"Spider-Man 2" (USA 2004) Kritik – Die grandiose Rückkehr des Spinnenmannes

„Ich bin nicht mehr nur ein leerer Sitzplatz. Ich bin jetzt anders. Ich bin aus Fleisch und Blut.“

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2002 schlug Sam Raimi mit seiner Comicverfilmung ‚Spider-Man‘ ein wie eine Bombe. Nicht nur über 800 Millionen Dollar spielte der Film ein, er schaffte es auch mit Bravour dem Superhelden einen fühlbaren Charakter zu verpassen. Eine Fortsetzung musste folgen, so viel war klar. Doch die Erwartungen an Raimi waren nicht kleiner als sie es vor dem ersten Teil auch waren und wie uns die Vergangenheit bereits zu genüge lehrte, sind Fortsetzungen nicht gerade oft das Gelbe vom Ei. Die Qualität des Vorgängers wird nicht wirklich oft wieder eingefangen. Zwei Jahre mussten Fans mit ihrer Vorfreude und den Zweifeln kämpfen, bis ‚Spider-Man 2‘ endlich den Weg in die Kinos fand. Zweifler verstummten schnell und durften sich ungläubig die Augen reiben, denn Sam Raimi erreicht nicht nur die bereits hohe Qualität des Vorgängers, sondern übertraf diese in jedem Punkt sogar nochmal.

Spider-Man ist wieder da, mit ihm allerdings auch Peter Parker und allerhand Probleme. Er muss irgendwie seine Liebe zu Mary Jane offenbaren, ohne sie in Gefahr zu bringen und sein Geheimnis zu lüften. Dazu der Hass seines besten Freundes Harry, der Spider-Man am liebsten persönlich in Stücke reißen würden. Doch das wäre nicht alles, denn der geniale Dr. Octavius ist zum teuflischen Doc Ock geworden und sorgt für reichliche Probleme. Peter muss wieder den Kampf gegen seinen mächtigen Gegner aufnehmen und gegen sich selbst…

Im ersten Teil gab es das kleine Problem mit den deutlich sichtbaren Spezialeffekten. Diese Schwäche wurde ausgebügelt und die Effekte sind nicht nur realistischer, sondern noch viel beeindruckender. Ab und an sind sie zwar noch zu entlarven, aber der Oscar für die besten visuellen Effekte ist verdient gewesen. Dementsprechend entfalten kann sich auch Bill Popes Kameraarbeit, die nun die Sprünge durch die Häuserschluchten noch grandioser festhält und das Wegschauen nicht erlaubt. Dazu auch wieder der grandiose Score von Danny Elfman, den wir schon im ersten Teil lieben lernen durften und sich hier sogar noch besser dem Film anpasst, denn auch Parker Parker entwickelt sich weiter, ebenso wie die Actionszenen mehr krachen.

Zum Glück konnte Sam Raimi auch hier wieder auf die gleichen Schauspieler wie aus dem ersten Teil gewinnen. Als Peter Parker/ Spider-Man ist wieder Tobey Maguire zu sehen und Maguire kann seine vorherige Leistung noch toppen. Er verleiht seinem Charakter mehr Komplexität, bleibt aber genauso sympathisch wie zuvor. Ebenso Kirsten Dunst als Mary Jane, die ebenfalls etwas mehr zeigen kann und ihre Emotionen durchweg glaubwürdig und sensibel vermittelt. James Franco als Harry Osborn konnte sich zwar in Teil 1 nicht wirklich in den Vordergrund spielen, was aber auch an seinen wenigen Szenen lag. In ‚Spider-Man 2‘ ist das mit den Szenen nicht anders, jedoch holt Franco aus seinem zerrissenen Charakter viel mehr raus und bleibt nicht nur im Gedächtnis, sondern mach sich genauso interessant. Alfred Molina als Dr. Otto Octavius/ Doc Ock gibt den neuen Gegenspieler von Spider-Man und steht Willem Dafoes Vorstellung in nichts nach. Molina flößt seiner Figur sogar noch einiges an Coolness ein und macht ihn zum facettenreichen Gegner. Und auch Rosemary Harris als Tante May und Sprücheklopfer J.K. Simmons als Chefredakteur Jameson sind wieder mit von der Partie.

