"Strange Blood" (USA 2015) Kritik – Brutstätte des gammeligen Wahnsinns

Autor: Pascal Reis

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„Wir sind geschaffen, um krank zu werden.“

Es ist frevelhaft oder gar blasphemisch, ein schales Low-Budget-Lüftchen wie etwa „Strange Blood“ von Chad Michael Ward in einen direkten Konnex mit dem Grandmaster of Body Horror, David Cronenberg, zu bringen. Allerdings rückt die Prämisse von „Strange Blood“ den früheren Werken des David Cronenberg gefährlich nah auf die edle Pelle: Da hätten wir ja nicht nur den etwas spleenigen, aber durchaus idealistischen Wissenschaftler im Zentrum des Geschehens, der an der finalen Umsetzung eines bahnbrechenden Experiments tüftelt, welches ihm bei einem erfolgreichen Resultat einen sicheren Platz in den Geschichtsbüchern verleihen würde. Auch das rigorose Scheitern an den eigenen Idealen steht im Raum, welches einst noch (wie zum Beispiel im formvollendeten „Die Fliege“) in der dematerialisierenden Selbstzerstörung destillieren konnte. Anders als etwa einem unzweifelhaften Könner wie David Cronenberg fehlt Chad Michael Ward schlichtweg das Talent und das Feinmotorik, eine durchaus mehrwertige Vision kunstfertig in Szene zu setzen.

In einem sterilen Büro erzählt Gemma (Alexandra Bard) von den einschneiden Vorkommnissen in den letzten Wochen. Zusammen mit Dr. Henry Moorehouse (Robert Brettenaugh) wurde sie Zeuge von Schrecklichem: Moorehouse nämlich hat sein Leben dem Zweck verschrieben, einen genbasierten Impfstoff zu entwickeln, der die generelle Immunität des menschlichen Körpers versichert. Ein aufgebahrter organischer Klumpen in einer Glasvitrine soll durch seine einzigartige genetische Signatur als Brutstätte für einen Metavirus herhalten, der jeden Viruserreger absorbieren und recodieren kann. Sollte sein epochales Experiment glücken, hätte es Moorehouse damit auch vollbracht, den Krebs zu besiegen. Dass seine schleimige Kreation aber auch einen äußerst destruktiven Charakter besitzt, wird Moorehouse noch schnell am eigenen Leibe in Erfahrungen bringen. Und die darauffolgende Verwandlung zeigt nicht nur äußerliche Veränderungen…

Natürlich ist „Strange Blood“ nicht darum verlegen, die gammelige Hybris-Kritik im wissenschaftlichen Korsett von A bis Z durchzudeklinieren, wenn er eine revolutionäre Schöpfung direkt auf seinen Schöpfer zurückfallen lässt. Dass Chad Michael Ward natürlich kein David Cronenberg ist und „Strange Blood“ nicht ansatzweise im Windschatten von „Die Fliege“ existieren könnte, macht sich nicht nur am handwerklichen Dilettantismus der Produktion bemerkbar, „Strange Blood“ besitzt zudem auch keinerlei doppelten Boden: Von einer feinen charakterlichen Justierung darf keine Rede sehen, stattdessen verständigt sich Chad Michael Ward in abgehalfterten Fragmenten und wirkungslosen Impressionen. Das handgemachte Geschmiere ist, ähnlich wie die computergenerierte Lächerlichkeiten, selbstzweckhafte Staffage im so schematisierten wie banalisierten Prozedere. Und dass der dehnbare „verrückte Professor“-Topos natürlich auch zwischenmenschlichen Diskrepanzen auf Telenovelaniveau aus den knurrigen Obsessionen des Forschers keimen lassen muss, erklärt sich ja von allein.

„Strange Blood“ ist ab dem 4. Juni im Handel erhältlich.