"Der Swimmingpool" (FR 1969) Kritik – In der Hitze der Nacht

null

Wenn echte Paare einen Film zusammen drehen, dann kann das in die verschiedensten Richtungen gehen. Da wären die unbeschreiblich peinlichen Vertreter (‚Gigli‘, ‚Swept Away‘) oder auch die großen Meisterwerke (‚Eyes Wide Shut‘, ‚Fargo‘). Es liegt aber nicht immer an den Schauspielern allein, natürlich spielt auch der Regisseur eine große Rolle. Mit Jacques Deray hat ‚Der Swimmingpool‘ von 1969 zwar keinen Meisterregisseur auf dem Stuhl sitzen, aber durchaus einen Könner. Dazu die Megastars und das damalige Liebespaar Alain Delon und Romy Schneider in der Hauptrolle und fertig ist ein atmosphärischer Thriller voller Erotik und brennender Hitze.

Marianne und Jean-Paul verbringen ihren Liebesurlaub in einer Villa an der Côte d’Azur. Mit dem Besuch eines alten Freundes Henry und dessen frühreifer Tochter Pénélope entbrennt in dem erotischen und müßiggängerischen Idyll ein tödlicher Streit.

Jean-Jacques Tarbès verpackt ‚Der Swimmingpool‘ in unglaublich hitzige und fiebrige Bilder. Die Sonne strahlt förmlich aus dem Bildschirm und überträgt eine unangenehme Schwüle auf den Zuschauer und man sehnt sich, wie die Protagonisten, nach Abkühlung im Pool. ‚Der Swimmingpool‘ lebt von seiner Atmosphäre, alles erscheint, zu Anfang jedenfalls, wie ein Sommerurlaub und die kühlen Abendbriesen werden sehnlichst herbeigewünscht. Auch Komponist Michel Legrad leistet ganze Arbeit und unterstreicht den Film mit unaufdringlicher Musik die immer mehr angezogen wird, wie die Stimmung im Film selbst.

Wie erwähnt spielen Romy Schneider und Alain Delon das Paar im Liebesurlaub. Schneider dreht ihrem Sissi-Image endgültig den Rücken zu und begeistert als verführerische Marianne durch präzises und starkes Schauspiel und einige freizügige Szenen, die mehr als nur ein Blickfang sind. Dann natürlich Alain Delon, wie gewohnt, unbeschreiblich cool und einfach immer großartig. Seine Figur Jean-Paul bekommt wieder einen unglaublich interessanten wie undurchsichtigen Charakter zugewiesen, den Delon mit seinem ganzen Können berauschend ausfüllt. Auch Maurice Ronet als Henry und Jane Birkin als Pénélope können in ihren ausschlaggebenden Rollen überzeugen.

‚Der Swimmingpool‘ entführt uns direkt ins sonnige Frankreich. In einer abgelegenen Villa lernen wir unsere Hauptcharaktere kennen. Jean-Paul und Marianne, ein Paar im Urlaub. Ohne jeglichen Kummer und Sorge. Sex, Ruhe und Entspannung bestimmen den Alltag der beiden. Lange Schlafen, keine Gedanken an Morgen verschwenden und die Abkühlung im Pool suchen. Bis Jean-Pauls alter Freund Maurice mit seiner hübschen Tochter vor der Tür steht und einige Tage mit ihr in der Villa verbringen will. Marianne und Maurice finden sich interessant. Jean-Paul und Pénélope kommen sich näher. Eifersucht, Verlangen und Begierde werden immer deutlicher und schlagen mehr und mehr in Wut und Zorn um. Die prickelnde Stimmung wird durch einen kühlen Unterton angetrieben. Ein Unterton, der überdeutlich macht, dass die Geschichte ihren bösen Lauf nehmen wird und irgendjemand einen Schritt zu weit in die falsche Richtung gehen wird. Die eigentlich so unbekümmerte Welt des Paares wird zur eigenen Auswegslosigkeit. Zweifel kommen auf. Zweifel an der Beziehung und an sich selbst. Wie stark kann man Verlangen unterdrücken und wann lässt man sich fallen? Und wie schwerwiegend ist ein Fehler, wenn man ihn perfekt vertuschen kann? Der Swimmingpool, der eigentliche gute Freund bei unbeschreiblicher Hitze, wird zum Sündenpfuhl, das Wasser trägt in jedem Tropfen Schuld und der Blick ins kühle Blau wird unerträglich. Doch ‚Der Swimmingpool‘ hat leider auch seine Schwächen. Vor allem im Mittelteil fehlt dem Film die nötige Spannung und der Film plätschert, im wahrsten Sinne des Wortes, nur vor sich hin. Die Charaktere sind zwar nie belanglos, so richtig fesselnd wollen sie aber auch nicht werden. Einzig die grandiosen Darsteller machen die Figuren für den Zuschauer interessant.

Fazit: ‚Der Swimmingpool‘: Ein Film wie ein Sonnenbrand, mit tollen Darstellern bestückt und einer mehr als starken und dichten Atmosphäre. Leider fehlt dem Film nicht nur einmal der nötige Biss, um richtig spannend zu sein, aber die Schauspieler holen wirklich das Beste aus ihren Figuren raus. Dazu diese tolle Stimmung des Films, die erotischen Schwingungen, die anziehende und elektrisierende Art machen ihn einfach zu etwas Besonderem, aber noch lange nicht zu einem Meisterwerk.

Bewertung: 7,5/10 Sternen