"The Hunter" (AU 2011) Kritik – Willem Dafoe auf der Jagd in Tasmanien

„Ab und zu behaupten ein paar Spinner einen gesehen zu haben, aber Beweise hatte bisher keiner.“

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Die Tiere sterben aus und wir Menschen sind daran schuld. Wir zerstören ihre Lebensräume, jagen, misshandeln und töten sie. Und warum? Natürlich wegen des Geldes. Viel zu spät kommt dann die Einsicht, was für Schandtaten wir der Natur angetan haben und wie viel freies Leben wir durch unsere Habgier und Geldsucht zerstörten. Mit verdienten Schuldgefühlen versuchen wir, die Tiere wieder zu vermehren und die Wildnis einen Schritt näher an ihren Ursprung zu führen. Schmerzhaft müssen wir immer wieder feststellen, dass das nie wieder der Fall sein wird und anstatt die Natur und die Tiere nun endlich zu schätzen und zu ehren, machen wir einfach immer weiter wie zuvor, bis wir irgendwann alles ausgerottet haben. Die Folgen davon, werden auch den Menschen zum Erliegen bringen. Der australische Regisseur Daniel Nettheim, der sich vorher als Serienregisseur durch die Welt schlug, nahm sich mit seinem Debütfilm ‚The Hunter‘ einer der für ausgestorben geglaubten Tierarten an: dem tasmanischen Tiger.

Der Jäger und Söldner Martin David wird von einem europäischen Biotech-Unternehmen nach Tasmanien geschickt. Er soll dort den letzten tasmanischen Teufel erlegen und Proben für die Untersuchung sammeln. In Tasmanien angekommen, lernt er jedoch eine kleine zerrüttete Familie ohne Vater kennen und wird vom eiskalten Jäger langsam zu einer Art Halt in der schweren Zeit für die Kinder. Doch Martin darf seinen Auftrag nicht aus den Augen lassen und stößt bei seiner Suche in den dichten Wäldern auf einige schwere Wahrheiten…

‚The Hunter‘ kann mit einigen beeindruckenden Landschaftsaufnahmen der wilden, unberührten tasmanischen Natur glänzen, die einen so manches Mal ins schwelgen kommen lassen. Robert Humphreys Kameraarbeit überzeugt durchgehend und mit einigen starken Kamerafahrten kann er eine tolle Einstellung an die andere reihen. Doch nicht nur die Naturaufnahmen sind ein Highlight, auch die Bilder in der Zeit zwischen den Jagden können mit ihrem dunklen Schimmer und der klaren Aufmachung eines hermachen. Der ruhige Score passt sich genau der Stimmung des Films an und unterstreicht die Szenen eigentlich immer passend und nie aufdringlich. Die draus resultierende Atmosphäre kann sich durchaus als dicht und stimmig bezeichnen lassen und den Zuschauer in ihren besten Momenten voll und ganz fesseln.

Mit Willem Dafoe als Hauptakteur Martin David hat Daniel Nettheim einen der interessantesten Schauspieler unserer Zeit für seinen Film gefunden. Dafoe als Jäger Martin, der sich langsam öffnet und für die Menschen da ist, kann eine gute Leistung abrufen und kommt ohne jede große Gestik aus, sondern setzt auf seine unverwechselbare Mimik und gibt seinem Charakter so die nötige und vordergründige Tiefe. Dafoe ist der klare Hauptdarsteller und neben ihm gibt es niemanden, der annähernd so viel Screentime geschenkt bekommt. Sam Neill als zwiespältiger Jack Mindy bekommt nur wenige Szenen zugesprochen, kann aber durchaus seine soliden Momente ausfüllen und verschwindet dann wieder im Hintergrund. Genau wie Frances O’Connor als Mutter Lucy, die ebenfalls kaum Raum geschenkt bekommt um sich wirklich zu entfalten, aber sich nicht blamiert oder fehlbesetzt wirkt.

