"The Mechanic" (USA 2011) Kritik – Ben Foster geht in die Lehre bei Jason Statham

Autor: Pascal Reis

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„Good judgment comes from experience and a lot of that comes from bad judgment.“

„Töte nie jemanden, wenn Du ein Motiv hast“, erklärt Arthur Bishop (Jason Statham) seinem Gesellen und Schützling Steve McKenna (Ben Foster). Ein echter Profikiller, oder, noch verwegener ausgedrückt, ein echter Mechanic, funktioniert nur dann, wenn er sein Handwerk losgelöst von jedem emotionalen Strang ausführen kann. Ja, diese Branche entledigt sich ihrer Menschlichkeit von vornherein, gewissenhafte Instanzen scheinen nur hemmender Ballast, jedenfalls ist das auf dem Papier so gelagert. Dieser „The Mechanic“ von 2011, entstanden unter der Regie von Simon West, ein relativ freies Remake des Charles-Bronson-Klassikers „Kalter Hauch“, aber geht einen irritierenden Weg, um sein pedantisch zur Tat schreitendes Hauptgespann in ihrer Berufung zu moralisieren. Anstatt auf beißenden Nihilismus zu plädieren, wie Michael Winner es 1972 tat, bügeln die Drehbuchautoren Lewis John Carlino und Richard Wenk das gesamte Sujet mit dem Bulldozer platt, um einem Taschentrick in der Gewaltlegitimation zu folgen: Es sind prinzipiell immer echte Drecksäcke, die Bishop und McKenna vor die Büchse stolpern.

Ohnehin reicht der modernisierte Blick des Films auf seine beide Akteure immer nur soweit, wie abtörnende Sympathieflächen erbaut werden können, nie aber wird Bishop oder McKenna die Möglichkeit verliehen, aus ihren sturen Charaktermodellen auszubrechen und darüber hinaus zu fungieren. Arthur Bishop ist ein Meister in seinem Fach, Aufträge erledigt er ohne Komplikationen, unsichtbar, antizipierend und im höchsten Maße effektiv. Dass sich hinter der eiskalten Killermaske aber auch ein einsamer Mensch verbirgt, der sich gerne in sein stilvolles Haus in den Sümpfen von Louisiana zurückzieht, klassische Musik auf Vinyl konsumiert und in Gedanken versunken am Rotweinglas nippt, bringt nicht nur den despektierlichen Effekt mit sich, dass Bishop zum albernen Klischeeknäuel heranwächst, sondern auch, dass einem Schauspieler wie Jason Statham diese Klischees überhaupt nicht zu Gesicht stehen. Ein muskulöser Pitbull, der sich in seiner Freizeit von den melancholischen Klängen Franz Schubert berieseln lässt, damit auch der letzte debile Zuschauer versteht, dass dieser Job nicht nur von trampelnden Kulturverächtern praktiziert wird.

Ben Foster ist selbstverständlich aus einem anderen schauspielerischen Holz geschnitzt und verleiht seinem Steve McKenna immerhin partiell Profil, wenn er ihn als herrenlosen Köter einfängt, der um das Grab seines Vaters streunt und nach Rache giert, um seinem alten Herrn endlich den Respekt abzuverlangen (respektive sich diesen einzureden), den er von ihm zu Lebzeiten nie einfordern konnte. Dass er damit irgendwann auch ein Motiv zum Töten besitzt, stellt die Weichen für sein Schicksal relativ deutlich und all die auf menschliche Impulse bedachten Zwischenstellen wirken in ihrer Repetition wie ein Parodie auf das garstige Original – Oder eine heftig unterdrückte Schwulensaga, die aufgrund des mainstreamigen Usus einfach nicht entfesselt werden kann und darf. Deswegen ist McKennas erstes Opfer auf direkt mal ein Schwuler, mit dem er sich durch das ganze Appartement kloppt, bis beide blutverschmiert und keuchend übereinander hängen. Bronzierte Einstellungen ästhetisierten die peinlichen Kleine-Jungs-Posen zunehmend, während selbige sich vor der Mattscheibe in ihrem Gebaren ob der breitbeinigen Attitüde maßlos bestätigt fühlen dürfen. Glückwunsch.