzellenter Krimineller geworden, Mr. Holmes.“ – „Und Sie ein guter Polizist.“

Ein uraltes Franchise wiederzubeleben, kann ganz schnell in die Hose gehen. Im Fall von Sherlock Holmes hat sich Guy Ritchie offenbar vom Kino des 21. Jahrhunderts blenden lassen und den weltbekannten Detektiv in ein zu enges Kostüm aus Zynismus, Action und Witz gezwengt. Der Charakter ist nicht als Unterhaltungsfigur gedacht, sondern als blitzgescheiter und hochintelligenter Schlussfolgerer, der jeder körperlichen Anstrengung mit seinem Intellekt begegnet – schon gar nicht kämpft er im Ring, um seine Miete zu begleichen. Ritchie machte es sich damit leicht, den Detektiv in unsere Zeit zu übertragen und orientiert sich kaum an Doyles Original. Alles ist auf Coolness ausgelegt und Holmes damit nicht der, der er sein müsste. Dass das vielen Fans sauer aufstößt, versteht sich von selbst. Trotzdem kann man dem „neuen“ Sherlock Holmes nicht unterstellen, dass er nicht unterhalten würde.

Für den Charakter, den Ritchie geschaffen hat, ist Robert Downey Jr. da die Traumbesetzung. Er kann seiner Figur zwar nicht soviel Scharfsinn zuschreiben wie das ein Tim Roth als Lightman vormacht, aber auf den humorvollen Holmes passt seine Mimik und Gestik zu jeder Sekunde. Als Sympathiefigur, die den Film in so einem Fall wie diesem tragen muss, ist Downey Jr. unerlässlich. Den Dr. Watson ließ Guy Ritchie weitesgehend unangetastet, da er in den Romanen genau die Figur darstellt, die gegen Holmes als Antikörper funktioniert. Sehr souverän von Jude Law verkörpert und der einzige Charakter, der den Charme des Originals in den Film überträgt.

Guy Ritchies Aufmachung, die Kostüme, die Schauplätze und das Feeling von London in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts schaffen eine dichte Atmosphäre und lassen einen direkt in dieser Zeit versinken. Die Actionszenen sind ebenfalls solide in Szene gesetzt und die filmischen Effekte sind ganz klassischer Ritchie-Art, wie man sie schon aus Bube, Dame, König, GrAs und Snatch kennt. Da bleibt er seinem Stil treu, was ich sehr begrüße, denn das macht seine Filme unverwechseltbar und jeder trägt seine Unterschrift.

In Sherlock Holmes schlägt mein Herz dann höher, wenn Holmes persönlich durch Beobachtung und Kombination anhand weniger Details Fakten zusammen trägt, wenn er blitzgescheit im Gespräch die Oberhand gewinnt und wenn er schließlich souverän die Lösung präsentiert. Die Auflösung einer ansonsten sehr einfallslosen Geschichte, sein Fall in diesem Film ist wenig spektakulär und dient nur dem Mittel zum Zweck, da hätte sich Ritchie an besseren Geschichten aus den Romanen orientieren können. Dass er das nicht getan hat, beweist nur wieder, dass er seinen eigenen Holmes-Charakter schaffen wollte, was auch weitesgehend funktioniert, auch wenn die Originalfigur niemals dafür gedacht war.

So hat Guy Ritchie Sherlock Holmes also ins 21. Jahrhundert übersetzt. Aktualisiert und aufpoliert komme ich zu dem Schluss, dass er hier nicht hingehört. Zumindest wenn man sich nicht vom Original trennen kann. Ich bin aber offenbar ein Anpassungswesen und hatte mit dem neuen Holmes jede Menge Spaß. Der Humor sitzt, die Action überzeugt, Downey Jr. ist und bleibt ein enorm charismatischer Schauspieler, der den zynischen Holmes ziemlich perfekt spielt und dieser Film ist unbedingt sehenswert. Da wurden Franchies schon schlimmer wieder ins Leben gerufen, wie Star Wars bewiesen hat. Und von Robin Hood, Terminator, Kampf der Titanen und wie sie alle heißen wollen wir hier jetzt mal garnicht anfangen.

Bewertung: 7.5/10 Sternen