Mit Martin David als Dreh und Angelpunkt der Geschichte, wird Nettheim die Action-Junkies unter uns sicher enttäuschen, denn hier gibt es keine knallharte Hetzjagd durch den Dschungel mit Trommelfeuer, Blut und Gnadenlosigkeit an jeder Ecke. Nettheim nimmt sich auf ruhige Art und Weise dem sich entwickelnden Martin an. Er wird nach Tasmanien geschickt, einer Insel, gut 250 Kilometer vom Festland Australiens entfernt, um die seltenste und wertvollste Kreatur auf dem Erdball zu finden und zu töten: dem tasmanischen Tiger, nicht zu verwechseln mit dem tasmanischen Teufel, der uns aus Kindertagen aus der Zeichentrickserie Looney Toons noch bestens bekannt sein sollte. Ein Geschöpf, vom dem die Menschheit denkt, es wäre längst ausgestorben und in den 30er Jahren zum letzten Mal wirklich erblickt worden ist. Für Blut, Haar und Hautproben, genau wie für die Organe soll er dem einsamen Tier das Leben nehmen, um der geheimnisvollen Organisation, für die Martin arbeitet, neues Geld in die Kassen zu spülen. In Tasmanien kommt jedoch alles etwas anders. Er lernt zwei Kinder kennen, baut eine Beziehung zu ihnen auf und lernt auch die Mutter kennen, die seit einem Jahr auf die Rückkehr von ihrem Mann aus den Wäldern wartet. Der wortkarge und strickte Auftragsjäger zeigt immer mehr Gefühle und handelt nicht mehr nur noch für das Geld, sondern auch für die Familie, in dem er versucht ihre Probleme irgendwie zu lösen. Und hier liegt der größte Kritikpunkt der Geschichte.

‚The Hunter‘ lässt seine eigentlich fesselnde und spannende Thematik viel zu oft am Rande liegen. Als tiefsinniger Abenteuerfilm über einen Mann, der nach einer eigentlich ausgestorben Spezies sucht und sich und sein auferlegtes Vorhaben immer weiter hinterfragt, hätte ‚The Hunter‘ nicht nur ein packender Film werden können, sondern auch ein wichtiger Film, der die wichtigen Themen wie Umweltschutz und Arbeitsplätze kritisch durchleuchtet. Das gelingt Regisseur David Nettheim jedoch nicht. Die aktuelle Kernthematik bleibt oberflächlich und wird im besten Fall etwas angekratzt. Immer wieder wird das Blickfeld auf die Beziehung von Martin und der vaterlosen Familie gerichtet, doch die wahre Stärke liegt in der Jagd und man sehnt sich deutlich nach der Rückkehr in die Wälder um endlich zu erfahren, ob Martin den tasmanischen Tiger nun findet oder nicht. Doch im nächsten Moment sind wir schon wieder in Begleitung der Kinder und alles wird gewaltig ausgebremst. Nun ist ‚The Hunter‘ weder Fisch noch Fleisch, aber nicht schlecht. Für einen Abenteuer/Actionfilm ist er zu ruhig und zu langsam inszeniert. Für ein Charakter-Drama ist er wiederrum zu unausgefeilt und ungenau. Der Moment der Wahrheit zählt zur besten Szene des Films und schmerzt wirklich, wie Nettheim ‚The Hunter‘ dann jedoch enden lässt, ist etwas zu viel des Guten und drückt den Gesamteindruck schlussendlich in das obere Mittelfeld.

Fazit: ‚The Hunter‘ hätte so einiges bieten können, von viel Spannung bis zu bitterer Kritik an der Menschheit. Spannung ist da, zwar nicht auf einem hohen Level, aber vertreten und beschützt den Film vor der Langeweile. Die wichtige und wachrüttelnde Kritik ist leider nur im besten Fall eine Randerscheinung und wurde sträflich weggelassen. Willem Dafoe macht seine Sache gewohnt gut, die Landschaftsaufnahmen sind große Klasse, der Score fein, nur Nettheims Inszenierung hätte einfach ausgegorener und direkter sein müssen. So bleibt ein Film, der zwar in Ordnung ist, aber enttäuschend hinter seinen Möglichkeiten liegt.

Bewertung: 5/10 Sternen