"Texas Killing Fields" (USA 2011) Kritik – Sam Worthington ermittelt in den Sümpfen von Texas

„Verrat mir, wie man aus einer 14 jährigen eine Prostituierte macht?“

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Vitamin B ist immer hilfreich, gerade wenn man in das Berufsleben eintreten will und seinen Traum verfolgt. Unter Vitamin B versteht man die Mithilfe von Verwandten/Freunden oder Bekannten, die einem irgendwie helfen können, sein Ziel zu erreichen, auch wenn das nicht immer gerne gesehen wird und sich auch so manches Mal auf den Vermittler und Helfer auswirken kann. Im Filmgeschäft ist das natürlich nicht anders und als aufstrebender Stern kann es nur von Vorteil sein, wenn man einen populären oder erfolgreichen Gehilfen in der großen Branche hat. Geht man durch die Filmgeschichte und sucht nach diesem Vitamin B, dann wird man schnell fündig. Da hätten wir Tony Curtis und Töchterchen Jamie Lee Curtis, Angelina Jolie und Vater Jon Voight, Jerry und Ben Stiller, oder auch Francis Ford Coppola und sein Patenenkel Nicolas Cage. An dieser Stelle darf man sich also gerne die Frage stellen, ob sich die heutigen Stars wie Nicolas Cage oder Ben Stiller auch ohne Hilfe durchsetzen hätten können. 2011 kam es noch zu einem neuen Fall dieser Sorte und Ami Canaan Mann, die Tochter von Michael Mann, der uns einst das Meisterwerk ‚Heat‘ schenkte, setzte ihren ersten Schritt in der Filmwelt. Mit ihrem Venedig-Beitrag ‚Texas Killing Fields‘ konnte sie jedoch nicht vollkommen überzeugen, auch wenn ihr Talent durchaus erkennbar ist.

Mike und Brian arbeiten zusammen beim Texas City Police Department. Früher hat Brian noch als Polizist in New York gearbeitet, genau da, wo Mike am liebsten wäre. Nun hat Brian nicht nur die Hände voll mit dem Verbrechen, sondern auch damit seinen temperamentvollen Partner zu beruhigen und sich um die junge Anne zu kümmern, die aus einer ziemlich kaputten Familie kommt. Nun kommt es immer wieder zu eigenartigen Morden an Mädchen im Zuständigkeitsbereich von Mikes Ex-Frau Pam, die daraufhin feststellen muss, dass schon wieder eine Frau verschwunden ist. Die Spuren der Frauenleichen führen zu den Sümpfen und Mike und Brian müssen nicht nur in ihrem Bereich ermitteln, sondern auch darüber hinaus…

Zuerst werden wir von ‚Texas Killing Fields‘ mit dem Schriftzug „dieser Film wurde inspiriert durch wahre Geschehnisse“. Inspiriert ist auch wirklich noch gerade akzeptabel, denn wenn man bedenkt, dass in dieser Geschichte nur eine Sache wirklich wahr ist, und zwar das man die Sümpfe in Texas wirklich Killing Fields nennt, weil immer wieder Leichen in ihnen gefunden werden, dann ist schnell klar, dass dieser Satz nur dazu da ist, um möglichst viele Zuschauer anzulocken. Das Drehbuch stammt rein aus der Feder und dem Kopf von Don Ferrarone, der sich dazu auch noch bei vielen Serien und Spielfilmen seine Handlung zusammenfuchste. Man kann also ganz klar sagen, dass ‚Texas Killing Fields‘ ebenso wahr ist, wie auch ‚Psycho‘, ‚Das Schweigen der Lämmer‘ oder ‚Blutgericht in Texas‘, die sicher von realen Vorfällen inspiriert wurden, aber im Film einen ganz eigenen Weg gehen, der eher der Unterhaltung dient, als irgendwelchen dokumentarischen oder korrekten Vordergründen zu verfolgen.

Überzeugen kann ‚Texas Killing Fields‘ vor allem durch seine düstere Optik, die natürlich auch noch dadurch angetrieben wird, dass Mann ihren Films vor allem in der Dunkelheit drehte und die unklare Lage so noch anfeuern kann. Der Hintergrund selbst, den Film in einer Kleinstadt an den texanischen Sümpfen zu drehen, ist natürlich äußerst interessant und kann den Zuschauer auch mitnehmen, auch wenn der Thriller selbst das geniale Potenzial nicht richtig ausnutzt. Die musikalische Untermalung darf sich als gelungen bezeichnen lassen, gerade in durchgehend ungewissen Lage, die immer mit langsamen und ruhigen Klängen unterstrichen wird, ohne auf polternden und harten Donnersoundtrack zu setzen, der eher als nervig empfunden werden kann, als wirklich spannungsgeladen. Eine hochkarätige Besetzung konnte Frau Mann ebenfalls bekommen, aber auch hier muss man sagen, dass sie ihre Schauspieler nicht wirklich fordert und eher auf der Strecke verdursten lässt. Das fängt an mit Sam Worthington („Avatar“) als grimmiger Cop Mike, geht über zu Jeffrey Dean Morgan („Watchmen“) als verantwortungsbewusster Brian und Jessica Chastain („The Tree of Life“) als Ex-Cop-Frau, die alle die Prototypen des Genres zugesprochen bekommen und über diese altbekannten Charaktere einfach nicht hinauskommen, weil Mann sich allgemein nur um Ansätze bemüht. Chloe Grace Moretz („Dark Shadows“) als jugendliche Anne, die immer wieder von Zuhause wegläuft, bietet eine etwas ansprechendere Figur, die einige Facetten mehr offenbart, aber auch dem schwachen Drehbuch ausgeliefert ist.

