"Die Stooges – Drei Vollpfosten drehen ab" (USA 2012) Kritik – Comedy hart an der Schmerzgrenze

„You must be French. You’ve got a lot of oui-oui.“

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Aus der amerikanischen Comedy-Geschichte sind diese drei Namen nicht mehr wegzudenken: Moe, Larry und Curly, die wohl vielen besser bekannt sein dürften als „The Three Stooges“. Denn neben dem Comedy-Duo „Stan & Laurel“ sind diese drei Knalltüten wohl die bekanntesten Verfechter des klassischen Slapstick-Humors und erfreuten in 190 Kurzfilmen (in wechselnder Besetzung) bis in die 70er Jahre Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Markenzeichen der Stooges-Sketche war der äußerst körperbetonte Humor, so durften beispielsweise die berühmten Hau-, Stech- und Kneifeinlagen in keinem der Stooges-Filme fehlen. Wie brutal es teilweise am Set der Stooges zugegangen sein muss, lässt sich durch eine Klausel erahnen, die sich Schauspieler Joe Besser, der von 1957 – 1959 in den Filmen mitwirkte, in seinen Vertrag einbauen lies und welche ihn vor körperlicher Gewalt am Set schützen sollte. Obwohl sich die Stooges in Amerika größter Beliebtheit erfreuten, schafften es die Komiker nie außerhalb der USA Fuß zu fassen. Inzwischen sind die goldenen Jahre der Stooges schon seit mehr als 60 Jahren vorbei, dass die durchgeknallten Spaßmacher aber immer noch Menschen begeistern können, zeigt der neue Film der Farrelly-Brüder („Verrückt nach Marry“). Für ihre liebevolle Hommage „Die Stooges – Drei Vollpfosten drehen ab“ erwecken die Regisseure die Komiker-Truppe zu neuem Leben. Das Resultat ist eine alberne, laute Komödie, die sich immer nah an der Grenze des guten Geschmacks bewegt. Im Endeffekt also genau das, was Stooges-Fans erwartet haben.

Seit ihren Kindertagen leben die Stooges-Brüder Moe (Chris Diamantopoulos), Curly (Will Sasso) und Larry (Sean Hayes) in einem kirchlichen Waisenhaus und sorgen dort mit ihren Streichen für jede Menge Chaos. Als die drei Vollchaoten jedoch mitbekommen, dass ihr Heim in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten steckt, gibt es für sie kein Halten mehr. In der großen Stadt soll nun das Geld für die Rettung des Waisenhauses aufgetrieben werden, doch das stellt sich als äußerst schwieriges Unterfangen heraus…

Dass die Farrellys die richtigen Regisseure für diesen Job sind, war eigentlich von vornherein klar. Denn das Brüdergespann versteht sich hervorragend darauf, die Verlierer des Lebens komisch in Szene zu setzen, ohne sie gleichzeitig dem Publikum als reines Spottobjekt zu präsentieren. Glück für die Stooges, die in ihren Filmen immer in die Rollen von Sonderlingen, Außenseitern und Verlierertypen verkörperten. So waren sie sowohl alleinerziehende Familienväter, unfähige Frontsoldaten, heruntergekommene Landstreicher und gescheiterte Unternehmer. Die Stooges führen uns die eigenen Schwächen vor Augen und lassen uns trotzdem darüber lachen, eine Fähigkeit, die den drei Knallköpfen auch in ihrem neusten Abenteuer nicht abhanden gekommen ist.

Als vor einiger Zeit Gerüchte über das Stooges-Projekt der Farrellys die Runde machten, waren zwischenzeitlich Namen wie Sean Penn („Milk“), Jim Carrey („Ace Ventura“) und Benicio del Toro („Fear and Loathing in Las Vegas“) als Besetzung von Moe, Larry und Curly im Gespräch. Natürlich war die Enttäuschung groß, als bekannt wurde, dass statt der drei Hollywood-Hochkaräter nun die hierzulande eher unbekannten Seriendarsteller Chris Diamantopoulos, Will Sasso und Sean Hayes in die Rollen der Chaoten-Brüder schlüpfen würden. Letztendlich scheint es aber so, als hätten die Farrellys das richtige Händchen bei der Besetzung ihrer Stooges bewiesen, denn die drei Darsteller sehen ihren Vorbildern nicht nur verdammt ähnlich, sondern verstehen sich auch blendend darauf, die Ticks und Eigenarten der Stooges gekonnt nachzuahmen.

Feingeister werden über den Humor in „Die Stooges – Drei Vollpfosten drehen ab“ verzweifelt die Hände über den Kopf zusammenschlagen, denn das Motto dieses Films lautet: Quantität statt Qualität. Ein wahres Gag-Gewitter lassen die Farrellys hier über den Zuschauer hereinbrechen, dass nur wenige der Witze auch voll ins Schwarze treffen, ist dabei schon fast nebensächlich. Neben den klassischen Hau-, Stech- und Kneifeinlagen wird tief in der Stooges-Witzkiste gekramt und so der ein oder andere längst in Vergessenheit geratene Schenkelklopfer wieder ans Tageslicht befördert. Dass es sich dennoch um einen echten Farrelly-Film handelt, lässt sich dennoch kaum übersehen. Denn auch zotige Ausfälle, so zum Beispiel ein Baby-Pinkel-Duell im Krankenhaus, gibt es in „Die Stooges – Drei Vollpfosten drehen ab“ genug. Das eigentliche Highlight des Films ist jedoch das Aufeinandertreffen der beliebtesten Unterhaltungs-Formate der 30er/40er Jahre mit denen der Neuzeit: Denn wenn die Stooges plötzlich Teil des Reality-TV-Formats „Jersey Shore“ werden, prallen Welten aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Dabei verzichten die Farrellys bewusst darauf, Kritik an dem Party-Gedöns zu üben, denn von welchem Format man sich nun besser unterhalten fühlt, darf das Publikum letztendlich selber entscheiden.

Fazit: Die Stooges sind zurück und sie sind so laut, nervtötend und albern wie eh und je! Dass der Film dennoch stellenweise verdammt viel Spaß macht, verdankt der Film der liebevollen Regiearbeit der Farrelly-Brüder, für die mit diesem Projekt ein echter Herzenswunsch in Erfüllung gegangen ist – Ein Film von Fans für Fans eben.

Bewertung: 6/10 Sternen