"Street Kings" (USA 2008) Kritik – Im Sumpf aus Korruption und Genre-Alltäglichkeit

„Ihr habt Augen wie ne Halbmondsichel, zieht euch an wie weiße, redet wie schwarze und fahrt Autos wie Juden, woher soll ich also wissen, was ihr für gelbe, hundefleischfressende Charlies seid, wenn ihr es nicht wisst?!“

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Die Geschichte rundum korrupte, versoffene Cops die nach ihren eigenen Regeln arbeiten ist sicher nichts Neues. Unzählige Male wird sie jedes Jahr im Kino und auf DVD neuaufgerollt, mal gut, mal richtig schlecht. David Ayer inszeniert mit ‚Street Kings‘, basierend auf dem Roman von James Ellroy, von 2008 eindeutig einen der besseren Filme dieser Art, auch wenn man irgendwie alles schon kennt.

Kameramann Gabriel Beristain liefert mit ‚Street Kings‘ düstere Hochglanzaufnahmen der stilsicheren Art. Er fängt das korrupte und äußerst brutale Polizisten-Leben in L.A. in durchgängig stimmigen Bilder ein. Untermalt wird der Film von der durchschnittlichen Musik von Graeme Revell, dazu kommen immer wieder irgendwelche Hip-Hop Beats und Lieder, die wohl die harte Ghetto-Atmosphäre immer widergeben sollen. Ich fand es aber irgendwann unpassend, wenn immer wieder irgendwelcher Hardcore-Rap mit hartem Beat rumposaunt wird. Zum Glück passiert das dann aber immer nur wenige Sekunden. So erhält ‚Street Kings‘ zwar keine durchgehend dichte Atmosphäre, ist in der Hinsicht aber, allein wegen der starken Bilder, kein Totalausfall.

Mit Keanu Reeves hat Ayer sicher keinen Besetzungs-Coup gelandet. Viel zu sauber wirkt er meistens als alkoholsüchtiger Brutalo Ludlow. Dass Reeves keine der großen Charakterminen ist, wissen wir ja alle. Aber er hat schon deutlich bessere Leistung als hier gezeigt. Als Fehlbesetzung will ich ihn aber trotzdem nicht abstempeln, man hätte die Rolle trotzdem besser besetzen können. Dafür können die Nebenrollen überzeugen. Als Polizeichef Captain Jack Wander ist der wunderbare Forest Whitaker zu sehen. Whitaker bringt wie von ihm gewohnt eine überzeugende Leistung und darf als Boss unbeschwert aufspielen. Dann Hugh Laurie, wahrscheinlich besser bekannt als zynischer Dr. House. Laurie spielt den anderen Polizeichef Captain James Biggs, der sich mit Wander nicht nur einmal ein deftiges Wortduell liefert. Laurie bringt auch eine gute Leistung und darf wieder in die von ihm gewohnte Charakterrolle schlüpfen, die er natürlich ohne Probleme ausfüllt. Und dann noch die größte Überraschung: Chris Evans. Einer der Schauspieler die ich absolut nicht leiden kann. Doch Evans zeigt als Cop Diskant ebenfalls eine, für seine Verhältnisse, gute Leistung und geht im Cast keinesfalls unter.

Mit ‚Street Kings‘ inszeniert David Ayer einen einfachen Genre-Film. Wir haben den abgefuckten, versoffenen Cop, der von seiner Frau verlassen wurde und sich seitdem in Alkohol und blanker Brutalität verliert. Dann haben wir die anderen Cops, die sich als Helden ausgeben, aber in Wirklichkeit noch viel Korrupter sind als unser Antiheld. Dann wird unser Antiheld noch in einen Mord verwickelt, in den er natürlich perfekt passend würde, obwohl er eben einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort war. Und dann wird trockene Erde aufgewühlt und der Kreis der Brutalität nimmt seinen Lauf. Das hatten wir alles schon, wäre Ludlow jetzt noch eine Woche vor dem Dienstende wär das Klischee perfekt erfüllt. Wie gesagt, nichts neues, lange nicht. Auch einige Logiklöcher kann man ‚Street Kings‘ nicht absprechen. Doch Ayer’s Inszenierung macht aus ‚Street Kings‘ einfach einen extrem unterhaltsamen Cop-Thriller, irgendwo zwischen Moral und Pflicht. Zwischen Korruption und Ehrlichkeit. Zwischen Blut und Sucht. Fast symbolisch sieht man in der Eingangsszene Cop-Ludlow wie er sich im Badezimmer nach dem Aufstehen erst mal übergeben muss, nur um kurz danach wieder an der Wodka-Flasche zu hängen. Danach nimmt der Film ordentlich Tempo auf, ein brutaler Villa-Sturm folgt, in dem er eine Koreanische-Kinderpornogang ohne weiteres über den Haufen schießt. Dadurch zeichent sich ‚Street Kings‘ sich in jedem Fall aus. Durch seine sehr düsteren, kompromisslose und brutalen Szenen. Und an dieser Stelle sei noch was zu Brutalität gesagt. Der Film ist zwar ab 18, aber sicher nicht übertrieben. Blut fließt eben bei Schießereien und so soll es auch sein. Inzwischen nervt es mich sogar schon, wenn jemand deutlich angeschossen wird und man selbst bei Nahaufnahmen kein Blut sieht, nicht mal ein Loch in der Kleidung. Vielleicht bin ich da auch der einzige. Naja was zurück zum Thema. ‚Street Kings‘ hat eindeutig seine guten und seine schlechten Seiten. Welche Seiten überwiegen ist hier Situationsabhängig und natürlich Geschmackssache. Für mich war es aber in jedem Fall solide und düstere Nachmittagsunterhaltung die ich mir sicher nochmal zu Gemüte führen werde.

Fazit: Mit ‚Street Kings‘ inszenierte David Ayer einen düsteren, kompromisslosen und blutigen Thriller tief im Sumpf aus Korruption, Rache und Wut. Das klingt gut, wäre da nicht die Besetzung von Keanu Reeves und die Tatsache, dass wir alles schon mal irgendwo (besser) gesehen haben. Der Film überzeugt aber durch seine feine Optik, den guten Nebendarstellern und durch die temporeiche Inszenierung, welche ‚Street Kings‘ nie langweilig werden lässt. Kurz gesagt: Alles schon gehabt, aber trotzdem tierisch unterhaltsam.

Bewertung: 7/10 Sternen