"The Thing" (USA 2011) Kritik – Eine misslungene Vorgeschichte

„Ich denke, dass das Ding seine Beute kopiert und sich dann darin versteckt.“

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Remakes gab es in der Filmgeschichte schon immer. Ob Alfred Hitchock mit ‚Der Mann, der zuviel wusste‘, David Cronenberg mit ‚Die Fliege‘ oder Martin Scorsese mit ‚Kap der Angst‘. Auch große Regisseure machen Remakes, aber sie machen es dazu noch verdammt gut. Natürlich lagen Remakes noch nie so im Trend, wie heutzutage und das genervte Kopfschütteln ist inzwischen gerechtfertigt, denn wie unsere Lieblinge immer wieder neuverarbeitet und zerstört werden, ist nicht mehr feierlich. Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir Carpenters ‚Das Ding aus einer anderen Welt‘, selbst ein Remake, wieder auf der großen Kinoleinwand sehen würden. Aber würden wir wirklich ein Remake von einem Remake bekommen? Teilweise. Debütant Matthijs van Heijningen Jr. will uns mit seinem ersten Film ‚The Thing‘ die Vorgeschichte zu Carpenters Klassiker erzählen, doch von Eigenständigkeit ist hier keine Spur und van Heijnigen hat nicht nur zu oft die Augen bei Carpenters Meisterwerk, sondern verliert dabei auch zunehmend den Blick für das Wesentliche und enttäuscht auf ganzer Linie.

Die Paläontologin Kate Lloyd soll mit einem norwegischen Forscherteam, die ein außerirdisches Raumschiff unter dem ewigen Eis finden konnten, die fremde Lebensform, die sie an Bord des Schiffes entdeckt haben, untersuchen. Doch die außerirdische Lebensform ist lebendiger, als es dem Team lieb ist und bricht aus seinem Eisblock aus, um nach und nach alle Mitglieder der Gruppe auseinanderzunehmen. Das Alien kann die Form des Menschen perfekt kopieren und nun noch Mensch von dem Alien zu unterscheiden, wird schier unmöglich. Jetzt besteht nicht nur die Angst vor dem Alien selbst, sondern auch die Angst vor den anderen Menschen. Wem kann man noch trauen und wer ist schon längst befallen? Ein Kampf um Leben und Tod beginnt.

Schauspieleirisch konnte man wohl von vornherein eher weniger erwarten. Doch Mary Elizabeth Winstead als Kate Llyod macht in ihrer Rolle einen gute Figur. Sie lässt sich von den Männern nicht kleinkriegen und greift ohne Probleme zum Flammenwerfen. Sicher keine Meisterleistung ihrerseits, aber wirklich akzeptabel und solide ausgefüllt. Danach wird es dann aber schon enger und wirklich erwähnenswert sind noch Joel Edgerton, der zuletzt in ‚Warrior‘ groß aufspielen konnte, als Helikopterflieger Sam Karter und Ulrich Thomsen als Dr. Sander Halvorson als rücksichtloser und bestimmender Forschungsleiter.

Zu Anfang des Films kriegen wir gleich eine starke Kameraeinstellung der Antarktis und dem ewigen Eis geliefert. Das ist auch eine der wenigen Stärke von ‚The Thing‘. Die Kameraarbeit von Michel Abramowicz ist gelungen und stellt die weißen Weiten immer gut neben die engen Räume der Forscherstation. In seinen besten Moment kann der Film so auch eine Atmosphäre erzeugen, die sich aber nicht im Ansatz mit Carpenters erschreckender Grundstimmung messen lassen kann. Der Score von Marco Beltrami kommt natürlich nicht an Ennio Morricones meisterhaften und beängstigenden Soundtrack heran, hält sich aber auch zunehmend im Hintergrund und stört nicht mit unnötigen oder deplatzierten Einsätzen. Ein unauffälliger, aber durchaus feiner Score.

