“Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben” (USA 2013) Kritik – John McClane ballert sich durch Russland

Autor: Philippe Paturel

null

“You know what I hate about the Americans? Everything. Especially cowboys.”

Sechs Jahre ist es bereits her, dass sich John McClane in „Stirb langsam 4.0“ im Kampf gegen Cyberterroristen behaupten durfte. Schon damals mussten „Stirb langsam“-Fans teils kopfschüttelnd das Kino verlassen – aufgrund der seltsamen Vater-Tochter-Beziehung, der vollkommen übertriebenen Action und vor allem deshalb, weil McClane irgendwie nicht mehr McClane sein durfte. Vergleicht man „Stirb langsam 4.0“ jedoch mit der neuesten Franchise-Ausgeburt, dann lässt sich nur sagen, dass John Moore nach „Max Payne“ und „Das Omen“ ein weiteres Mal seine Talentfreiheit als Regisseur unter Beweis stellt. Sein „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ ist ein inszenatorisches Fiasko, welches bereits am Anfang seinen Höhepunkt preisgibt und die darauf folgende Stunde nur noch langweilt. Ein guter Tag zum Heulen, denn selten wurde ein so beliebtes Franchise dermaßen in die Lächerlichkeit gezogen.

Eigentlich wollte John McClane (Bruce Willis) doch nur in Moskau Urlaub machen und seinen Sohn besuchen. McClane wird auch nicht müde, dies immer wieder zu betonen. „I’m on vacation“ soll wohl der Dauerbrüller des Films sein. Allerdings ist dieser Spruch nicht viel mehr als ein Beweis für die unfassbare Einfallslosigkeit dieses knapp 90-minütigen öden Dauergeballers. Moores Kreativität muss schon sehr beschränkt sein, wenn er dem Zuschauer zu keinem Augenblick Ruhe gönnt. Nachdem Moore Moskaus Straßen in Schutt versetzt hat – und ihm scheinbar nichts mehr einfällt, um Moskau noch weiter als Schauplatz zu nutzen – geht es also direkt nach Tschernobyl, wo sich Vater und Sohn McClane einen seltsam unspektakulären Kampf mit einem billigen Xenia-Onatopp-Verschnitt liefern dürfen. Aber auch der Dampfhammer-Soundtrack à la Hans Zimmer oder die Helikopter-Action machen alles andere als einen eigenständigen Eindruck. Und Bruce Willis? Nunja, der darf brav Papi spielen und sich ohne sichtbaren Spaß oder Mühen durch dümmliche Dialoge und ein kitschiges Ende, welches amerikanischer nicht sein könnte, spielen. Von der Logik wollen wir gleich gar nicht erst sprechen. Was uns John Moore hier auftischt, ist unglaublich uninspiriertes Actionkino, welches sich zu keinem Zeitpunkt vom Genre-Einheitsbrei abheben kann und Ironie vollkommen missen lässt.

Sinn macht in „ein guter Tag zum Sterben“ aber sowieso nichts. Ob die lächerlichen Bösewichte oder die miserabel geschnittenen Actionszenen, in diesem Dschungel aus Peinlichkeiten fällt es schwer etwas zu entdecken, was zumindest für ein wenig solide Unterhaltung sorgen könnte. Zu allem Überfluss werden die typischen Böse-Russen-Klischees bedient, ein fragwürdiger Schauplatz für das Finale genutzt und der gern gesehene McClane-Humor fällt komplett weg. Wer also gehofft hatte, dass es mit dem Franchise wieder bergauf geht, für den dürfte der Kinobesuch allerhöchstens ein guter Tag zum Verabschieden werden: Von einem einst gut aufgelegten Bruce Willis, von den einst charismatischen Bösewichten wie Alan Rickman und von der einst revolutionierenden Spannungskurve, welche die ersten „Stirb langsam“-Teile auszeichnete.

Fazit: Ich hatte mir gewünscht, dass „Stirb langsam – ein guter Tag zum Sterben“ zumindest wie der letzte Teil wieder solides Actionkino wird. Umso schockierter bin ich darüber, wie scheinbar egal John Moore seine Charaktere sind, wie spurlos die Action am Zuschauer vorbei inszeniert wird und in welch limitierten Gefilden sich die Story bewegt. In “ein guter Tag zum Sterben” stimmt fast gar nichts. Eine Actionszene folgt auf die andere, ohne Überraschungen, ohne Charme. Spaß macht etwas anderes, denn die Banalitäten, die einem hier aufgetischt werden, sorgen lediglich dafür, dass man das Kino mit Kopfschmerzen verlassen wird.