"Special Forces" (FR 2011) Kritik – Ein harter Überlebenskampf

„Über Ihr Schicksal bestimmten nicht Sie.“

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Stephane Rybojad. Wer? Das dürfte sich wohl der Großteil der Filmliebhaber denken, denn sie mit diesem Namen konfrontiert werden. Verständlich, denn was hat Monsieur Rybojad in der Vergangenheit überhaupt geleistet? Gar nichts. Richtig. Im Jahr 2011 setzte er den ersten Schritt in die große und nicht selten harte Filmwelt. Mit ‚Special Forces‘, bei dem er auch das Drehbuch schrieb, gelang dem Franzosen sogar auch ein ordentliches Debüt und sein inszenierter Überlebenskampf voller Action hätte durchaus viel schlechter ausfallen können. Etwas Neues bietet sein Film jedoch nicht und auch die Schwachpunkte sind unübersehbar.

Die französische Journalistin Elsa Casanova gerät in die Hände der Taliban und wird als Geisel gehalten. Eine Spezialeinheit der französischen Armee wird nach Afghanistan geschickt und ihnen gelingt es, die Reporterin von den Taliban zu befreien. Doch nun müssen sie zusammen irgendwie fliehen, denn die Rettungsaktion durch Helikopter ist fehlschlagen und nicht nur ein Kampf gegen die Taliban beginnt, sondern auch ein Kampf gegen die Natur.

Ein absolut überwältigendes Highlight sind die grandiosen Landschaftsaufnahmen. David Jankowskis Kamerafahrten über dem Hindukusch sind nicht nur beeindruckend, sondern voller Kraft. In den Actionszenen kommt jedoch leider die beliebte Wackelkamera zum Einsatz und lässt das Geschehen in diesen Momenten unübersichtlich und gelegentlich nervig wirken. Dazu die schnellen Schnitte und wiederholte Zeitlupe, auf die der Film in der zweiten Hälfte aber verzichtet und die besagte Wucht und Ruhe reinbringt. Xavier Berthelots Soundtrack ist zwar typisch antreibende Musik, wie man sie aus Action-Games kennt, doch gelegentlich mischt er auch überzeugend ruhige Klänge in seinen Score.

Einige bekannte Gesichter konnte Rybojad für seinen Film gewinnen. Mit Diane Kruger als Reporterin Elsa hat er nicht unbedingt ein beliebtes weibliches Gesicht ausgewählt, aber Kruger, die in der Vergangenheit auch gerne in ihren Rolle nervte, passt endlich zu ihrer Figur und fällt nicht negativ auf. Djimon Hounsou als Kovax, Anführer der Spezialeinheit, hat natürlich die starke Ausstrahlung und das seriöse Auftreten und holt aus seiner Rolle auch das Nötigste. Oberflächlich bleibt er trotzdem, denn Raum zur Entfaltung wird ihm hier nicht gegeben. Benoit Magimel als Soldat Tic-Tac bekommt zwar etwas mehr Tiefgang zugesprochen, bleibt aber ebenfalls hinter seinem Können zurück, bringt aber eine solide Leistung. Und auch die weiteren Rollen der Soldaten sind mit Denis Menochet und Raphael Personnaz passend besetzt. Als Talibanführer Ahmed Zaief ist Roc Degan zu sehen. Degan füllt seinen Charakter hassenswert und absolut kaltblütig aus und tut genau das, was von ihm verlangt wird.

Der Einsatz in Afghanistan wird von vielen Menschen immer noch falsch aufgenommen und auf die leichte Schulter genommen. Doch dort herrscht Krieg. Und Krieg bedeutet auch Krieg. Wer jetzt jedoch denkt, dass sich ‚Special Forces‘ den Problemen und Auseinandersetzungen, auch zwischen den Mächten, kümmert, der liegt falsch. Rybojad inszeniert keinen politischen Film, denn die brenzlige Lage in Afghanistan dient als reiner Hintergrund und spielt nach kurzer Zeit selbst eigentlich gar keine Rolle mehr. Liest man sich die Handlung durch, könnte man von einem billigen Taliban vs. Supersoldaten-Streifen ausgehen, doch billig ist das hier nicht im Geringsten.

Eröffnet wird uns der Film mit einer krachenden und hektisch gefilmten Festnahme eines Kriegsverbrechers im Kosovo. Es wird geballert, trockene Sprüche rausgespuckt und es fließt Blut. Das dürfte die Actionfanatiker für den Anfang zufriedenstellen. Überzeugend ist das trotzdem nicht wirklich gewesen, auch aus Inszenatorischer Sicht. Wenn unser französisches Spezialkommando die Reporterin befreit hat und quer durch die Hochgebirge fliehen muss, tritt Rybojad ordentlich aufs Gas. Die Taliban im Nacken und die kompromisslose und unbändige Natur vor Augen. Die Schüsse hageln ohne Ende aus beiden Richtungen und die Soldaten samt Reporterin sind gezwungen über den mächtigen Hindukusch zu fliehen. Und hier schlägt ‚Special Forces‘ einen anderen Ton an. Aus der erbitterten Verfolgungsjagd wird ein Survival-Film, mit einigen dramatischen Elementen. Die Kälte wird bei zunehmender Höhe immer schlimmer, dazu kommen der Hunger und der Durst und die ständige Bedrohung durch die folgenden Taliban. Das alles ist spannend dargestellt und bietet kaum nennenswerte Durchhänger. Es wird auch einmal richtig emotional, wenn sich ein Soldat von der Gruppe trennt und an einem Flussbett von unzähligen Taliban verfolgt wird und ihm sein sicheres Ende bevorsteht.

Was ‚Special Forces‘ jedoch zurück auf den Boden der Tatsachen holt ist, dass wir diese Art von Film schon zur Genüge gesehen haben. Mit Sicherheit schon schlechter, aber eben auch schon einige Male besser. Die Charaktere bleiben flach und verlassen ihre Oberflächlichkeit nie. Man fühlt trotzdem mit ihnen und kämpft gemeinsam, einfach weil sie sympathisch sind. Auch einige Dialoge wirken nicht nur aufgesetzt, sondern füllen die schlimme Klischeeschiene bestens aus. Das macht den Film eben „nur“ gut, aber deutlich besser als erwartet und klar über dem Durchschnitt.

Fazit: ‚Special Forces‘ ist größtenteils spannende, kompromisslose und auch unterhaltsame Survival-Action. Die Schauspieler sind passend gewählt, aber sicher nicht vielschichtig oder wirklich interessant. Genre-Standardtypen eben. Die Landschaftaufnahmen sind dagegen herausragend fotografiert worden und auch der Score weiß zu überzeugen. Rybojads Inszenierung ist allerdings noch nicht sorgfältig genug, trotzdem wird uns die altbekannte Story gut verkauft, auch wenn die Schwächen ganz klar sind. Für zwischendurch ist ‚Special Forces‘ allemal geeignet.

Bewertung: 6/10 Sternen