"Smashed" (USA 2012) Kritik – Mary Elizabeth Winstead sagt dem Alkohol den Kampf an

Autor: Pascal Reis

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„Well, you peed on me, so I guess we’re even.“

Der unbändige Alkoholkonsum ist nicht nur in ausgewählten Ländern ein Problem. Wenn wir uns über die immensen Auswirkungen des Alkoholismus austauschen, dann sprechen wir von einer globalen Causa, dessen Ursprung nicht vor einigen Jahren gelegt wurde, doch den kontrollierenden Boden Verbrauch schon vor langer Zeit unter den Füßen verloren hat. Sieht man die Zahlen der Toten, die alljährlich an den Folgen ihrer Konsumation dahinscheiden, dann wird klar, in welchen Sphären wir schweben: In Deutschland stehen wir bei knapp 75.000 Toten, weltweit bei 2.500.000 Opfern. Wir haben es also mit einem aktuellen wie wichtigen Thema zu tun, welches natürlich auch in der Filmwelt immer wieder in verschiedener Art und Weise angesprochen wurde. Da wären die populären Segmente wie „Barfly“ mit Mickey Rourke oder das oscarprämierte Meisterwerk „Leaving Las Vegas“ mit Nicolas Cage. Mit James Ponsoldts Indie-Drama „Smashed“ bekommt das Subgenre nun wieder Zuwachs – Und zwar überzeugenden.

Kate und Charlie sind ein glückliches Ehepaar. Jedoch lieben sie nicht nur einander, sondern auch den gemeinsamen Alkoholgenuss, der bereits keine Grenzen mehr kennt und selbst unter der morgendlichen Dusche steht die Flasche Bier für den gelegentlichen Zug bereit. Als es zu einem ungünstigen Vorfall in der Schule kommt, in der Kate als Grundschullehrerin arbeitet, sieht sie sich zu einer Notlüge gezwungen. Der stellvertretende Schulleiter Dave, ein trockener Alkoholiker, erkennt das wahre Problem und rät Kate zum Besuch einer Selbsthilfegruppe. Und tatsächlich: Kate zeigt langsame Fortschritte und ist bereit, dem Alkohol zu entsagen. Nur ihr Mann Charlie kann die Finger nicht von der legalen Droge lassen und lässt dem wilden Dasein weiterhin freien Lauf. Kate muss ihren Mann ebenfalls auf die richtige Bahn locken, doch der lässt sich nicht in sein Leben reden und die Beziehung zieht erste Risse…

Wie man es aus dem Indie-Kino gewohnt ist, können diese Filme eben nicht durch große Effekt-Kunststückchen punkten und die Massen in die Lichtspielhäuser locken, sondern müssen sich auf die Darstellungen ihrer ausgewählten Schauspieler und das geschliffene Drehbuch verlassen. In „Smashed“ konnte man für die tragenden Hauptrollen zwei Darsteller finden, die sich durchaus ihren Namen in der Filmwelt gemacht haben: Schönheit Mary Elizabeth Winstead und „Breaking Bad“-Star Aaaron Paul, die zusammen das junge Ehepaar Kate und Charlie verkörpern. Und auch wenn wir nicht von eindringlicher Schauspielkunst sprechen können, Winstead und Paul sind ganz klar dafür verantwortlich, dass der Film sich so gut über Wasser halten kann, denn ihre Performances sind nicht nur glaubwürdig, sondern finden auch genau die richtige Balance zwischen Aufbruch und Niederschlag. Die letzte Szene bleibt da vor allem im Gedächtnis, gerade wenn man seinen Blick auf die Augen von Aaron Paul fokussiert.

Die Achse des Filmes ist also umschlungen von einem brisanten Thema, welches sich in gewisser Form im Leben eines jeden Menschen wiederfindet: Der Alkohol. Es ist nun quasi schon ein Volkssport geworden, dass sich Jugendliche bei nächtlichen Partyausflügen gerne mal ins Koma saufen, genau wie es heutzutage Gang und Gäbe ist, den Körper durch das ständige Pillenschlucken zur Ruine verkommen zu lassen. Es gibt allerdings einen Punkt im Leben eines jeden exzessiven Trinkers, an dem dieser Mensch bemerkt, dass er nicht mehr Herr seines Daseins ist, sondern ein Sklave des Flaschenhalses. Und genau das ist der Moment, in dem sich entscheidet, in welche Richtung die Existenz dieser Person nun treibt. Kommt die besinnliche Selbsterkenntnis, gibt es noch Hoffnung, wird über sämtliche Vorfälle einfach hinweggesehen, ist der freie Fall in den eigen geschaffenen Abgrund nicht mehr aufzuhalten. „Smashed“ trifft da immer wieder genau die richtigen Töne und zeigt die divergenten Konsequenzen zweier Leben, in dem eines nach Einsicht fleht, das andere viel lieber weiterhin die Promille sammelt.

Der Blick wird auf ein durchaus sympathisches Paar gerichtet, das sich liebt, zusammen den Alkoholrausch immer genossen hat, aber nun am Wendepunkt ihrer Beziehung angekommen ist, an dem es in dieser Form nicht weitergehen kann. Was folgt ist die Problembewältigung, die Selbstreflexion und der Schritt in eine mögliche Trennung, wenn nicht gemeinsam in eine redigierte Zukunft gegangen werden kann. Was „Smashed“ in seiner narrativen Botschaft nun schadet, ist die äußerst knapp gemessene Laufzeit von gut 80 Minuten, die es dem Film kaum ermöglicht, hier wirklich tiefer in die kritische Materie einzusteigen und den zwischenmenschlichen Ansätzen wie Konflikten auch ein substantielles Fundament zu verleihen. Ohne Frage, James Ponsoldts hat einen guten Film inszeniert, was eben nicht nur an den authentischen Darstellern liegt, sondern auch an der gutherzigen Drehbuchvorlage, die genau wie Ponsoldts Umsetzung weiß, in welchem Rahmen sie sich bewegen muss und es dabei durchgehend schafft, unnötigen Sentimentalitäten und pathetischen Nebeneffekten zu entsagen.

Fazit: Sicher ist das hier keine tiefgreifende Filmkost, die jede Facette ausleuchten und analysieren möchte, aber dennoch weiß „Smashed“ durch seine unprätentiöse und authentische Art durchaus zu gefallen. Das Alkoholismus-Thema muss angesprochen werden und entpuppt sich nicht nur als stumpfe Klischeeballade. Ein guter Film, der zwar zu sehr an Ansätzen festhält, aber vor allem dank seiner tollen Hauptdarsteller durchgehend überzeugt.