"The Ides of March" (USA 2011) Kritik – Die eiskalten Schattenseiten der Politik

„Mir ist Vertrauen wichtiger als Können. Und dir vertraue ich eben nicht mehr.“

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Die Politik ist ein gefühlloses Unterfangen voller Korruption, Gier und Verrat. Polit-Thriller, die diese Bereiche beleuchten, gibt es zu Genüge. Immer wieder hochkarätig besetzt und gleichermaßen mitreißend kommen sie jedes Jahr aufs Neue in die Kinos. Der jüngste Genre-Vertreter ‚The Ides of March‘ von Hollywood-Superstar George Clooney lässt sich genau in diese erwähnte Sparte drücken. Durchgehend packend, hervorragend besetzt, aber etwas neues bietet der Film Storytechnisch trotzdem nicht.

An erster Stelle kann ‚The Ides of March‘ durch seine stimmigen Bilder überzeugen. Kühl, elegant und teilweise düster. Kameramann Papamichael leistet ganze Arbeit und kann mit starken Einstellungen der gnadenlosen Politwelt auftrumpfen. Auch der glanzvolle Score, komponiert von Desplat, untermalt den Film mit passender Kraft und dem nötigen Gefühl. Das erzeugt eine dichte Atmosphäre die den Zuschauer immer wieder anketten kann.

Vor allem begeistern kann ‚The Ides of March‘ aber durch seinen hervorragend gewählten Cast. George Clooney als Gouverneur Mike Morris verkörpert zwar eine wichtige Figur, ist selbst aber nur eine Nebenrolle, die er aber natürlich mit der gewohnten Präsenz meistert. Das Hauptaugenmerk liegt vollkommen auf Ryan Gosling. Gosling gibt den Morris Unterstützer Stephen Meyers, der die wahre Welt der Politik entdeckt und ein Teil von ihr wird/werden muss. Gosling beweist wieder sein grandioses Können und das er längst den Talent-Status abgelegt hat. Er ist ein fantastischer Charakterdarsteller, da gibt es nichts dran zu rütteln. Mit Facettenreichtum und Ausdrucksstärke trumpft er wieder ganz groß auf. Die weiteren Nebendarsteller sind nicht minder stark besetzt. Mit Darstellern wie Paul Gimatti als zwielichtiger Tom Duffy und Philip Seymour Hoffman als Wahlkampfleiter Paul ist der Film in seinen kleineren Rollen ebenfalls brillant bestückt. Auch Evan Rachel Wood als verführerische Praktikantin zeigt eine gute Leistung.

Dass die Politiker alle Verbrecher sind wissen wir schon lang. Leere Versprechen sind der Standard der dazu dient Stimmen zu sammeln. Das Blaue vom Himmel wird erzählt um Anhänger zu gewinnen. Veränderungen werden versprochen, ein neuer Aufschwung soll das Land durchziehen. Und am Ende? Am Ende ändert sich gar nichts. Nicht zum besseren und oft sogar noch zum schlechteren. Mit ‚The Ides of March‘ entführt uns George Clooney, der sich als Regisseur schon längst bewiesen hat, in die Welt dieser falschen Menschen und entblättert die funkelnden Fassaden Stück für Stück.

Mit Stephen Meyers kriegen wir einen charismatischen und sympathischen Charakter vorgestellt. Ein Kämpfer der noch an das Gute glaubt und sich für Morris voller Enthusiasmus und Ehrgeiz einsetzt. Sein guter Wille macht ihn in gewisse Situationen blind und sein Engagement lockt ihn in eine Falle. Ganz zu schweigen von der Affäre mit der 20 jährigen Praktikantin. Ein Skandal könnte sich anbahnen, der sowohl die Wahl von Morris‘ und seine eigene Karriere zerstören würde. Meyers muss sich seiner dreckigen Umwelt anpassen. Seine guten Vorsätze und seine eigenen Versprechen brechen. Denn ohne dieses handeln geht er in diese Welt schnell unter und wird den Raubtieren als Fraß vorgeworfen. Er erlebt eine Welt in der es kein Vertrauen gibt, jeder tut sein Möglichstes um den anderen schnell aus der Bahn zu werfen. Alle denken an sich. Einzig Macht und Ruhm zählen. Eine Welt in der nur der Sieg zählt und Werte und Normen völlig nebensächlich sind. Eine Welt, so erscheint sie für Meyers, die längst verloren und begraben ist. Meyers muss kämpfen, immer mit dem Angst dass eine Skandal-Bombe platzen kann, und sich immer verbitterter durch diese Welt schlagen, ohne jegliche Rücksicht auf andere. Die Menschen denen er eigentlich vertrauen schenken konnte, entpuppen sich zu Gauklern die nur möglichst schnell den nächsten Karrieresprung erleben wollen. Meyers wird nach und nach mit mehr Wahrheiten konfrontiert als es ihm Recht ist und plötzlich spielt auch der Tod eine Rolle in seinem Leben.

‚The Ides of March‘ kann über die gut 100-minütige Laufzeit fesseln. Die Inszenierung ist temporeich und zu keinem Zeitpunkt langweilig oder gar langatmig. Clooney erzählt seine Geschichte konsequent und immer auf den Punkt, wobei er an gewissen Stellen einen leichten Hang zum Übertreiben hat. Das fällt aber weniger ins Gewicht. Was den Film dann eben doch nicht zum Meisterwerk macht ist, dass er einfach nichts Neues bietet. Das soll heißen, er stellt das System zwar zynisch und bitterböse in Frage und rechnet ordentlich damit ab, gesehen haben wir das aber schon oft und vor allem haben wir das auch schon besser und vielschichtiger gesehen. Das klingt jetzt härter als es eigentlich ist, aber zum modernen Klassiker wird es nicht reichen. Nichtsdestotrotz punktet der Film durch sein geradliniges Auftreten und braucht nicht lange um auf Hochtouren zu laufen.

Fazit: ‚The Ides of March‘ ist tolles und intelligentes Unterhaltungskino. Nicht zu verworren und nicht zu locker. Was dem Film an Ideenreichtum oder Innovation fehlt, bügelt er durch seine extrem spannende Inszenierung wieder aus. Dazu die fantastischen Darsteller, die dichte Atmosphäre und die visuelle Klasse, welche den Film locker über jeden Genre-Durchschnitt heben und mehr als nur sehenswert machen. Die perfekte Abendunterhaltung für jeden, der gerne einen Blick in die falsche Welt der Politik werfen will.

Bewertung: 8/10 Sternen