"The Dark Knight Rises" (USA 2012) Kritik – Das Ende einer Ära

Heute haben wir ein ganz besonderes Schmankerl für euch, denn zum Start von „The Dark Knight Rises“ haben wir uns was Schönes einfallen lassen. Diesmal haben wir nämlich nicht nur eine, sondern gleich drei Kritiken für euch. Den Anfang macht unser bekennender Comic-Liebhaber und Batman-Experte Jervis-Tetch.

„Gotham, take control… take control of your city. Behold, the instrument of your liberation! Identify yourself to the world!“

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Kaum ein Film wurde jemals so sehnsüchtig erwartet wie der Abschluss von Christopher Nolans spektakulärer Batman-Trilogie. Seit dem überwältigenden Erfolg von „The Dark Knight“ verging kaum ein Tag, an dem sich nicht einschlägige Internet-Portale in Spekulationen über Handlung, Besetzung und Antagonisten in „The Dark Knight Rises“ suhlten. Umso größer dann die Freude der weltweiten Batman-Fangemeinde, als angekündigt wurde, dass Bane, der südamerikanische Söldner mit der beängstigenden Gesichtsmaske und einem nicht unerheblichen Suchtproblem (Venom), sich nun im direkten Duell mit Batman messen würde. Die Freude kam natürlich nicht von ungefähr, schließlich hoffte man, dass Nolan sich thematisch an der Knightfall-Saga orientieren würde, dem Comic-Epos, in dem Batman erstmalig körperlich als auch geistig gebrochen wurde. Doch Vorschusslorbeeren sind kein Garant für einen guten Film und so ist im Anbetracht des Hypes das Endresultat ziemlich ernüchternd. Zwar inszeniert Nolan mit „The Dark Knight Rises“ einen soliden Action-Blockbuster, zieht dabei aber leider allzu oft spektakuläre Explosionen und pathetische Lobeshymnen einer anständigen Charakterentwicklung vor.

Vor genau acht Jahren schlüpfte Bruce Wayne (Christian Bale) zum letzten Mal in das Kostüm des dunklen Rächers. Seitdem ist es sehr still im Leben des Milliardärs geworden: Keine Partys, keine Wohltätigkeitsbälle und keine Damenbesuche mehr. Das ändert sich jedoch, als Gerüchte laut werden, dass sich im Untergrund eine Armee formiert, angeführt durch den brutalen und skrupellosen Söldner Bane (Tom Hardy). Bruce Wayne muss noch einmal die Rolle des schwarzen Rittes Batman schlüpfen, um Gotham vor der totalen Vernichtung zu bewahren. Doch kann es Batman mit einem Gegner wie Bane überhaupt aufnehmen?

Kann Bruce Wayne ohne Batman existieren? Ein Thema, das seit vielen Jahren immer mal wieder von mehr oder weniger begnadeten Comic-Autoren aufgegriffen wird und das auch zu Recht, schließlich handelt es sich hier um die Gretchenfrage des Batman-Universums. Ist Batman nun eine heldenhafte Ikone, die selbstlos Opfer bringt um den Bürgern Gothams einen sicheren Schlaf zu gewährleisten, oder ist er nichts weiter als ein Psychopath im Kostüm, der sich aus einem inneren Zwang heraus auf Verbrecherjagd begibt, um seinen Selbsthass und seine Schuldgefühle auszublenden? Auch Christopher Nolan möchte es sich nicht nehmen lassen, in seinem „großen“ Batman-Finale diese Frage wenigstens kurz anzuschneiden und orientiert sich dabei lose an „Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ von Comic-Mastermind Frank Miller. So ist aus Bruce Wayne ohne Batman ein Zerrbild seiner selbst geworden: Erschreckend abgemagert, zerbrechlich und humpelnd tritt der ehemalige dunkle Ritter in seiner Auftaktszene vor die Kamera. Der Zahn der Zeit und die schweren Schicksalsschläge in der Vergangenheit haben deutliche Spuren an dem milliardenschweren Ex-Playboy Bruce Wayne hinterlassen. Und selbst die Rückkehr in die alte Superhelden-Identität kann die alten Lebensgeister nicht vollständig zum Leben erwecken. Bruce Wayne und damit auch Batman ist weder geistig noch körperlich in Form und so muss sich der Zuschauer in der ersten Hälfte des Films mit einem Batman-Light abfinden, ob man nun will, oder nicht.

Und so darf Bruce Wayne in „The Dark Knight Rises“ noch einmal all die Etappen durchlaufen, die wir mit „Batman Begins“ bereits abgeschlossen glaubten: Schicksalsschlag, Sturz und Auferstehung. Leider nutzt Nolan dabei aber nicht Möglichkeiten etwas tiefer in die Figur des Batman/Bruce Wayne einzutauchen und auf dessen innere Konflikte näher einzugehen, denn sofort nach dem Entschluss sein altes Cape wieder zu entmotten, verwandelt sich Batman in einen wahren Pfadfinder-Superhelden, der scheinbar aus reinem Gutmenschentun sein Leben aufs Spiel setzt. Da fragt man sich doch, warum offensichtliche Steilvorlagen ungenutzt bleiben und man statt einem „Dark Knight“ einen Superman-Verschnitt serviert bekommt.

