"StreetDance 2" (UK, GER 2012) Kritik – Ganz Europa schwingt das Tanzbein!

„This is ridiculous Ash! I’m a B-Boy“

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Wenn die Blumen endlich sprießen, die Temperaturen langsam steigen, die Röcke fast schon unverschämt kurz werden und ein neuer Tanzfilm in den Kinos anläuft, weiß man: Es wird Sommer! Kam im letzten Jahr mit „Honey 2 – Lass keinen Move aus“ eine unnötige Fortsetzung zu einem der schlechteren Tanzfilme in die Kinos, findet dieses Jahr mit „StreetDance 2“ erneut ein Tanzfilm-Sequel seinen Weg auf die Leinwand. Der 2010 erschienene Vorgänger „StreetDance 3D“ war als europäisches Gegenstück zur amerikanischen „Step Up“-Reihe gedacht. Ein ehrgeiziges Unterfangen, das durchaus hätte funktionieren können, schließlich bildeten der dreckige Grime-Soundtrack, die Fusion aus Ballett und Streetdance und natürlich der Einsatz der gerade aufkommenden 3D-Technik nicht gerade die schlechteste Ausgangssituation für den britischen Tanzfilm. Doch leider hatte man mit Max Giwa und Dania Pasquini zwei Regisseure engagiert, die scheinbar keinerlei Sinn für die Ästhetik eines Tanzfilms hatten und durch schlecht positionierte Kameraeinstellungen und den ständigen Einsatz unpassender Schnittbilder immer wieder die großartigen Choreografien der Dance-Crews zerstörten. Auch dieses Mal nehmen die beiden Regisseure wieder den Platz hinter der Kamera ein, doch scheinbar hat man aus den Fehlern gelernt. So wird in „StreetDance 2“ nicht mehr konsequent jede Choreografie von den Regisseuren zerschnitten. Das macht den Film zwar noch lange nicht gut, dennoch ist das Endprodukt deutlich ansehnlicher geraten, als sein Vorgänger.

Auf einem Streetdance-Tunier versucht Solo-Tänzer Ash (Falk Hentschel) die tobende Menge von seinen Fähigkeiten zu überzeugen und scheitert auf ganzer Linie. Sogar mit Popcorn wird der Streetdancer beworfen, eine Schmach, die Ash erst einmal verdauen muss. Glücklicherweise nimmt sich der junge Crew-Manager Eddie (George Sampson) seiner an und gemeinsam starten sie den Versuch, die besten Streetdancer Europas für ihr Team zu gewinnen, um beim anstehenden be „Ultimate Dance Off“ in Paris die Gegner unangespitzt in den Boden zu tanzen. Um dieses Ziel zu erreichen, fehlt dem Team aber noch das gewisse Etwas. Doch Leitwolf Ash hat bereits einen Plan: Salsa-Tänzerin Eva (Sofia Boutella) soll ins Team integriert werden, und der Gruppe mit ihren heißen Dancemoves zum Sieg verhelfen.

Jeder, der auch nur einen Tanzfilm gesehen hat, darf sich getrost Genre-Kenner schimpfen, denn zumindest schematisch laufen sämtliche Tanzfilme immer gleich ab. So gibt es 1. immer eine Liebesgeschichte, 2. immer einen Contest, auf dem die Crew die Bühne mächtig rocken und es all den Fakern und Posern mal so richtig zeigen will und 3. ein treueloses Crew-Mitglied, dass im Laufe des Films die Gruppe verlässt um sich dann entweder der gegnerischen Combo anzuschließen oder nach einem Moment der Einsicht reumütig seine Crew um Vergebung bittet. Auch „StreetDance 2“ ändert nichts an diesem gewohnten Story-Muster, allein ein unterhaltsames Chillishoten-Wettessen mit dem legendären Tom Conti („Entgleist“) kann für ein wenig für Abwechslung sorgen. Auch wenn sich niemand diese Filme wegen der Story anguckt, darf man sich doch wenigstens die Frage stellen, warum es in diesem Genre scheinbar keinerlei Innovationen mehr zu geben scheint. Warum für solche Filme überhaupt noch Drehbuchautoren angeheuert werden, bleibt ein echtes Rätsel.

Wenigstens in puncto Besetzung hat man alles richtig gemacht. Statt auf tanzende Schauspieler zurückzugreifen, hat man sich diesmal für schauspielernde Tänzer entschieden. Eine kluge Wahl, denn so wirken die rivalisierenden Crews endlich einmal tänzerisch ebenbürtig, was natürlich der Spannung zugute kommt. Leider verlassen sich die Regisseure dennoch zu sehr auf die individuellen Fähigkeiten ihrer Tänzer, die natürlich alle beeindrucken können, dennoch nie so richtig in der Gruppe funktionieren. Zu welchen erstaunlichen Choreografien Streetdance-Crews in der Lage sein können, weiß man ja spätestens seit dem erfolgreichen MTV-Format „America’s Best Dance Crew“, bei der einem in regelmäßigen Abständen die Kinnlade runter klappt. Dagegen wirken die meisten Gruppen-Choreografien in „StreetDance 2“ fast schon einschläfernd einfallslos.

Glücklicherweise erweist sich der Einsatz der 3D-Technik in „StreetDance 2“ nicht als Enttäuschung. So kommt besonders den Tanzszenen die Tiefenwirkung zugute, denn wenn dem Zuschauer Arme und Beine der crunkenden Tänzer entgegenzittern, dann fühlt man sich mittendrin im munteren Treiben. Und auch außerhalb der Tänze treiben die Regisseure mit der 3D-Technik ihren Schabernack und schmeißen dem Publikum Popcorn, Federn und ähnliches um die Ohren.

Fazit: „StreetDance 2“ ist dank fähigen Tänzern und dem guten Einsatz der 3D-Technik deutlich besser gelungen als sein müder Vorgänger. Würde man jetzt noch etwas mehr Herzblut in eine annehmbare Geschichte und anspruchsvollere Choreografien investieren, dann könnte der dritte Teil der „StreetDance“-Reihe sogar ein richtig guter Film werden.

Bewertung: 4/10 Sternen