"The Mission" (GB 1986) Kritik – Robert De Niro und Jeremy Irons im Kampf um die Menschenwürde

„Keine Buße ist hart genug für mich.“

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Der britische Regisseur Richard Joffé mit französischen Wurzeln, zählt zu den unkonventionellen Filmemachern, die dem breiten Publikum eigentlich kein Begriff sein sollte. Das liegt an seiner Art Filme zu inszenieren, denn mit Werken wie dem Anti-Kriegsfilm „The Killing Fields“, dem Polit-Thriller „Der Schattenmacher“ und der Romanverfilmung „Der scharlochrote Buchstabe“, hat sich Joffé nie in den Vordergrund gedrängt und sich zum Publikumsmagneten gemausert, dafür aber die Kritiker mit seinen ganz eigenen Inszenierung zufriedengestellt. Sein großes Jahr als Regisseur hatte Joffé jedoch im Jahre 1986, als er seinen Film „Mission“ herausbrachte. Es regnete Nominierungen für große internationale Filmpreise, darunter gleich 7 Stück für den Oscar, 5 für den Golden Globe und 11 für den British Academy Film Award (BAFTA). Am Ende konnte „The Mission“ zwar nicht in allen Kategorien abräumen und es gab immerhin 1 Oscar, für die Beste Kamera, 3 Golden Globes und 3 BAFTA-Awards. Viel wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass der Film auch vollkommen verdient die goldene Palme von Cannes entgegennehmen durfte, denn wie wir heute wissen, hat die Palme inzwischen einen viel höheren Stand in Sachen Qualität und Ansehen in der Filmwelt.

Als Thema fasst sich „The Mission“ einen historischen Hintergrund, den man in Filme so noch nicht in dieser Behandlung zu sehen bekommen hat: Es geht um die Indios im gespaltenen Südamerika, die durch die Missionierung von Jesuiten aus der Sklaverei entzogen werden können und die Menschenrechte aufrecht erhalten, die durch die spanischen und portugiesischen Kolonialherren zerstört werden. Wir finden uns im Jahre 1750 wieder und treffen auf das indianische Volk der Guarani, die in der Nähe der mächtigen Iguaçu-Wasserfälle leben. Die Grenzen sind durch den Vertrag von Madrid zwischen Brasilien, kolonisiert durch die Portugiesen, und den Kolonien der Spanier in Südamerika neu bestimmt worden und die Expeditionsgruppen der Bandeirantes versklaven die hilflosen Guarani. Da kommt der Sklavenhändler und Kopfgeldjäger Rodrigo Mendoza ins Spiel, der bei einer Auseinandersetzung seinen Bruder umbringt und sich Reumütig einer Jesuiten-Mission anschließt, um die Indios vor den menschenunwürdigen Umständen zu bewahren, denn wenn sie sich den Jesuiten anschließen und dem christlichen Glauben annehmen, haben sie die gleichen Rechte wie ein richtiger Bürger. Die Kolonialmächte sind damit natürlich nicht einverstanden und versuchen die Mission zu zerstören. Zusammen mit dem Leiter der Mission, Pater Gabriel und Fielding, beginnt Rodrigo Mendoza einen Kampf um Recht und Menschenwürde, mitten in der tiefsten, unberührten Natur…

