"The Fog" (USA 1980) Kritik – Mit dem Nebel kommt das Grauen

„Wir können uns nicht länger verstecken. Ganz egal wo wir sind, sie werden uns finden.“

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John Carpenter ist und bleibt einer der prägenden Regisseure der Filmgeschichte. Gerade ‚Das Ding aus einer anderen Welt‘ hat Maßstäbe gesetzt und hat auch heute noch nichts von seinem einmaligen Ekel und der umklammernden Atmosphäre verloren. Aber auch sein großes Meisterwerk ‚Halloween‘, wie auch ‚Die Klapperschlange‘, ‚Die Fürsten der Dunkelheit‘, ‚Die Mächte des Wahnsinns‘, ‚Assault‘ und ‚Starman‘ zählen zu den Perlen des Genres, und bewiesen immer wieder die Vielseitigkeit des einstigen Meister des Horrors. Aber Zeiten ändern sich, genau wie sich die Menschen über die Jahre auch verändern. Heute sind seine Glanzzeiten leider schon fast vergessen, was aber auch an ihm selbst und dem berühmten verschenkten Talent lag. Im Jahre 1980, ein Jahr nach seinem großen Wurf ‚Halloween‘, gelang Carpenter mit ‚The Fog‘ ebenfalls ein klarer Höhepunkt seiner Karriere und knüpfte fast ohne Probleme an die Qualität des Klassikers im Vorjahr an.

Der hundertjährige Gründungstag eines kleinen Fischerstadt steht bevor, doch genau um Mitternacht kommt es dort zu mysteriösen Vorfällen. Telefone wollen nicht aufhören zu klingen, Scheiben zerplatzen ohne erkennbare Gründe und eine unheimliche Nebelwand zieht langsam auf. Mit dieser Nebelwand kehren auch die Geister der Seeleute heim, die vor 100 Jahren den Tod in den Wellen gefunden haben und nun Vergeltung dafür fordern, dass ein reicher Kapitän sie mit falschen Leuchtturmsignalen in den Tod schickte. Die die Bürger der Stadt wollen sich gegen das aufziehende Grauen wehren.

Kameraarbeit Dean Cundey, auf den sich Carpenter schon des Öfteren verlassen konnte, fängt das idyllische Küstenkaff in unheimlich atmosphärische Bilder ein und verwandelt es langsam zur Geisterstadt, in der der Horror langsam seiner Wege geht. Den Score komponierte Meister Carpenter, wie schon im Vorjahr bei ‚Halloween‘, wieder höchstpersönlich und lieferte erneut einen der stimmigsten und schaurigsten Soundtracks der Horrorfilmgeschichte ab. Jedes Mal wenn Carpenters minimalistische Musik ertönt, entsteht eine Gänsehaut und erzeugt das grandiose Gruselfeeling. Die Atmosphäre, die wohl das wichtigste an einem solchen Film ist, überzeugt hier in jeder Minute.

In Sachen Besetzung hatte Carpenter schon immer ein gutes Händchen und auch hier konnte einen guten Cast zusammenwürfeln. Jamie Lee Curtis spielt erneut die Hauptrolle, kann aber hier kaum an ihrer Leistung aus dem Vorjahr anknüpfen, denn dieses Mal bekommt sie kaum Räume um ihre Rolle wirklich auszubauen. Curtis zeigt dennoch eine solide Leistung baut ihren Ruf als Screamqueen weiter aus. Ein kleines Highlight des Films ist das Zusammentreffen von Jamie Lee und Janet Leigh Curtis, ihre leibliche Mutter, die zwar nur eine kleine Rolle hier hat, aber gerade in dieser Szene vielen Filmliebhabern eine Freude gemacht hat. Adrienne Barbeau als Radiomoderator Stevie weiß in ihrer Figur zu überzeugen und füllt sie gut aus, auch wenn man keine Glanzleistung erwarten sollte. Die weiteren Rollen sind mit Tom Atkins als Nick Castle und Hal Holbrook als geistliches Oberhaupt Pater Malone der Kleinstadt ebenfalls toll besetzt. Auch John Carpenter hat einen kleinen Auftritt als Malones Gehilfe Bennett.

