"The Lego Movie" (USA, AU, DNK) Kritik – Hier können Zuschauer Bauklötze staunen

Autor: Stefan Geisler

null

„I know what you’re thinking: he’s the least qualified person to lead us…and you’re right!“

Bereits vor Jahren hatten ambitionierte Hobbyfilmer das enorme Film-Potenzial der bunten Plastikteilchen erkannt. Kreative Köpfe konnten sich hier so richtig austoben, denn der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Bild für Bild entstanden so kleine Kunstwerke, die in den Weiten des Internets auf reichlich Gegenliebe stießen. Auch beim Lego-Konzern blieb die ansteigende Begeisterung für die bunten Bauklötzchen im multimedialen Bereich nicht unbeachtet und so begann man ab 2003 damit, LEGO-Filme für den Heimkino-Markt zu produzieren. Doch Bionicle und Star Wars waren irgendwann nicht mehr genug und so erweitere man das Angebot um Fernsehserien und Konsolenspiele. 2014 folgt nun der nächste große Schritt im Lego-Universum, denn mit „The Lego Movie“ haben es die Bauklötze unter der Regie der „21 Jump Street“-Regisseure Phil Lord und Chris Miller sogar auf die große Leinwand geschafft. Glücklicherweise ist „The Lego Movie“ kein seelenloser Werbefilm geworden, sondern ein familienfreundlicher Quell fantastischer Absonderlichkeiten, der besonders Filmnerds von der ersten Sekunde an ein breites Lächeln aufs Gesicht zaubern dürfte.

Bauarbeiter Emmet (Chris Pratt) ist ein Lego-Männchen ohne besondere Charaktereigenschaften. Emmet liebt die gleichen Songs, liest die gleichen Bücher und schaut die gleichen TV-Sendungen wie alle anderen Bewohner der Stadt auch. Der liebenswerte Lego-Arbeiter ist sogar so gewöhnlich, dass er hin und wieder von seinen Kollegen einfach übersehen wird. Doch das ändert sich, als Emmet auf die verführerische Kampfamazone Wyldstyle (Elizabeth Banks) trifft und ihm der „Stein des Widerstands“ in die Hände fällt. Plötzlich ist Normalo Emmet Anführer einer ungewöhnlichen Widerstandstruppe, die die teuflischen Machenschaften des hinterhältigen Präsidenten Lord Business (Will Ferrell) durchkreuzen will. Ein Kampf um das Schicksal des Lego-Universums beginnt…

Gleich zu Beginn des Films tönt dem Zuschauer lautstark die Hymne des Lego-Films entgegen: „Everything is awesome“ wird hier von den Popsängerinnen „Tegan & Sara“ und der amerikanischen Comedy-Truppe „The Lonely Island“ verkündet. Große Versprechungen verpackt in den vielleicht eindringlichsten Pop-Song der Kinosaison 2014. Erstaunlicherweise haben die kreativen Köpfe des Baustein-Animationsfilms mit diesem Ohrwurm aber nicht zu viel versprochen, denn in „The Lego Movie“ ist tatsächlich fast alles „awesome“. Wo, wenn nicht in einem Lego-Spielfilm, können Zauberer auf Cowboys treffen, Ninja Turtles mit Superhelden gemeinsame Sache machen, Batman wilde Partys mit der Besatzung des Millennium Falcons schmeißen und Roboter sich im Zweikampf mit Piraten messen?

Doch „The Lego Movie“ hat mehr zu bieten, als nur einen Haufen ausgeflippter Charaktere, denn die Drehbuchschreiber/Regisseure Lord und Miller stacheln in ihrem Film auch gewaltig gegen einfallslose Mainstream-Unterhaltung und profitgierige Wirtschaftsgiganten. Sendungen wie „Honey, where are my pants?“ oder den bereits erwähnten Ohrwurm „Everything is awesome“ persiflieren wunderbar die vorherrschenden Mechanismen in unserer ideen- und bedeutungsleeren Unterhaltungsindustrie. Denn wenn lieber bereits bewährte Konzepte wieder und wieder recycelt werden, anstatt neue Risiken einzugehen, ist man über kurz oder lang zum absoluten Stillstand verdammt.

Insofern lässt sich „The Lego Movie“ eigentlich auch wunderbar als Aufruf verstehen, endlich der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen, das Kind in sich wieder zum Leben zu erwecken und bestehende Regeln und Grenzen zu sprengen. Und womit geht das am besten? Natürlich mit den allseits beliebten Lego-Steinen. Genau hier liegt auch das große Problem des Lego-Films, denn irgendwie mutet es doch recht widersprüchlich an, einerseits gegen gewinnorientierte Großkonzerne zu wettern und andererseits schamlos für die gesamte Lego-Produktpalette zu werben. Denn dass der dänische Bauklotzhersteller Lego nach diesem knallbunten Kinospektakel ein Umsatzhoch verbuchen dürfte, steht wohl außer Frage. Zumindest in diesem Punkt hätte man die Aussage gerne noch ein wenig universeller gestalten dürfen. Nichtsdestotrotz ist Phil Lord und Chris Miller „The Lego Movie“ wohl einer der kreativsten Filme des diesjährigen Kinojahres und bietet damit eine wohltuende Abwechslung zum allgemeinen Se- und Prequelbrei aus Hollywood. Ein Umstand, der sich aber spätestens mit dem für 2017 beschlossenen zweiten Lego-Film ändern wird…

Fazit: Mit „The Lego Movie“ haben Phil Lord und Chris Miller einen überdrehten Familienfilm erschaffen, bei dem man sich am Ende fragen muss, welche Altersgruppe denn jetzt eigentlich mehr Spaß an dem bunten Treiben hatte. Während sich die Älteren an dem absurden Witz, der Vielzahl popkultureller Referenzen und den spritzigen Dialogen erfreuen dürfen, werden jüngere Zuschauer besonders während der rasanten Actionszenen auf ihre Kosten kommen.