Sam Raimi zeichnete den Außenseiter Peter Parker, der durch Zufall eben zum Superhelden wurde, einfach extrem menschlich und unheimlich sympathisch. Er wird als einer von uns vorgestellt und ist dennoch so besonders. Ein Teenager mit all den Problemen des Erwachsenwerdens und ein Kämpfer für Recht und Ordnung, der sich mit seinen beiden Identitäten endlich im Klaren werden muss. Und dort setzt Raimi in seiner Fortsetzung wieder an. Peter weiß immer noch nicht wo er in seinem Leben steht. Im ersten Moment scheint es so, als hätte er nur noch ein Problem: er braucht Geld für seine Miete. Doch der Kampf der zwei Seelen in ihm geht weiter. Seine heimliche Liebe Mary Jane hat wieder einen neuen Freund und die gemeinsame Hochzeit steht bevor. Harry will Spider-Man umbringen, weil er ihn nach wie vor für den Mörder seines Vaters hält und Peter offenbart seiner Tante die Wahrheit über den Tod seines Onkels. All diese emotionalen Belastungen erdrücken ihn immer mehr und er enttäuscht die Leute, die ihm eigentlich etwas bedeuten immer wieder. Die Sorgen wirken sich auf sein Doppelleben aus und Spider-Man verliert seine Fähigkeiten. Peter muss sich entscheiden was er sein will und eine seiner Existenzen aufgeben um sich entweder einem normalen Leben wieder hinzugeben, oder er lebt das gefährliche Leben als Gesetzeshüter mit den ganzen Nachteilen und ohne Rücksicht auf Verluste. In genau dieser Phase, in der Peter völlig hin und hergerissen ist und sich eigentlich in Ruhe selbst finden muss, sorgt der Wissenschaftler Dr. Octavius mit riesigen mechanischen Tentakeln für viel Ärger. Dieses durcheinander der Gefühle, die Frage nach der eigenen Bestimmung und das Pendeln zwischen Fluch oder Gabe wurde um einiges vielschichtiger und noch sorgfältiger ausgearbeitet, so dass wir als Zuschauer nicht nur mitfühlen, sondern auch mitleiden und kämpfen.

Schneller, lauter und spannender ist immer die Devise vieler Fortsetzungen. Im Falle von ‚Spider-Man 2‘ trifft das zu, aber es kommt eben noch das schöne Wörtchen BESSER hinzu. Raimi inszeniert seinen Film wieder mit viel Komik, ohne zu übertreiben und unnötig abzurutschen. Dazu die Action, die einfach noch besser aussieht und viel temporeicher dem Zuschauer um die Ohren gepfeffert wird. Allein die grandiose S-Bahn-Szene zählt zu den besten Actionszenen der letzten Jahre und lässt den Zuschauer mitfiebern. Längen gibt es keine und die 120 Minuten vergehen fast wie im Flug. Das liegt eben auch am Tiefgang, den Raimi seinen Charakteren wieder gibt und noch mehr aus ihnen rausholt. Von bekannten Mustern oder Prototypen kann hier nicht im Ansatz gesprochen werden. ‚Spider-Man 2‘ ist einfach eine der besten Comicverfilmungen überhaupt und überzeugt in jedem Punk voll und ganz.

Fazit: ‚Spider-Man 2‘ ist spannend, actiongeladen, komisch und mit interessanten wie ausgearbeiteten Charakteren bestückt. Dazu die fantastischen Bilder, der hervorragende Score, die tollen Effekte und natürlich die starken Darsteller, die ‚Spider Man 2‘ zu dem machen was er ist: eine herausragende Comicverfilmung, die ein absolutes Muss für jeden Fan des Spinnenmannes ist und den Vorgänger sogar nochmal schlägt.

Bewertung: 9/10 Sternen