"A Single Man" (USA 2009) Kritik – Das Nackte hinter der Fassade

„Ich will in keiner Welt leben, in der Gefühle keine Zeit haben.“

Nachdem ich diesen Film gesehen habe, erfahre ich also, dass Regisseur Tom Ford eigentlich Modedesigner ist. Das erklärt dann auch, warum „A Single Man“ dermaßen auf Hochglanz poliert ist, er sich komplett in der Aufmachung verrennt, die Geschichte vernachlässigt, emotional kalt bleibt und jedes Bild dieser Verfilmung wie aus einem Model-Magazin wirkt. Dadurch bekommt der Streifen seinen ganz eigenen Stil und der wird handwerklich hervorragend über die gesamte Laufzeit aufrecht erhalten. Andererseits: Nach der zehnten tickenden Uhr in Großaufnahme, dem zehnten Model-like-Auge in Riesengroßaufnahme, der zehnten Zeitlupe und der zehnten Szene mit Geigengefiedel muss ich sagen: Es reicht. Eigener Stil, schön und gut, Großaufnahme einer Uhr, meinetwegen, möchte ja wissen in welcher zeitlichen Reihenfolge der Film verläuft, Model-like-Augen, in Ordnung, interessiere mich zwar nicht für Männer, aber das ein oder anderen Frauenguckloch ist ja auch dabei, gegen Zeitlupen habe ich weiß Gott nichts, kommen in Filmen oft hervorragend, unter der richtigen Musik wirken sie brillant und machen eine Szene deutlich intensiver, und letztendlich ist sanfte Geigenmusik sehr schön, wenn sie richtig eingesetzt wird – aber wie heißt es so schön. Alles in Maßen. Nicht übertreiben, lieber zu viel als zu wenig…stimmt ja gar nicht. Weniger ist mehr. Mehr Geschichte, weniger Präsentation. Ich lese kein Gucci-Magazin, sondern schaue ein Drama. Ich möchte mitfühlen, mitleiden und vielleicht sogar weinen – das geht aber nicht wenn ein Model sich nackig macht und in die Fluten springt.

Letztlich ist der gesamte Streifen schön gespielt und die Oscar-Nominierung für Firth gerechtfertigt, doch das tröstet nicht darüber hinweg, dass den gesamten Film im Prinzip nichts geschieht. Alles wird plattgewalzt, die Trübseligkeit geschürt, Atmosphäre aufgebaut und das war’s. Falconer trifft Menschen, spricht mit ihnen über Dinge, die wenig zur Sache tun und die ich als Zuschauer kurz darauf schon wieder vergessen habe. Emotional lässt mich die Geschichte kalt, die Hauptfigur bleibt oberflächlich und egal.

„A Single Man“ bietet nichts, was man nicht schon gesehen hätte, ist handwerklich übertrieben und alles in allem ein langweiliger Film, den man schnell wieder vergisst – und das ist nicht mal schlimm.

Bewertung: 4/10 Sternen