"The Dark Knight" (USA 2008) Kritik – Der dunkle Ritter kehrt zurück

„Einige Menschen wollen die Welt einfach nur brennen sehen.“

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Nach dem großartigen Neustart der Batman-Saga mit ‚Batman Begins‘ waren die Erwartungen und die Vorfreude an den zweiten Teil von Christopher Nolans Batman-Reihe natürlich dementsprechend riesig. Mit ‚The Dark Knight‘ kann Nolan zwar nicht zu 100% mit ‚Batman Begins‘ mithalten, inszeniert aber trotzdem einen fantastischen und vor allem würdigen Nachfolger.

Auf den Straßen von Gotham City herrscht noch immer keine Ruhe. Ein Haufen selbsternannter Batman-Imitatoren macht Jagd auf das organisierte Verbrechen und muss dabei ein ums andere Mal vom Original gerettet werden. Die Polizei ist deshalb gar nicht gut auf den Mann im Fledermauskostüm zu sprechen, der die Justiz einfach in die eigenen Hände nimmt. Als ein neuer Stern an Gothams Himmel erstrahlt – der Staatsanwalt Harvey Dent verschreibt sich dem Kampf gegen Verbrechen und Korruption – stehen nur noch Lieutenant Gordon, Butler Alfred und Erfinder Lucius Fox Batman treu zur Seite. Schweren Herzen muss Bruce Wayne zudem mit ansehen, dass die Liebe seines Lebens, Rachel Dawes, und Harvey Dent ein Paar werden. Als plötzlich der geniale Joker die Bühne von Gotham City betritt, werden die Karten noch einmal neu gemischt: der Joker verspricht den Anführern der organisierten Kriminalität Batmans Tod. Dabei geht der offenbar komplett wahnsinnige und durch und durch böse Psychopath buchstäblich über Leichen.

‚The Dark Knight‘ besticht zuerst durch seine grandiosen düsteren Bilder von Gotham City. Eine Stadt, in der die Dunkelheit reagiert, selbst bei Sonnenschein. Dazu die genialen Kamerafahrten und Einstellungen, ob hoch über den Dächern von Gotham oder auf den dreckigen Straßen. Nolans Stammkameramann Willy Fister leistet wieder tolle Arbeit und erzeugt allein durch seine Bilder, eine äußerst dichte Atmosphäre. Dazu der bombastische Sound und der tolle Score von Hans Zimmer, der sich den finsteren Bildern genau anpasst und ihm die richtige Untermalung schenkt.

Fast alle Darsteller aus ‚Batman Begins‘ sind, zum Glück, in ‚The Dark Knight‘ wieder vertreten. Christian Bale als Bruce Wayne bringt wieder eine gute Leistung, hinkt aber seiner ersten Batman-Darsteller hinterher, was auch daran liegt, dass er nicht mehr der Hauptpunkt der Geschichte ist. Gary Oldman als James Gordon zeigt ebenfalls eine gute Darstellung. Dann Morgan Freeman und Michael Caine, die zwar noch kleineren Rollen als im Vorgänger haben, aber dennoch wieder stark sind. Katie Holmes wurde durch Maggie Gyllenhaal ausgetauscht. Das war mit Sicherheit kein Fehler, denn Gyllenhaal ist eindeutig die bessere Schauspielerin, setzt aber trotzdem in der Rolle der Rachel Dawes keine allzu großen Akzente. Aaron Eckhart als Staatsanwalt Harvey Dent und Two-Face (mit übertriebener CGI-Maske) ist ein ganz neuer Charakter. Eckhart spielt seinen tapferen aber auch übermütigen Charakter, der am Ende nur noch auf Rache sinnt, äußert überzeugend. Dann wäre da noch Heath Ledger. Ledger spielt den genialen Batman-Gegner Joker, der schon im ersten Burton Batman von Jack Nicholson verkörpert wurde. Doch von dem bunten Clown mit Dauergrinsen ist nichts übrig geblieben. Der Joker ist das personifizierte Chaos, ein Mann ohne Gewissen, eine Naturgewalt, das Böse. Ledger verkörpert seinen Charakter mit atemberaubender Kraft und Authentizität, dem das Chaos wahrlich ins Gesicht geschrieben ist. Ledger wurde posthum nicht unverdient mit dem Oscar für den besten Nebendarsteller ausgezeichnet.

