"The Good Doctor" (USA 2011) Kritik – Orlando Bloom darf Onkel Doktor spielen

„Wenn man verliebt ist, dann soll man loslassen.“

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Wenn wir an die Ärzte in den Krankenhäusern denken, die mit dem Stethoskop um den Hals und den langen weißen Mänteln die Flure entlangstolzieren, dabei die Blicke der Patienten und Familienangehörigen hinter sich herziehen und von jedem den höchsten Respekt genießen, dann schlägt sich die allseits bekannte These „Götter in Weiߓ schnell in den Kopf eines Außenstehenden, denn Doktoren jeglicher Art, so meint man, halten sich ja sowieso für etwas Besseres. Gehen wir auch die Filmwelt auf der Suche nach beliebten Ärzten durch, dann finden wir uns vor allem im Serienbereich wieder. Da hätten wir Dr. Perry Cox aus „Scrubs“, den sexsüchtigen Christian Troy und seinen Kollegen Sean McNamara aus „Nip/Tuck“, natürlich auch „Dr. House“ aus der gleichnamigen Serie und George Clooney als Dr. Doug Ross in „Emergency Room“. Durch diese Serien bekommen wir Einblicke in das Leben und die Arbeit, von der Chirurgie bis zur inneren Medizin, und erleben was es heißt, für das Wohl von Menschen verantwortlich zu sein. In „The Good Doctor“ aus dem Jahre 2011 sehen wir nun den frischgebackenen Vater Orlando Bloom in einer Arztrolle, in der es uns zeigt, dass es auch weniger göttlich sein kann, ein Doktor zu sein.

Dr. Martin Blake ist der Hauptprotagonist in „The Good Doctor“. Der britische Arzt beginnt seine Assistenzzeit in einem großen Krankenhaus in Südkalifornien, wo er den Unterschied zur Theorie und dem echten Leben als Arzt schnell bemerkt. Die Schwestern sind überarbeitet und gestresst und die Ärzte bekommen ihre Launen schnell ab. Dann kommt die 18-jährige Diane mit einer Nierenbeckenentzündung ins Krankenhaus und Martin wird ihr behandelnder Arzt. Zwischen ihm und Diane entsteht eine stille Bindung, die über die normale Patient-Arzt-Beziehung hinausgeht, gerade dadurch, weil sie ihm das gibt, was er sich immer gewünscht hat: Respekt. Als Martin jedoch so weit geht, ihre Behandlung so zu beeinflussen, dass es Diane schlechter geht und sie noch länger im Krankenhaus bleiben muss, gerät die Sache außer Kontrolle. Dazu fliegt sein manipulierter Vorgang auf und der junge Arzt wird daraufhin von dem Pfleger Jimmy erpresst, der immer wieder Tabletten verlangt, um seine Sucht zu stillen, sonst lässt er das Geheimnis auffliegen. Die Lage spitzt sich immer weiter zu…

Zu Anfang kann man gleich mal eine überraschende Entwarnung geben: Es liegt in keinem Fall an Orlando Bloom, das „The Good Doctor“ nicht funktioniert. Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass Bloom ein guter Schauspieler sein kann, allerdings nur wenn er in Kostüm schlüpfen kann oder sich mit dem Bogen und blonden Haaren durch Mittelerde schlägt. Wenn seine Mimik gefragt ist und er dazu auch noch einen längeren Text hat, dann zeigt sich die Talentlosigkeit des Briten immer ohne Gnade auf. In „The Good Doctor“ ist das jetzt zum Glück anders und Bloom kann als junger Dr. Martin Blake eine solide Leistung abruft, bei der er sich weder blamiert, noch unter Wert verkauft. Er verkauft seinen Charakter als ehrgeiziger und sympathischer Mediziner, der Fehler macht und sich von Gefühlen leiten lässt, gut. Die anderen Charaktere wie Diane Nixon, gespielt von Riley Keough, oder Jimmy, verkörpert von Michael Pena, sind eher unauffällig dargestellt, aber sicher nicht negativ auffallend. Auch J.K. Simmons ist in einer kleinen Nebenrolle gegen Ende des Films zu sehen. Umklammert werden die Schauspieler von der sterilen Kühle und zarten Pianoklängen, die sowohl das Innenleben von Martin, als auch die Krankenhausarbeit einfangen. Das Problem liegt jedoch ganz woanders.

„Ich dachte Ärzte spielen nur Golf.“

In „The Good Doctor“ kriegen wir es also mit einem Gott in Weiß zu tun, der allerdings weder das göttliche Antlitz, noch das Ansehen eines solchen genießt. Dabei hat er das Studium eigentlich nur eingeschlagen, weil er endlich Respekt in seinem Leben genießen wollte. Dass er Menschen mit seiner Arbeit helfen will, kommt erst an zweiter Stelle bei seiner persönliche Rangliste. Als er diesen ersehnten Respekt bekommt, wird aus einer unterschwelligen Romanze schnell großes Interesse und unausweichliches Verlangen mit bösen Folgen, nicht nur für den jungen Onkel Doktor. So spinnt Regisseur Lance Daly ein Netz aus Verlust, Erpressung, Paranoia, Sucht, Manipulation und Verantwortung, projiziert das auf einen Arzt, der nicht den vorgegeben Weg einschlägt, sondern den Vorteil für die eigene Seele nutzt und den Gesetzesbruch in der sterilen Einsamkeit in Kauf nimmt. Das klingt alles wirklich nicht schlecht, doch die Art wie Daly seinen Film verkauft, ist wirklich die vollkommen falsche. „The Good Doctor“ weiß die ersten 20 Minuten durchaus zu gefallen, doch sind die erst mal vergangen, schleicht sich die Belanglosigkeit immer deutlicher ins Geschehen ein und das Interesse des Zuschauers wird vollkommen erstickt. Die Charaktere bieten keinen neuen Facetten, der Ablauf der Geschichte wird vorhersehbar und eine Spannungskurve oder Höhepunkte sind hier nur unerreichbares Wunschdenken. „The Good Doctor“ ist schlussendlich ein bedeutungsloser und nichtssagender (Psycho-)Thriller, der dem Zuschauer nach dem großen Gähnen auch noch mit einem mehr als enttäuschenden Ende bestraft.

Fazit: Interessante Ansätze sind durchaus gegeben, werden von Lance Daly allerdings mit der unausweichlichen Langeweile erdrückt. Die Schicksale der Charaktere sind uninteressant, der Verlauf der Story irrelevant und Spannung gibt es sowieso keine. Orlando Bloom weiß als manipulativer Arzt zu überzeugen, immerhin etwas, doch danach bleibt nur die gähnende Leere. Sicher tut „The Good Doctor“ niemandem weh, doch er gibt auch nichts und könnte im besten Fall als nette Einschlafhilfe benutzt werden, das war es dann aber auch schon.

Bewertung: 3/10 Sternen