John Carpenters ‚Das Ding aus einer anderen Welt‘ hat heute absoluten Klassiker und Kultstatus. Verdientermaßen, denn das ohne Computereffekte entworfene Alien ist auch heute noch absolut ekelhaft und schaurig. Dazu die undurchdringlich anspannende Atmosphäre, die den Film auf Hochtouren laufen ließ. Der symbolische und gleichermaßen kritische Charakter des Films, der ihn weitab von der Oberfläche brachte und natürlich der physische Krieg zwischen den Forschern, die niemandem mehr Vertrauen konnten. Nun kommt van Heijningen mit seinem Prequel um die Ecke. Das heißt, er will uns die Geschichte erzählen, die sich einst vor Carpenters Version abspielte. Würde van Heijningen es gelingen, den genauen Punkt zwischen widerlichem Body-Horror und zerdrückender Atmosphäre zu finden, dann wäre er schnell in Hollywood angekommen. Erweist sich sein Film jedoch als Flop und Schändung des „Originals“, dann darf er sich die in die endlose Reihe von gescheiterten Versuchen anderer Regisseure stellen und muss die fliegenden Tomaten und vernichtenden Worte ertragen. Es lief mal wieder auf den zweiten Fall hinaus, doch van Heijningen gelingt es, trotz aller Enttäuschung, den Respekt und die Würde vor dem Original nicht zu verlieren und ihm zu schaden. Wobei das den Film nun wirklich nicht mehr rettet.

‚The Thing‘ beginnt durchaus interessant. Wir sehen eine kleine Forschertruppe, die durch eine Eisdecke bricht und einen riesigen Raum samt Raumschiff unterhalb dieser Decke findet. Die folgende halbe Stunde kann sich auch sehen lassen und das erforschen der Höhle und des Aliens, das in einem Eisblock eingefroren wurde, machen Lust auf mehr. Eine Atmosphäre wird dem Film eingepflanzt und die Charaktere schaffen es, nicht zu nerven. Alles war im grünen Bereich. Bis das besagte Alien eben aus seinem Eisblock ausbricht. Die Atmosphäre wird schlagartig aus dem Film genommen. Das Alien krallt sich einen nach dem anderen und verwandelt sich abwechselnd zu einem der verschiedenen Forscher. Immer und immer und immer wieder. Das Ganze wird so uninspiriert und oberflächlich runtergeleiert, das die Langeweile schnell als klarer Sieger feststeht. Eine Bindung konnte man eh nicht zu den Figuren aufbauen, wen stört es so, wenn sie im nächsten Moment sterben. Wobei auch das immer völlig vorhersehbar inszeniert wurde. Regisseur van Heijningen kopiert quasi die Geschichte von Carpenter, stellt sie aber so löchrig und höhepunktarm dar und vergisst jegliches Erzeugen einer Atmosphäre. Denn genau das, hat doch den Unterschied ausgemacht. Die Unvorhersehbarkeit, der Schrecken vor dem Menschen, der dir am nächsten steht und diese unbändigen Anspannungen. Hier ist davon nichts zu sehen. Das Alien schnappt sich einen Menschen, verwandelt sich, der Mensch wird entstellt und der Flammenwerfe kommt zum Einsatz. Und das immer wieder im gleichen Ablauf. Und auch die Effekte sind nicht wirklich gelungen, ganz nett höchstens, aber so ekelhaft abstoßend wie bei Carpenter nicht im Ansatz. So kommt es eben dazu, dass ‚The Thing‘ ein völlig uninteressanter Sci-Fi-Horrorfilm mit Möchtegern-Splatter ist, der nur am Anfang wirklich unterhält und dann immer öder und ohne Abwechslung daherkommt.

Fazit: ‚The Thing‘ kann man schnell wieder vergessen. Die Atmosphäre wird dem Film genommen und durch langweilige Splatter oder „Ekel“-Szenen ausgetauscht, die nun wirklich niemanden schocken dürften. Die Schauspieler sind zwar ok, aber bleiben oberflächlich, genau wie van Heijningens Inszenierung, die weder durchdacht, interessant oder spannend ist. Die Bilder und der Score wissen durchaus zu überzeugen und auch der Anfang des Films macht Lust auf mehr. Das reicht noch aber lange nicht. Ein schlechter und enttäuschender Film.