„The Mission“ kann mit derart brillanten Naturaufnahmen auffahren, die wirklich die Sprache verschlagen und in die gleichen Sphären wie „Fitzcarraldo“ oder „Apocalypse Now“ eintauchen. Kameramann Chris Menges hat seinen Oscar mehr als nur verdient und sein Übergang wäre ein Verbrechen gewesen, denn die Fotografien der unbeschreiblich mächtigen Iguaçu-Wasserfälle ziehen einen sofort in ihren unendlichen Schönheitsbann. Einfach nur atemberaubend, wie überwältigend die Natur auf einen einschlagen kann, selbst „nur“ durch Kameraaufnahmen. Menges versteht es dabei, die Kunst des Raumes auszunutzen und die weiten Einstellungen vollkommen auszunutzen und den Zuschauer in diese Welt hineinzuziehen. Dazu gibt es noch die musikalische Untermalung vom Meister persönlich: Ennio Morricone. Der italienische Komponist kann ja gar keine schlechte Musik abliefern, dementsprechend fantastisch ist seine Komposition auch in „The Mission“, die sich dieser Zeit genau anpasst und die Atmosphäre grandios unterstreicht. Besetzt ist der Film ebenfalls mit einigen Schauspielgrößen. An erster Stelle Robert De Niro, der Mendoza gibt, einen Kopfgeldjäger, der zum Priester wird. De Niro ist wie immer fantastisch und füllt die Facetten seines überaus interessanten Charakters stark aus. Noch besser ist jedoch Jeremy Irons als standhafter wie intelligenten Pater Gabriel, der unabdingbar an seinen Glauben festhält und dabei auch extrem sympathisch aufspielt, ohne aber seine klare Seriosität zu verlieren. Dazu gibt es noch Liam Neeson, Ray McAnally und Aidan Quinn in kleineren Nebenrollen, die zwar nicht viele Räume geschenkt bekommen, aber auch nicht gänzlich aus den Augen verloren werden.

„Als ich ein Mann wurde, legte ich ab was Kind an mir war.“

In „The Mission“ machen wir uns auf den Weg, tief in das Herz der südamerikanischen Natur, umklammert von den traumhaften Iguaçu-Wasserfälle, erdrückt von der peitschenden Luftfeuchtigkeit, immer weiter in die Seele der erhofften Veränderung. Der kaltblütige Mendoza findet seinen inneren Frieden und Pater Gabriel muss mit ansehen, wie dieser Frieden durch die Missgunst und Menschenunwürdigkeit der Kolonialmächte wieder aus ihm getrieben wird. Ein Mensch, der die Ketten um sein Inneres zerbrochen hat und den Sinn in seinem Leben durch die Jesuiten gefunden hat, wird in sein neues, unausweichliches Verderben geschickt, doch dieses Mal nicht sinnlos. Was man lobend erwähnen muss ist, das Joffés Inszenierung, trotz der theologischen Basis, den Zuschauer zu keiner Sekunde bekehren will, sondern nur informieren und die Missstände verdeutlichen. „The Mission“ ist ein Fiebertraum mit Sogwirkung, der jeden in sich zieht und den Zuschauer, genau wie die Protagonisten, zum Kämpfen zwingt, denn leicht und umgänglich ist der Film mit Sicherheit nicht. Hier treffen Licht und Dunkelheit aufeinander, verbinden sich in den schwierigsten Stunden und verlangen nach ewiger Erlösung. Sühne und Buße werden verdeckt von Unterdrückung und Sklaverei. Menschen, die endlich etwas bewegen wollen und anderen Menschen eine Zukunft schenken, werden mit Hass bestraft und die Kolonialmächte wollen in ihrer ganzen Dummheit noch etwas von Autorität und Gesetzen erzählen. Die letzte Hilfe in ihrer unendlichen Ignoranz sieht man schlussendlich wieder in der Gewalt und genau diese verbreitet sich unhaltbar wie ein Virus. „The Mission“ wird so zu einem brachialen Kraftakt, der sich aus purer Schönheit, dem Glauben, authentischer Menschlichkeit und wahrer Stärke zusammensetzt.

Fazit: Eine Schande ist es, dass „The Mission“ so dermaßen unbekannt ist und immer wieder in die Nächte der dritten Programme versetzt wird, dabei bietet der Film nicht nur historisch interessante Aspekte, sondern auch fantastische Bilder, die man in ihrer ganzen Größe nicht mehr vergessen wird. Ein fiebriger, paralysierender und mitreißendes Historien-Drama über Menschen, die ihren Verstand einsetzen und mit dem Herz fungierten, um anderen Menschen zu helfen, doch dabei auf die Dummheit und Blindheit der anderen Mächte trafen, die in Indianer nur Tiere sahen und sich letztlich nur noch mit Waffen zu helfen wissen. Mit tollen Darstellern, übermannenden Naturaufnahmen, einem wunderbaren Score und Joffés brillanter Inszenierung wird „The Mission“ zu einem wichtigen Film, der jede Aufmerksamkeit verdient hat.

Bewertung: 8/10 Sternen