Was ‚Batman Begins‘ zu einer besonderen Comic-Verfilmung gemacht hat, war die realistische Inszenierung und der Charakter-Tiefgang. In beiden Punkten muss ‚The Dark Knight‘ im Vergleich zum Vorgänger Abstriche machen. Was nicht heißen soll, dass Nolan mit CGI-Effekten oder unglaubwürdigen Szenen übertreibt, nein, aber dennoch werden hier einige Schippen draufgelegt. Das liegt daran, das ‚The Dark Knight‘ deutlich mehr Wert auf Action-Szenen legt. Die Action ist nicht nur Nebensache, sondern übernimmt einen großen Punkt. Natürlich sind die Szenen fantastisch anzusehen und hervorragend in Szene gesetzt, aber die Charakterzeichnung leidet unter dem Feuerwerk. Christopher Nolans‘ Inszenierung ist nicht unbedingt oberflächlich und in jedem Fall vielschichtiger als in anderen Comic-Verfilmungen, aber dennoch nicht so ausgebaut und tiefgründig wie in ‚Batman Begins‘. Was aber auch daran liegt, das Batman nicht mehr die Hauptfigur ist, sondern viele verschiedene Charakter ins Spiel kommen, die alle ihre Zeit bekommen wollen. Bruce Wayne sieht wie seine geliebte Rachel mit Harvey Dent zusammenkommt und Bruce versucht seinen überdeutlichen Schmerzen deswegen zu vertuschen, dazu kommt noch ein viel größeres Problem: der kaltblütige und kompromisslose Oberschurke Jorker. Der Joker nimmt Gotham Stück für Stück auseinander um sein eigenes Chaos zu schaffen. Harvey Dent, der zum neuen Stern in Gotham aufsteigt und Bruce Wayne so gar nicht leiden kann, wird zwischen die Fronten von Batman und dem Joker gezogen und macht wegen eines großen Verlustes eine schwerwiegende (und unglaubwürdig schnelle!) Wandlung durch. Und natürlich Cop James Gordon, dem der Joker durch die Finger geflutscht ist. Denn der Joker scheint allen einen Schritt voraus zu sein, alles ist perfekt geplant und durchdacht und eine pure Zerstörungswut bebt durch Gotham City. All das bietet genug Stoff für mehrere Filme, wird aber in einen gut 150 Minuten Film gepresst. Verständlich das die Charakter mehr oder weniger kürzer kommen. Doch die 150 Minuten gehören mit zu den unterhaltsamsten der Filmgeschichte und vergehen wie im Flug, allein wegen der Interessanten Charaktere und atemberaubenden Sequenzen.

Fazit: Mit ‚The Dark Knight‘ inszenierte Christopher Nolan ein Action-Feuerwerk aller erster Sahne. Zwar geht dem Film einiges an Tiefgang verloren, aber die starken Darsteller, die hervorragenden Bilder sowie die Inszenierung und der tolle Score machen ‚The Dark Knight‘ zu einem extrem spannenden und unterhaltsamen Blockbuster der Extraklasse.

„Ich hatte auch eine Frau, sie war wunderschön – wie du. Die mir sagt, ich solle mir nicht so viele Sorgen machen. Die mir sagt, ich solle mehr lächeln. Die zockt und sich mit Haien einlässt. Eines Tages zerschneiden sie ihr Gesicht und wir haben kein Geld für Operationen. Sie erträgt es nicht… Ich will sie einfach wieder lächeln sehen. Ich will ihr nur zeigen, dass die Narben mir egal sind. Also… stecke ich mir ein Rasiermesser in den Mund und mach das hier… mit mir! Und weißt du was? Sie erträgt den Anblick nicht! …Sie verlässt mich. Jetzt sehe ich die komische Seite daran. Jetzt lächle ich nämlich immer!“

Bewertung: 8/10 Sternen