Die Drehbuchautoren Christopher Nolan und David S. Goyer verfolgen seit „Batman Begins“ einen Plan, das ist „The Dark Knight Rises“ deutlich anzumerken. Permanent wird auf Ereignisse aus den vergangenen Teilen angespielt und Brücken zu früheren Handlungssträngen geschlagen. Dennoch wirkt der irrwitzige Plot doch ein wenig zu absurd für das sonst so auf Realismus bedachte nolansche Bat-Universum, erinnert dieser doch fast ein wenig an die Ausgangslage des Batman-Konsolenablegers „Arkham City“. Um die fehlenden Lücken zu schließen, taucht zudem eine wahre Flut an neuen Charakteren auf und so manch ein Zuschauer wird Probleme haben, sämtliche Namen den richtigen Charakteren zuzuordnen. Darunter leidet natürlich die in den vergangenen Teilen hochgelobte Charakterzeichnung, denn weder Protagonisten noch Antagonisten schaffen es, ihrer eigentlichen Größe gerecht zu werden.

Ausgerechnet bei Oberschurke Bane fällt dieses Manko besonders schwer ins Gewicht, denn statt dem gewieften Muskelprotz mit Mega-IQ und Wunder-Droge, bekommt man hier einen geschwollen lamentierenden Schlägertypen, dessen absurder Selbstdarstellungstrieb schon mal für die ein oder andere unfreiwillig komische Szene sorgt. Durch die dennoch nicht minder großartige Leistung von Tom Hardy, der einen körperlich äußerst bedrohlichen Bane gibt, lassen sich Ansätze der Comic-Schreckensfigur Bane erahnen. Ein weiteres Problem, das besonders Fanboys übel aufstoßen dürfte, ist die permanente Missachtung und Vermischung verschiedenster Origin-Storys. Dadurch werden einzelne Figuren so stark verfremdet, dass dieser eher einer Karikatur ihrer Comic-Persönlichkeit gleichkommen. Mit „The Dark Knight Rises“ hat Christopher Nolan definitiv keinen Film für Fanboys gedreht, denn Kinogänger, die die Vorlagen und Charaktere nicht kennen, dürften deutlich mehr Freude an dem Superhelden-Spektakel haben.

Vollends überzeugen kann hingegen Anne Hathaway als Selina Kyle alias Catwoman. Katzenhaft anmutig schleicht sich Hathaway durch die Szenen und verwandelt sich im Bruchteil einer Sekunde von der charmanten Verführerin zur tödlichen Furie. Unberechenbar, unwiderstehlich und ungemein gefährlich, das ist Anne Hathaway in „The Dark Knight Rises“. Und auch wenn ihr Kostüm eher funktional als sexy sein soll, muss sie sich in ihrem Dress keineswegs vor der Grande Catwoman-Dame Michelle Pfeiffer aus „Batmans Rückkehr“ verstecken. Bei einem solchen Auftritt wundert es einen keineswegs, dass Christopher Nolan Höchstselbst Werbung für ein Catwoman Spin-off macht.

Wie schon in „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ hat der Regisseur auch diesmal nicht an Action gespart. Wer in den letzten Teilen schon Freude am neuen Panzer-Batmobil hatte, wird dieses Mal vollends auf seine Kosten kommen, denn davon macht jetzt nämlich gleich ein halbes Dutzend die Straßen von Gotham City unsicher. Bestens ausgestattet ist Batman ja sowieso, denn neben dem modifizierten Bat-Motorrad steht der Fledermaus mit der tiefen Stimme diesmal noch ein Bat-Flugzeug zur Verfügung. Nolan wollte „The Dark Knight Rises“ so bombastisch wie möglich inszenieren und das merkt man. Stellenweise folgt eine dicke Explosion der nächsten, sodass man sich fast wie in einem Michael-Bay-Film vorkommt. Spätestens, wenn ein ganzes Football-Stadion unter etlichen Tonnen Sprengstoff in sich zusammenfällt, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus und man wünscht sich mehr Popcorn, um die Show anständig zu genießen.

Fazit: Nolan schafft mit „The Dark Knight Rises“ einen soliden Actionblockbuster. Der große Streich ist der Abschluss der Batman-Trilogie dennoch nicht geworden, da Nolan die Geschichte des dunklen Ritters nicht konsequent genug zu Ende bringt und letztendlich doch eher darauf bedacht ist, das Publikum bei Laune zu halten, als Batman sein verdientes Denkmal zu setzen.

Bewertung: 6/10 Sternen

nullDeutlich weniger von dem Film begeistert war unser Autor dexter-morgan. Was er dazu zu sagen hat, könnt ihr hier lesen:

Episch für’n Arsch. Nach dem unberechenbaren, eiskalten und mystischen Joker liefert uns Christopher Nolan im grande Finale mit Bane einen Antagonisten, den man zu keinem Zeitpunkt ernst nehmen kann. Nein, man darf sich sogar herzhaft über ihn kaputt lachen, denn selten war ein Charakter so schlecht geschrieben. Banes kalkuliertes Chaos funktioniert zudem nur aufgrund der Dummheit der Cops und ohnehin sind Wendungen primär anwesend um den Film unnötig in die Länge zu ziehen. Darüber, dass diese Wendungen eventuell aufgesetzt wirken könnten, hat sich scheinbar niemand Gedanken gemacht.

