"Die Söhne des Generals Yang" (HK 2013) Kritik – Blut ist dicker als Wasser

Autor: Pascal Reis

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„Die Kunde der Schlacht hinaus in die Welt zu tragen, das gelingt nicht ohne Boten.“

Erst am 30. Januar dieses Jahres, wurde das deutsche Kino mit der amerikanischen Produktion „47 Ronin“ beglückt, die sich mit der mythische Volkserzählung der tapferen Samurai beschäftigte, die ihren Meister rächen wollten und sich Gegnern jeder Art in den Weg stellten. Der Intention hinter Carl Rinschs hochbudgetierten (175 Millionen US-Dollar) Fantasy-Abenteuer war eine ehrenhafte, wollte man doch versuchen die Sehgewohnheiten der westlichen Konventionen an die fernöstliche Kultur anzugleichen. Das Resümee aber musste vernichtend ausfallen, denn obgleich „47 Ronin“ ambitioniert zu Werke ging, vergaß der Film hinter seinem computergenerierten Überdruss gänzlich den Geist des Mythos zu verinnerlichen. Eine ähnlich kulturelle Popularität genießt die Legende von General Yang und seinen sieben Söhnen, die zu Zeiten des Song-Dynastie den Nordosten des chinesischen Kaiserreiches mit aller Kraft gegen die nomadischen Militärmächte der Khitan beschützten. Natürlich darf man an dieser Stelle die Folklore von Japan und China nicht über einen Kamm scheren, in „Die Söhne des Generals Yang“ wird nur deutlich, dass eine lokale respektive national Aufbereitung derartiger Themen immer eine erhabenere Umsetzung verspricht.

Song-Dynastie, im Jahre 986 Anno Domini: Über den rivalisierten Familien der beiden Clans um die Patriarchen Yang Ye und Pen Renmei kreisen noch düstere Wolken, nachdem Yanzhoa, der sechste Sohn des General Yang Ye, bei einem Turnier, welches ihm bei Gewinn die Hand der Prinzessin versprach, teilnahm und den Sohn des Lord Pan Renmei im Kampf gegen ihn tödlich verunglückte. Mitten in der zeremoniellen Bestrafung, die der Kaiser Yang Ye selber überlässt, wird die Stadt Jinshatan im Nordwesten von den Truppen der Khitans unter der Führung des rachedurstigen Yela Yuan angegriffen. Yang Ye und Pan Renmei sehen sich zur Partizipation gezwungen und ziehen mit dem 60.000-köpfigen Heer in die Schlacht, wo der ebenfalls zum General beförderte Pen Renmei Gener-al Yang Ye mitten im blutigen Getümmel im Stich lässt. Yela Yuan nimmt Yang Ye gefangen und während die sieben Söhne des Generals sich auf den Weg machen, ihren Vater zu befreien, schmiedet Yela Yuan bereits neue perfide Pläne…

Um eine historisch adäquate Rekonstruktion damaliger Verhältnisse, ist das Drehbuch von „Die Söhne des Generals Yang“ gewiss nicht bemüht, selbst wenn singuläre Versatzstücke – wie zum Beispiel die bloße Existenz des titelgebenden Generals – auf einer durch und durch reellen Basis beruhen. Wer aber wirklich tiefer in die Materie des Song-Dynastie eintauchen und mehr über das durch unzählige Schlachten um den ruhmvollen Kaiserposten in Fragmente zergliederte China jener Tage in Erfahrung bringen möchte, ist man mit Ronny Yus von kinetischer Energie elektrisierte Kampfspektakel dann doch an der falschen Adresse – Hier steht schließlich voll und ganz die choreografierte Theatralik im Fokus. Nachdem sich Ronny Yu nach Regiearbeiten zu Filmen wie „Chucky und seine Braut“, „Freddy vs. Jason“ und „Fearless“ eine siebenjährige Schaffenspause gönnte, kehrt der eigentlich durchaus talentierte chinesische Filmemacher mit dem Prestigeprojekt „Die Söhne des Generals Yang“ wieder zurück auf die Bildfläche, wenn auch nur, jedenfalls im Fall von Deutschland, im Direct-to-DVD-Markt.

Durch das offensichtliche Matte Painting gehen den auf Epik getrimmten Bildern zwar jede Regulation von Breite und Tiefe verloren, was sich vor allem in der Vogelperspektive bemerkbar macht, die Aufnahmen an und für sich strahlen in ihrer artifiziellen Ausstaffierung einen falschen Glanz aus, an dem man sich trotz der Künstlichkeit gerne mit den Augen festsaugt – Beinahe memorabel möchte man da die sinnlich Sequenz im sich sanft wiegenden Getreidefeld titulieren, in dem sich zwei Scharfschützen mit Pfeil und Bogen bis zum bestialischen Höhepunkt bekriegen. „Die Söhne des Generals Yang“ lässt sich am besten mit dem Begriff „Schlachtgemälde“ einfangen, denn während die Charaktere gesichtslose Krieger bleiben, setzt die Geschichte um Rache, Loyalität und Integrität ganz auf ausladenden Pathos in jedem Frame. Kompositionen, ganz den vordergründigen Graustufen verschrieben, werden im kinetischen Todesballett durch leise Farbschimmer durchbrochen, während der Heroismus aus der Retorte kein Halten kennt. Die Tragödie wird zur intimen Parabel auf familiäre Ehre und prinzipielle Rechtschaffenheit. Das hat man alles schon imposanter und charakterlich ausbalancierter gesehen, allerdings auch schon reichlich müder und reizloser.