"Sleepy Hollow" (USA 1999) Kritik – Die Legende vom kopflosen Reiter

„Du kommst gerade rechtzeitig um den Kopf zu verlieren“

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Robert de Niro/Leonardo DiCaprio und Martin Scorsese, Alain Delon und Jean Pierre Melville oder Werner Herzog und Klaus Kinski. Das alles sind Traumgespanne aus der großen weiten Filmwelt. Mit Sicherheit könnte man noch viele weitere aufzählen, doch das würde den Rahmen deutlich sprengen. Hier geht es aber um ein ganz anderes Duo, das aber sicher nicht minder besonders ist. Die Rede ist von Johnny Depp und Paradiesvogel Tim Burton und wir begeben uns direkt zurück ins Jahr 1999. Nachdem Depp und Burton schon mit ‚Ed Wood‘ und ‚Edward mit den Scherenhänden‘ zwei großartige Filme ablieferten, kam es im besagten Jahr zu dritten Zusammenarbeit. Mit dem Grusel-Märchen ‚Sleepy Hollow‘ bewies Burton wieder sein Können und inszenierte einen fantastischen Film, der sich nicht im Ansatz vor den beiden vorherigen Filmen verstecken muss.

Das kleine Städtchen Sleepy Hollow hat ein Problem: der Geist des Hessen ist wieder zurückgekehrt und ist auch der brutalen Suche nach seinem Kopf. Ichabod Crane soll wird aus New York nach Sleepy Hollow geschickt und soll die schrecklichen Morde, die sich inzwischen zugetragen haben, aufklären. Crane glaubt nicht an die Legende vom kopflosen Reiter, doch schon bald wird sein Glaube an einen menschlichen Mörder erschüttert.

Mit dem brillanten Kameramann Emmanuel Lubezki, dessen Aufnahmen immer ein großes Highlight sind, hat Burton sich einen der besten seines Fachs gesichert. Die unglaublich atmosphärischen Bilder, mit dem zarten und düsteren Unterton, zählen zu den stimmigsten überhaupt. Dazu der Score von Burtons Stammkomponisten Danny Elfman, der nicht weniger genial ist und ‚Sleepy Hollow‘ punktgenau begleitet und damit eine märchenhafte und unheimliche Atmosphäre erzeugt, die absolut packend ist und jeden Zuschauer in seinen Bann ziehen kann. Der Oscar für die beste Ausstattung ist natürlich auch verdient gewesen, denn nicht nur das einsame Städtchen wurde grandios hergestellt, sondern auch der finstere Wald.

Wie erwähnt spielt hier Johnny Depp wieder die Hauptrolle. Als ängstlicher, aber nicht aufgebender Ichabod Crane ist Depp die absolute Idealbesetzung und kann schnell alle Sympathien ohne Probleme auf seine Seiten ziehen und bringt eine seiner besten Karrieleistungen. Aber auch die weiteren Charaktere sind mit Christina Ricci, Michael Gambon, Miranda Richardson, Casper Van Dien, Christopher Lee und Martin Landau ganz toll besetzt. Ein besonderes Highlight ist dazu noch Christopher Walken als angsteinflößender kopfloser Reiter. In seinen recht wenigen Szenen holt er das Maximum raus und spielt brillant auf.

Tim Burton war 1999 schon für seine skurrilen, aber dennoch magischen und liebenswerten Charaktere und Filme bekannt und beliebt. Mit ‚Sleepy Hollow‘ bleibt er diesem Ruf mehr als treu. Wir begeben uns mit Ichabod Crane in das kalte und einsame Dörfchen Sleepy Hollow um das Jahr 1799. Im Dorf geht die Angst um und wir bekommen die Geschichte des kopflosen Reiters geschildert. Ab diesem Punkt hat uns der Film in der Hand und die erst als Krimi-Geschichte verpackte Suche nach Wahrheit macht nicht nur eine Menge Spaß, sondern hält uns auch genauso auf trapp. Das liegt aber auch an Johnny Depps Darstellung, der seinen Charakter mit viel Menschlichkeit füllt und sichtbar Freude an seiner Rolle hatte.

So tauchen wir immer tiefer in die Legende und die Stimmung wird immer weiter mit wohligem Grusel bereichert. Die Geschehnisse bleiben spannend und wir als Zuschauer werden mit einbezogen. Dass der Film dabei natürlich nicht auf den typischen Burton-Humor verzichtet, lockert die Lage immer wieder herrlich auf, doch auch mit dem Blut wird nicht gegeizt. Köpfe rollen im wahrsten Sinne des Wortes und auch das Blut spritzt gelegentlich im hohen Bogen. Dabei verkommt Burtons Inszenierung aber zu keinem Zeitpunkt zur übertriebenen Darstellung von Gewalt oder unnötigen Splatterszenen. Nicht im Geringsten. ‚Sleepy Hollow‘ ist nahezu perfekt proportioniert und kombiniert alle Genre-Elemente großartig. So wird der Film nicht nur zu einem von Burtons Besten, sondern auch zu einem der schönsten Grusel-Märchen mit gleichermaßen warmen und dunklen Grundtönen.

Fazit: Mit ‚Sleepy Hollow‘ inszenierte Tim Burton ein Märchen für Erwachsene mit viel Grusel, Spaß, Blut, Spannung und nicht zuletzt Herz. Durch seine tollen Darsteller, allen voran der grandiose Johnny Depp, die hervorragenden Fotografien, den feinen Score und die fesselnde Atmosphäre wird ‚Sleepy Hollow‘ ein Film zum Genießen, der auf allen Ebenen blendend funktioniert und in seiner Brutalität immer einen Hauch Schönheit und Liebe zum Detail mitbringt.