Die Geschichte selbst ist einfach nichts besonderes. Zwei Cops bei ihrer Arbeit in einem verschlafenen Nest in Texas. Der eine, Mike, ist ein wortkarger Typ, haut gerne zu und hat sich nicht immer unter Kontrolle, gerade wenn es um Leute geht, die nicht direkt springen, wenn Mike es von ihnen verlangt. Dann der andere Cop Brian, der aus der großen Stadt ins kleine Kaff gekommen ist und sich hier auch mehr oder weniger wohlfühlt, aber den klaren Unterschied zur Großstadt immer wieder aufs Neue erfahren muss. Die junge Anne kommt aus einer Familie, in der man sich kaum um sie kümmert, sondern in der eher mit Schlägen kommuniziert wird und die rohe Sprache alltäglich ist. Ihre Mutter verkauft ihren Körper immer wieder und ihr Bruder ist ebenfalls ein leicht zurückgebliebener und durchtriebener Kerl. Dann wäre da noch die Polizistin Pam, die ihren eigenen Bezirk leitet und dazu noch die Ex-Frau von Mike ist, auf den sie immer wieder zurückgreift, obwohl sie doch eine ganze Einheit zur Verfügung hat. Immer wieder tauchen nun Leichen von Mädchen auf, die die Cops in die Ecke der Jugendprostitution führen und zu anderen finsteren Gestalten, die eher Aufmüpfig werden, als wirklich sprechen zu wollen. Die Spur führt in die Sümpfe, in denen schon immer Leichen abgeladen wurden und hier könnte jeder Verdächtig sein.

Bei ‚Texas Killing Fields‘ hat man die ganze Zeit das Gefühl, als würde man einen normalen TV-Thriller mit besserer Besetzung sehen. Regisseurin Mann kommt nicht über den Standard hinaus und lässt ihre Charaktere in den gewohnten Schablonen verweilen, die wir in jedem zweiten Polizisten-Thriller sehen. Da wären der gute Cop, der böse Cop, verkommene Familienverhältnisse und eine gescheiterte Ehe. Die Polizisten flippen ab und an auch mal bei ihrer Arbeit aus und wissen sich nur noch mit Gewalt zu helfen und am Ende stoßen alle Figuren aufeinander. Altbacken könnte man das inzwischen schon bezeichnen. Auch auf der emotionalen oder dramaturgischen Ebene funktioniert ‚Texas Killing Fields‘ nicht wirklich, gerade weil Mann ihre Charaktere nur oberflächlich behandelt hat und es keinen wirklichen Tiefgang gibt. Der Job als Cop ist schwer und macht einen auch psychisch fertig, das wissen wir. Genau wie die Tatsache, dass Beziehungen in diesen Fällen auch zerbrechen. Mehr kommt da aber nicht und diese gewohnten Andeutungen machen noch lange keinen Charakter aus. Was jedoch überzeugt, ist die finstere Atmosphäre, die sich immer dann am besten entfalten kann, wenn die Charaktere die Sümpfe in ihre Ermittlungen hineinbringt, aber auch hier sind die Szenen an diesem Schauplatz deutlich zu kurz geraten. Was bleibt ist ein blasser und oft wankender Thriller, der manchmal so ruhig erzählt wird, dass er schon schleppend ist und Figuren, deren keine Entwicklung zugesprochen wurde. Viele verschiedene Schicksale, viele Ansätze, aber Mann wälzt sich durchgehend in den typischen Genre-Konventionen.

Fazit: ‚Texas Killing Fields‘ ist kein guter Film und bietet rein gar nichts Neues. Vater Michael Mann kann seinem Töchterchen für die gute Atmosphäre und netten Ansätze zwar auf die Schultern klopfen, doch viel lernen muss sie trotzdem noch, gerade wie man Spannung erzeugt und Charaktere gestaltet, denn in diesen Aspekten kann ‚Texas Killing Fields‘ nicht überzeugen. Zwar tut der Film nicht weh und einen Blick darf man riskieren, aber etwas geschenkt oder gar Besonderes kriegt man hier zu keiner Sekunde.

Bewertung: 4/10 Sternen