Ein US-Kritiker lobte den Film als „spektakuläres Noir-Epos“. Schon traurig, was manche Menschen heutzutage unter „Noir“ verstehen. Wer nämlich düstere, zwiespältige Helden und mehr als nur angedeutenden Pessimismus erwartet, der wird sich noch gehörig wundern, denn wenn Nolan schon keine Ahnung davon hat, wie man Spannung langsam aufbaut, so hätte man doch wenigstens erwartet, dass er „The Dark Knight Rises“ überraschend enden und nicht in Kitsch und Klischees ersaufen lässt. Der große Lichtblick in diesem 160-minütigen Sammelsurium an wirren, planlosen Momenten ist Anne Hathaway als Catwoman. Unheimlich elegant und sexy reißt sie jede Szene an sich, und die Minuten mit ihr sind auch die einzigen, welche wirklich Spass oder Spannung bringen. Ansonsten wird eine Szene nach der anderen entweder von bedeutunglosen Dialogen oder sinnfreier Endlosaction lädiert.

So verbringt man die volle Laufzeit in der Hoffnung, dass Nolan doch endlich mal anfangen möge, eine Geschichte zu erzählen. Gänsehautmomente sind, so mussen man am Ende jedoch feststellen, bei Nolan eine Rarität geworden. Einzig die meisterhaft inszenierte Massenszene auf der Wall Street bleibt dauerhaft in Erinnerung und sieht man mal von Hathaway ab, scheint Nolan in seinem Größenwahn selbst das Führen der Schauspieler verlernt zu haben. Bane hätte ein Bestie werden können, dessen Bosheit im Gegensatz zum Joker kein Gesicht und somit nichts Greifbares hat. Anstatt sich jedoch dieses Vorteils zu bedienen, wird man mit einer Erklärung für seine Gräueltaten konfrontiert. Typisch Nolan halt, denn so versteht sogar der Zurückgebliebenste, was sich dort auf der Leinwand abspielt. Jeder Augenblick wird von der extremen Vorhersehbarkeit begleitet und den großen Realismus, auf den alle bei Nolan schwören, kann er auch ein für alle Mal für sich behalten, denn wer schon nicht dazu imstande ist auf die kleinen Details zu achten, die man auf jeder Filmhochschule lernt, dem wird man auch so bald nichts mehr beibringen können. Einer der visionärsten Regisseure unserer Zeit? Sicher nicht, sondern vielmehr einer der Überbewertesten der Filmgeschichte.

Bewertung: 4/10 Sternen

nullWesentlich besser fand „The Dark Knight Rises“ unser Nolan-Aficionado Conrad-Mildner:

Wie bei so vielen dritten Teilen von Trilogien, bezieht sich auch „Rises“ mehr auf den Ursprung, den ersten Film „Batman Begins“. Zum einen um eine Klammer zu schaffen und um den sträflich ignorierten Auftakt der Saga an die Trilogie zu binden. Den Bare-Bone-Realismus von „The Dark Knight“ mildert Nolan ein wenig. Im Gegenzug ist es dem Film wichtig die vorherigen Filme in allen Belangen zu übertrumpfen.

In stolzen 164 Minuten, die nicht immer so flüssig laufen, wie gewünscht, fackelt Nolan jedes Actionfeuerwerk ab, was das Drehbuch auch nur halbwegs anbietet. Schlichtweg alles vergrößert sich, vom Ensemble bis zu den Set-Pieces und es zeigt sich, was „Rises“ wirklich fehlt, ist ein Kern der Geschichte, etwas das alles miteinander verbindet. So bleibt Nolan nichts anderes übrig als seine zig Plots diffus und überdeutlich zu erzählen. Den zarten 9/11-Anspielungen eines „The Dark Knight“ weicht eine offenkundige Anklage an die Verursacher der Weltfinanzkrise, der dennoch nicht genügend Zeit bleibt um sich zu entfalten.

Niemand hat in diesem Film Zeit für irgendwas. Es ist ein einziges atemloses Hetzen und Kämpfen, was durch das schludrige Handwerk von Kamera und Schnitt noch verstärkt wird. Im Vergleich mit dem beinah makellosen „The Avengers“, fehlt es Nolans Film an vielen Dingen, aber während Joss Whedons Comic-Spektakel das leckere Sahnehäubchen auf einer groß kalkulierten Marketing-Torte ist, geben sich Nolans Batmanfilme immer als Wagnisse zu erkennen. Das gilt auch für den dritten Film, dem sein Übermaß an Inhalt und ungezügelter Form zu Gesicht stehen. Hier geht es gar nicht darum einen schlechten Film gut zu reden, aber selten sieht man eine solch wunderbar strikte Perversion abseits des „Production-Codes“ heutiger Hollywood-Mega-Eventfilme.

Bewertung: 7/10 Sternen