"Tanz der Vampire" (USA, 1967) Kritik – Eine Liebeserklärung von unserem Autor Souli

null

Ich kann mich an diesen Moment noch genauso erinnern, als wäre es erst gestern gewesen. Der Moment, an dem ich das erste Mal mit dem Film konfrontiert wurde, der mir später die Welt und meine Liebe zu Filmen eröffnete.

Ich muss fünf gewesen sein und die Schlafenszeit war schon längst überschritten. Auch die ”???”-Kassette hatte bereits ihr Ende gefunden, welches ich sonst eigentlich nie mitbekommen hatte. Heute war hingegen Schlaflosigkeit angesagt. Schicksal? Vielleicht. Nach dem zehnten Versuch endlich einzuschlafen hatte ich genug. Ich kroch aus meinem Bettchen, ging leise die Treppe runter und schlich mich in Richtung Wohnzimmer. Die Tür war zum Glück einen Spalt geöffnet, der mir ermöglichte genau in den Fernseher zu sehen. Interessantes haben sie da grad aber nicht wirklich geguckt. Eine Frau beim Baden und ich war kurz davor ins Zimmer zu platzen, bis plötzlich das Bild zum Dachfenster schwenkte durch das ein angsteinflößender Mann die junge Dame beobachtete. Das Dachfenster öffnete sich, der Schnee fiel in das dampfende Badewasser und dieser furchtbare Mann kam durchs Fenster hinein, zeigte seine grässlichen Eckzähne und machte sich am Hals der Frau zu schaffen. Sie wehrte sich, hatte Schmerzen, durch ihr Beingetrampel in der Badewanne spritzte das Wasser an die Holztür und ich hatte den Schock meines Lebens.

Die Augen verschreckt aufgerissen, der Körper völlig versteinert und der Heulkrampf des Jahrhunderts ließ nicht lange auf sich warten. Meine Eltern, sichtlich erschrocken von meiner unerwarteten Anwesenheit, durften sich einige schlaflose Nächte um die Ohren schlagen. Der Fernseher musste aus bleiben, vielleicht wartet der böse Mann dort auf mich. Das Licht musste immer an bleiben und schlafen konnte ich natürlich nur noch im Bett meiner Eltern. Es gab auch die unzähligen klärenden Gespräche, angefangen mit dem Satz „Vampire gibt es doch gar nicht”. Und wieso hatte meine Tante dann bitte so auffallend große und spitze Eckzähne? Mir konnte keiner was vormachen, ich wusste Bescheid, längst waren sie unter uns. Der Schock hielt an, Tage, Wochen und meine Tante hatte striktes Hausverbot. Irgendwann jedoch konnte ich auch mein Trauma verdrängen und sogar mal wieder durchschlafen…

Jahre später. Ich war inzwischen 13, also ein ganzer Mann. Beim Blättern durch die Fernsehzeitung fiel mir plötzlich ein Bild ins Auge. Diese schreckliche Erinnerung war wieder da, das verdrängte Gefühl überkam mich. Da war er wieder, mein schlimmster Alptraum. Tanz der Vampire. So hieß er also. Die Fernsehzeitung hatte genau die Badewannen-Szene als Bild ausgewählt und es machte schlagartig klick. Angepriesen als Nachttipp. Die Zeit war gekommen. Ich musste mir endlich meine Männlichkeit beweisen, meine Angst beweisen und mich ihr stellen.

Ich bereitete mich vor, reservierte das Wohnzimmer, damit ich absolute Ruhe hatte und schlief nachmittags sogar vor. Dann war der Zeitpunkt endlich da. Das Wohnzimmer war abgedunkelt, völlige Stille im Haus, Vorfreude aber auch Unwohlsein durchströmten meinen Körper. Doch ich musste standhaft bleiben und ich blieb es. Der Film begann. Komedas schaurige Musik setzte ein und die Decke wanderte schnell bis über die Nasenspitze…

100 Minuten vergingen wie im Flug. Der Abspann läuft (heute ein seltener Luxus), ich bin wie versteinert und habe Gänsehaut am ganzen Körper. 100 Minuten voller Grusel, voller Spaß und einem unglaublich schweren Ende verließen mich. 100 Minuten, in denen ich es mir selbst bewiesen habe, die ich tapfer durchgestanden habe, ohne einmal wegzugucken. Stolz und überglücklich konnte ich kaum Gedanken fassen und mich meinem verdienten Schlaf mit einem breiten Grinsen hingeben.

Heute gibt es kaum einen Monat, an dem ich nicht mit Alfred und Professor Abronsius auf Vampirjagd gehe. Der Film hat inzwischen schon so was wie Tradition in unserer Familie und wenn ich mit meinen Eltern wieder Tanz der Vampire gucke, dann komm ich auch heute nicht um den Satz drumherum: „Denk dran, Vampire gibt es nicht wirklich! Und heute Nacht bleibst du in deinem Bett und heulst uns nicht die Ohren voll“.

Ohne Tanz der Vampire, hätte ich niemals meine Leidenschaft für Filme entwickeln können. Ohne Tanz der Vampire, wäre ich jetzt sicher nicht hier gelandet und könnte euch von dieser wunderbaren Erinnerung erzählen und ohne Tanz der Vampire würde mir einfach ein schöner Teil im Leben fehlen. Ein Teil von dem, wer ich heute bin, denn nicht nur Menschen haben mein Leben geprägt, sondern auch die Filme die ich gesehen habe und Tanz der Vampire hat dafür den Startschuss gegeben.

Bewertung: 10/10 Sternen