"Tatsächlich… Liebe" (GB 2003) Kritik – All you need is Love

„Weißt du, ich habe gemerkt, dass ich mich irgendwie… zu dir hingezogen fühle.“ – „Unglaublich. Zwei Minuten bei Elton John und du bist schwul wie zehn Friseure.

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Und wieder einmal sind wir bei dem elendigen Thema der romantischen Komödien angekommen, die sich für Dates sicher eignen, doch darüber hinaus rein gar nichts abliefern. Jedoch muss man zwischen den verhassten „RomComs“ und den Filmen über die Liebe klar unterscheiden, und damit sind jetzt nicht mal Sachen wie „Blue Valentine“ oder „500 Days of Summer“ gemeint, die sowohl die Vorteile und schönen Dinge in einer Beziehung zeigen, als auch die Schattenseiten beleuchten, „Blue Valentine“ natürlich einige Ecken konsequenter und zermürbender. Ein interessanter Mann aus dem RomCom-Bereich, der dennoch nicht in der nervigen Liga spielt, ist der Oscar nominierte Autor Richard Curtis, der die Drehbücher zu „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und „Bridget Jones“ geschrieben hat und damit seine Schwerpunkte mehr als verdeutlichte. Aber wie das manchmal im Filmgeschäft so ist, reicht ein Arbeitsbereich nicht immer und man will seinen eigenen Horizont erweitern. So auch Curtis, der 2003 nicht nur das Drehbuch zu „Tatsächlich… Liebe“ verfasste, sondern sich auch zum ersten Mal auf dem Regiestuhl positionierte und das mit Erfolg.

In „Tatsächlich… Liebe“ bekommen wir es gleich mit mehreren Liebesgeschichten zu tun, die sich in einem Zeitraum von 5 Wochen vor Weihnachten abspielen und nach und nach zusammenziehen wie ein Reißverschluss. Billy Mack ist ein abgewrackter Sänger, dessen besten Tage vergangen und sein Comeback mit einem schrecklichen Song versucht. Dann wären da noch zwei Pornodarsteller, die sich beim Dreh nicht nur körperlich näherkommen, ein junger Engländer, der in Amerika das Bett mal richtig wackeln lassen will und ein einsamer Autor, der sich in seine Putzfrau verliert, die ihn jedoch nicht leiden kann. Dann wäre da noch Juliet, die frisch verheiratet ist, allerdings von dem besten Freund ihres Mannes angehimmelt wird, Daniel, dessen Frau gerade gestorben ist und der sich nun um seinen elfjährigen Stiefsohn kümmern muss, der sich mitten im Gefühlschaos befindet. Daniels Cousine Karen muss währenddessen dabei zusehen, wie ihr Ehemann Harry den Verführungen seiner Sekretärin immer weiter nachgibt und Harrys Angestellte Sarah muss sich endlich trauen, ihren Schwarm Karl zu einem Date einzuladen. Und dann wäre da noch zu guter Letzt Karens Bruder, der gerade zum Primierminister geworden ist und sein Herz an seine Büroangestellte Natalie verliert…

Das große Highlight von „Tatsächlich…Liebe“ ist der durchgehend exzellente Cast, der sich bis in die kleinsten Rollen mit namenhaften Schauspielern glänzen kann. Das ganz große Highlight ist Bill Nighy als abgehalfterter Rockstar Billy, der immer wieder richtig aufdrehen darf und die größten Lacher auf seiner Seite hat. Hugh Grant spielt den Premierminister, und dass Grant für dieses Genre einen lebenslänglichen Vertrag unterschrieben hat, ist wohl schon lange bekannt, jedoch soll das kein Kritikpunkt sein, denn Charme hat der Brite genügend, um seine unglaubwürdige Rolle gut vorzutragen. Dazu gibt es noch Schauspieler wie Liam Neeson, Keira Knightley, Colin Firth, Alan Rickman, Laura Linney, Rowan Atkinson, Rodrigo Santoro, Emma Thompson, Thomas Sangster, Martine McCutcheon und Billy Bob Thornton. Ein äußerst ansprechender Cast, bei dem jeder seinen tollen Auftritt bekommt und mindestens eine gute Szene auf seine Rechnung nehmen darf. Unterstrichen wird das Ganze noch von einem schönen Score von Craig Armstrong, herzlichen Aufnahmen von Michael Coulter und Songs von Olivia Olson, Eva Cassidy, Dido, Norah Jones und The Calling.

Ein Film, der sich durchgehend rundum die Liebe dreht, lädt natürlich schnell zum Kitsch und zu Klischees ein. Die lässt auch „Tatsächlich… Liebe“ nicht aus und gerade das Ende ist typischer RomCom-Einheitsbrei, den man so in jedem zweiten dieser Filme sehen kann. Allerdings hat „Tatsächlich… Liebe“ den großen Vorteil, dass Richard Curtins Inszenierung einfach so charmant und einladend ist, dass man sich mit jedem der Charaktere schnell anfreunden kann und alle dem Zuschauer auf ihre ganz eigene Art sympathisch gemacht werden. Der Film wird zur Liebeserklärung an das schönste Gefühl überhaupt und alle Episoden, die uns immer abwechselnd vorgestellt werden, aber nie unübersichtlich dabei geraten, können sich gekonnt zwischen Tragik und Komik festzusetzen, um den Zuschauer schnell in die verschiedenen Gefühlswelten zu ziehen. Das liegt allerdings auch an den Charakterzeichnungen, die sich irgendwo zwischen Hoffnung, Verlust, Absurdität, Weihnachtsstimmung und Rationalität ansiedeln und nicht nur amüsieren, sondern auch berühren und sich in ihrer Warmherzigkeit sofort um den Zuschauer legen und die Botschaft nicht ins Gesicht hämmern, aber unübersichtlich klarmacht: Love is all around!

Fazit: Man könnte „Tatsächlich… Liebe“ natürlich schnell nicht akzeptieren, denn im Laufe des Films schraubt sich auch der Kitsch hoch, um sich am Ende in ganzer Kraft zu entladen. Jedoch würde man dann die charismatische Herzlichkeit verpassen und einen der schönsten Episodenfilme der letzten Jahre, der der Liebe huldigt und auch noch wunderbar in Weihnachtsstimmung bringt. Dazu gibt es noch einen wunderbaren Cast, in dem jeder der Stars mindestens einen guten Auftritt bekommt, eine warme und einladende Atmosphäre und schöne Songs, die den Film fein abrunden. Ein Meisterwerk ist „Tatsächlich… Liebe“ sicherlich nicht, aber ein Film für das Herz, der unterhält, berührt und einfach schön ist, wenn man sich denn auf ihn einlässt.

Bewertung: 7/10 Sternen