"The Last Stand" (USA 2013) Kritik – Der kolossale Arm des Gesetzes

Autor: Stefan Geisler

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„I’m the Sheriff.“

Arnold Schwarzenegger ist endgültig zurück im Showgeschäft. Nachdem der Ur-Terminator der Filmwelt einige Jahre den Rücken gekehrt hatte, nur vereinzelt mal einen Leinwand-Quickie („The Expendables“) einlegte und lediglich als Gouvernator Oppositionellen das Fürchten lehrte, ist er nun in „The Last Stand“ erstmals wieder in einer Hauptrolle zu sehen. Das sollte Freunde gepflegter Action-Unterhaltung gleich doppelt aufhorchen lassen, denn „The Last Stand“ ist nicht nur Arnolds Leinwand-Comeback, sondern gleichzeitig auch Kim Jee-Woons Hollywood-Einstand. Der koreanische Regisseur machte bereits mit Genre-Perlen wie dem radikalen Rache-Epos „I Saw the Devil“ und der Western-Hommage „The Good, the Bad and the Weird“ von sich reden. Was kommt dabei heraus, wenn die Action-Ikone der achtziger Jahre auf einen der vielversprechendsten Genre-Regisseure der Gegenwart trifft? Antwort: Ein makellos in Szene gesetzter Oldschool-Actioner mit Western-Einschlag, der zwar einige Zeit braucht um in Fahrt zu kommen, es dann aber umso heftiger krachen lässt.

Friedlich ist das Leben von Sheriff Ray Owens (Arnold Schwarzenegger), der in dem kleinen verschlafenen Kaff Summerton, das an der Grenze zu Mexiko liegt, für Recht und Ordnung sorgt. Doch als im nahegelegenen Las Vegas dem hochgefährlichen Kartellboss Gabriel Cortez (Eduardo Noriega) eine spektakuläre Flucht gelingt, überschlagen sich die Ereignisse. Denn Cortez plant, sich nach Mexiko abzusetzen und der schnellste Weg führt genau durch die Stadt Summerton. Natürlich kann Sheriff Ray Owens das nicht zulassen und so bereitet er sich gemeinsam mit seinen Deputies auf das bevorstehende Aufeinandertreffen mit dem skrupellosen Gangsterboss vor.

Schwarzenegger ist alt geworden und das sieht man auch. Zwar ist der einstige Mister Universum in Anbetracht seines fortgeschrittenen Alters noch immer in einer äußerst beeindruckenden körperlichen Verfassung, dennoch hängt die Haut an einigen Stellen inzwischen äußerst schlaff gen Erdboden, tiefe Falten durchziehen das markante Gesicht und auch die Geheimratsecken wachsen mit zunehmender Geschwindigkeit. Doch statt den Zeichen der Zeit mit ordentlich Make-Up entgegenzuwirken, lässt Regisseur Kim Jee-Woon Schwarzenegger in „The Last Stand“ im wahrsten Sinne des Wortes „alt aussehen“. Wie schon „The Expendables 2“ ist auch „The Last Stand“ selbstironisches Altmänner-Actionkino, dass geschickt die Alterserscheinungen seines Protagonisten als Steilvorlage für einige großartige One-Liner nutzt. Wenn der vollkommen zerschundene Schwarzenegger nach einem explosiven Feuergefecht von besorgten Stadtbewohnern gefragt wird: „How are you sheriff?“ und dieser nur trocken, mit einem leichten Hauch von Wehmut „Old“ antwortet, dann lacht und weint das Action-Herz gleichzeitig.

Kim Jee-Woon inszeniert „The Last Stand“ ganz im Stile klassischer Howard-Hawks-Western à la „Rio Bravo“. Ein alter Sheriff, der seine besten Tage bereits hinter sich hat, muss sein verschlafenes Städtchen gegen fiese Gangsterhorden verteidigen. Natürlich muss sich Arnie in „The Last Stand“ nicht ganz alleine mit dem fiesen Gesindel herumschlagen, sondern kriegt einige schussstarke Gefährten an die Seite gestellt. Zwar erweisen sich diese letztlich doch eher als leere Schießbudenfiguren, sind aber dennoch immer wieder für einen Lacher gut. Insbesondere Johnny Knoxvilles („Jackass“) Figur des vertrottelten Waffennarren hinterlässt zwar große Fragezeichen, bringt aber einen angenehmen Hauch Irrsinn in diesen fast klassischen Actioner und lässt sogar noch Erinnerungen an Kim Jee-Woons Western-Hommage „The Good, the Bad and the Weird“ wach werden.

Leider fährt „The Last Stand“ die erste Hälfte des Films lediglich mit angezogener Handbremse dem spektakulären Showdown entgegen. Unnötig wird die Geschichte um den spektakulären Fluchtversuch des berüchtigten mexikanischen Drogenbarons in die Länge gezogen, insbesondere die Szenen in der FBI-Zentrale erweisen sich als überflüssiger Ballast, der immer wieder das Tempo des sonst recht flotten Films drückt. Ob sich Regisseur Kim Jee-Won mit dieser schwerfälligen Exposition wirklich einen Gefallen getan hat, bleibt zu bezweifeln, zumal allein der Titel „The Last Stand“ bereits verrät, worauf die wilde Hatz durch die Wüste letztendlich hinauslaufen wird.

Kommt es dann aber endlich zum Showdown, wird man für die anfänglichen Längen ausreichend entschädigt. Brachiale Shootouts, coole One-Liner und eine Gatling-Gun in bester Django-Manier sorgen für rasante Action-Unterhaltung. Auch das abschließende Kräftemessen zwischen Drogenbaron Gabriel Cortez (Eduardo Noriega) und Sheriff Ray Owens (Arnold Schwarzenegger) gestaltet sich als kurzweiliges Spektakel. Wer schon immer mal wissen wollte, wie man sich mit einem Auto in einem Maisfeld an seinen Gegner heranschleicht und wie sich Schwarzenegger beim Brücken-Wrestling schlägt, sollte sich „The Last Stand“ auf keinen Fall entgehen lassen.

Fazit: „I‘ll be back“… und wir haben nie daran gezweifelt. Endlich ist Schwarzenegger zurück und macht das, was er am besten kann: Gangstern in den Arsch treten. Auch wenn „The Last Stand“ hin und wieder etwas durchhängt und alle Figuren erschreckend austauschbar bleiben, bietet der spaßige Neo-Western dennoch gelungene Action-Unterhaltung der alten Schule.