Der Nebel ist gehört zu den Urängsten des Menschen. Wenn man morgens aus dem Haus geht und in der Ferne den weißen Schleier langsam auf sich zukommen sieht, wie er die Landschaft Stück für Stück für sich einnimmt und jegliche Sicht durch sein Auftreten nimmt, löst das in uns allen ein unwohles Gefühl aus. Der Nebel bewegt sich unaufhaltsam, nichts und niemand können ihn stoppen, schwebend treibt er voran und kann sich in jeden noch so engen Raum ohne Probleme entfalten. Genau mit dieser Urangst, der undurchdringlichen und undurchsichtigen Ausweglosigkeit, spielt Carpenter in ‚The Fog‘. Der Film spielt im Küstenort Antonio Bay, auf der sich seit einem Jahrhundert ein dunkles Geheimnis abgelegt hat, denn die ersten Bewohner von Antonio Bay hatten ein Schiff absichtlich auf ein Riff laufen lassen, damit in ihrer Nähe keine Leprakolonie gebaut werden konnte und die geldgeilen Siedler sich das Gold, was auf dem Schiff gelagert war, unter den Nagel reißen konnten um damit die Stadt aufzubauen. Die Jahre vergingen in Ruhe, das Nest hat sich langsam errichtet und die Jubiläumsfeier steht vor der Tür. Genauso wie die ertrunkenen Seemänner, die auf Rache sinnen und die Stadt heimsuchen. Daraus inszenierte Carpenter einen Gruselfilm der altmodischen Sorte, wie man ihn heute, in einer Zeit in der nur noch Blut und Effekte zählen, viel zu sehr vermissen muss.

Carpenter verstand es schon immer eine dichte Atmosphäre aufzubauen, das gelingt ihm auch hier wieder einmal grandios. Wenn das Nebelhorn ertönt, dann erwacht auch das mulmige Gefühl im Zuschauer und die Erwartungen auf das, was kommen mag, werden immer weiter angetrieben. Doch Carpenter überschlägt sich in seiner Inszenierung nicht, er baut seinen Film auf, lässt sich Zeit und zeigt die Untoten im Nebel erst später, was natürlich auch seinen Teil zur ungewissen und anspannenden Stimmung des Films beiträgt. ‚The Fog‘ ist ein schauriger Gruselfilm der alten Schule, der zum Glück zu keiner Sekunde auf blutrünstige und überzogene Szenen setzt, sondern seine großartige Atmosphäre immer weiter ausbaut und die wichtigen Bestandteilen einer Gruselgeschichte, wie zum Beispiel die Geisterstunde um Mitternacht, mitbringt. Der unheimliche Grundton durchzieht jede Szene und wenn es von außen gegen die Tür pocht und nur ein finsterer Schattet mit roten Augen zu erkennen ist, dann lehrt uns das immer noch das Fürchten. Zwar ist ‚The Fog‘ doch etwas kurz geraten und einige Handlungsabschnitte werden manchmal zu schnell abarbeitet, doch Carpenter verstand es, seine Gruselgeschichte interessant aufzubauen und sie aus der Sicht der Geister und deren Handeln sogar verständlich zu machen. Wer hier ein Blutbad erwartet wird enttäuscht, hier zählen die Atmosphäre und Andeutungen, und da konnte Carpenter wie gewohnt in diesen Jahre voll punkten.

Fazit: ‚The Fog‘ ist ein stimmiger, altmodischer und spannender Gruselfilm, der heute zwar etwas angestaubt wirkt, aber immer noch wunderbar funktioniert. Mit guten Darstellern, einem fantastischen Score, dichten Aufnahmen, grandioser Atmosphäre und Carpenters ruhigem Erzählstil wird ‚The Fog‘ zu einem Gruselfilm-Klassiker, genau wie er sein muss, auch wenn er etwas zu kurz geraten ist.

Bewertung: 7/10 Sternen