"The Expendables 2" (USA 2012) Kritik – Die Rückkehr der Action-Opas

„Rest in Pieces“

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Als Sylvester Stallone 2010 seine Old-Action-Heroes „The Expendables“ auf das Kinopublikum losließ war die Freude rund um den Globus riesengroß. Die größten Actionstars der letzten 30 Jahre in einem Film vereint, was konnte da noch groß schief gehen? Doch leider blieb das große Feuerwerk aus und der Film deutlich unter den Erwartungen vieler Fanboys und Kritiker. Viel zu zäh gestaltete sich der pompös inszenierte Actionkracher, zu schematisch und glattgebügelt der Handlungsaufbau, als dass der rüpelhafte Charme alter Actioner erreicht werden konnte. Trotz mäßiger Kritiken waren die Einspielergebnisse an den Kinokassen dennoch zufriedenstellend und so kann sich die Kampftruppe unter Führung von Muskelopa Sly nun ein zweites Mal den Weg durch Gegnerhorden schießen. Und diesmal macht das Ganze sogar Spaß, denn mit „Con Air“-Regisseur Simon West hinter der Kamera überflügelt „The Expendables 2“ seinen Vorgänger um Längen und ist somit einer der vergnüglichsten Actionfilme der letzten Jahre.

Die männlichste Sondereinsatztruppe der Welt kehrt zurück auf die Kinoleinwand. Mit dabei ist diesmal neben Barney Ross (Sylvester Stallone), Lee Christmas (Jason Statham), Yin Yang (Jet Li), Gunnar Jensen (Dolph Lundgren), Toll Road (Randy Couture) und Hale Ceasar (Terry Crews) auch Nachwuchs-Sniper Billy the Kid (Liam Hemsworth). Für die nötige Frauen-Power sorgt Mr. Churchs Geheimwaffe Maggie (Yu Nan). Diese soll sicherstellen, dass die Expendables auch ihren Auftrag zur Zufriedenheit ihres Auftraggebers ausführen, schließlich steht nicht nur eine Menge Geld, sondern auch die Sicherheit der Welt auf dem Spiel.

„The Expendables 2“ macht keine Gefangenen, so viel steht fest. Schon in der Eröffnungsszene müssen so viele Statisten ihr Leben lassen, dass wohl jede Body-Count-Maschine bereits nach wenigen Minuten den Geist aufgeben würde. Wenn die Entbehrlichen im schwer gepanzerten Wagen in eine Terroristenhochburg einreiten, dann kann sich das Zerstörungsausmaß durchaus mit dem in „Team America“ messen. Ohne Deckung tritt man hier seinen Widersachern entgegen und feuert aus allen Rohren, bis kein Stein mehr auf dem anderen steht. Wer hier noch auf Realismus pocht, ist selber schuld.

Die Drehbuchschreiber Richard Wenk und Sylvester Stallone haben gut daran getan, gar nicht erst zu versuchen, eine anspruchsvolle Geschichte zu erzählen. Die Story, die kaum als solche bezeichnet werden kann, dient lediglich dazu, die Expendables vor verschiedenen Hintergründen auflaufen zu lassen, sodass diese wieder und wieder neue Settings kurz und klein schießen können. Doch mal ehrlich, wer hat den etwas anderes erwartet? Statt einer tiefsinnigen Geschichte oder emotionalen Dialogen wird in „The Expendables 2“ eine wahre Flut an Zitaten und Film-Verweisen auf das Publikum losgelassen. Hier werden nicht nur klassische Filmzitate augenzwinkernd zitiert („You’ve been back enough“), sondern auch moderne Actionkracher werden bedacht. Wenn Stallone in bester John McClane-Manier einen Hubschrauber mittels motorisiertem Gefährt zum Absturz bringt, werden nicht nur „Stirb langsam“-Fans begeistert in die Hände klatschen.

Anders als in „The Expendables“ werden nun einige der Entbehrlichen deutlich in den Vordergrund gerückt. Neben dem Expendables-Leitwolf Sylvester Stallone, stehen diesmal Jason Statham und Yu Nan als das neueste, weibliche Mitglied der Sondereinsatztruppe Maggie im Mittelpunkt. Deutlich mehr Leinwandzeit wird jetzt auch den alten Hasen Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger eingeräumt und diese haben sichtlich Spaß in ihren Rollen. Dass auch ein kleiner Auftritt mächtig Eindruck machen kann, beweist Chuck Norris. Frei nach dem Motto „Veni, vidi, vici“ zerstört der rotbärtige Roundhouse-Kicker im Vorbeigehen quasi eine ganze Armee, reißt einen Chuck-Norris-Witz und verschwindet dann ebenso plötzlich, wie er aufgetaucht ist. Dass sich bei so viel Star-Power selbst gestandene Action-Größen mit wenig Screentime begnügen müssen, war abzusehen. So auch Jean-Claude Van Damme, der als Oberbösewicht mit dem unauffälligen Namen Jean Vilain den Expendables das Leben schwer macht. Doch im furiosen Showdown gegen den Stallone, der in bester Rocky-Manier die Fäuste schwingen lässt, kann sich auch JCVD noch einmal von seiner besten Seite präsentieren.

Fazit: Man sollte besser in Deckung gehen, wenn die Expendables die Kinosäle erobern. Auch wenn „The Expendables 2“ sicherlich kein Meilenstein der Kinounterhaltung geworden ist, hat der Film alles, was das Actionkino in den letzten Jahren vermissen lies: Markige One-Liner, stahlharte Kerle und jede Menge Action. Für Freunde des klassischen Actionkinos ein unbedingtes Muss.

Bewertung: 8/10 Sternen