"Sweeney Todd" (USA 2007) Kritik – Tim Burton spielt Teufel

„There was a barber and his wife,
And she was beautiful.
A foolish barber and his wife.
She was his reason and his life,
And she was beautiful.“

Tim Burton, ich kann nichts anderen tun, als mich vor Ihnen zu verneigen. Als der Abspann von „Sweeney Todd“ über den Bildschirm flimmerte, war ich innerlich völlig aufgewühlt. Mein Körper lief auf Hochtouren, das Herz bollerte immer noch, die Bilder sirrten durch meinen Kopf und der Adrenalin-Strom, den mir das Finale dieses kleinen Meisterwerks bescherte, hielt nach wie vor an. Dies hier ist einer von diesen Ausnahme-Filmen, die man alle Jubeljahre mal sieht. Bei dem man danach völlig von den Socken ist, ihn eigentlich gleich nochmal gucken will und bei dem alle Faktoren ziemlich perfekt erscheinen.

Allen voran Johnny Depp. Dieser Mann ist jetzt schon eine Legende. Was der für Spannung in sein Gesicht zaubern kann, wie er spricht, sich bewegt und agiert – völlige Hingabe an seine Figur. Nach seiner Performance in „Sweeney Todd“ sollte klar sein, dass das hier ein Weltschauspieler ist. Einer der besten, ohne Frage. Die meiste Zeit an seiner Seite spielt Helena Bonham Carter, die ihre Rolle so locker-leicht und dabei so grandios verkörpert, dass auch ihr eine Verneigung zu Gute kommen sollte. Und dann Alan Rickman! Herrje, wie kann man nur. Was mir hier passiert ist, hab ich bisher tatsächlich noch nie erlebt. Es gibt eine Szene, da spielt er so eindringlich, bedrohlich und düster, da hat er mir echt Angst gemacht und ich hab wirklich Gänsehaut gekriegt. Zeigt sich mal, was mit Filmen so alles möglich ist.

Tim Burton gibt „Sweeney Todd“ von Anfang an die enorm düstere, gruselige und undurchschaubare Atmosphäre, an die ich mich bei dem Namen dieses Films als allererstes erinnern werde. Die ganze Szenerie harmoniert hervorragend miteinander, Sweeneys Barbier-Stube, der Keller, Lovetts Fleischpastetenladen – alles hat Burtons Stempel und überall ist die Atmosphäre zum Schneiden. Die wird vorallem durch die Musikeinlagen nicht gebrochen. Der ganze Cast singt wunderbar, die Songs sind allesamt fantastisch (mir hat’s vorallem Johanna angetan) und – hey! – Alan Rickman kann singen! Ich hab mich vorallem in Depps Stimme verhört, die ist ja schon beim Sprechen voller Wiedererkennungswert und hat eine herrliche Stimmfarbe, aber der Gesang toppt das nochmal – grandioses Sprachrohr, der Mann.

„Sweeney Todd“ ist ganz großes Kino, von vorne bis hinten. Die Geschichte, die Kostüme, das Set, der Cast, die Musicalanleihen – alles in perfekter Harmonie und einzigartig brillant. Schämen Sie sich was, Mr. Burton. Schämen Sie sich.

Bewertung: 9.5/10 Sternen