"The Untouchables" (USA 1987) Kritik – Im Kampf gegen Al Capone

„Diese Stadt stinkt wie ein Bordell bei Ebbe!“

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Brian De Palma hat sich in seiner Laufbahn dreimal der Mafia angenommen. Das Ergebnis davon: drei der besten Mafiafilme überhaupt. Seine Unangefochtene Nummer Eins ist und bleibt der legendäre ‚Scarface‘ mit Al Pacino aus dem Jahr 1983. Aber auch ‚Carlito’s Way‘, der gerne als „melancholischer Scarface“ bezeichnet wird, ebenfalls mit Al Pacino, ist ein starker Vertreter des Genres und machte es uns allen klar, dass De Palma dieses Genre verstand und aufdecken konnte. Der dritte Film ist der Thriller ‚The Untouchables‘ aus dem Jahre 1987, den er allerdings nicht aus der Sicht der Gangster erzählte, sondern um die Polizisten, die den echten Mafiaboss Al Capone schnappen wollten. Brian De Palma beherrschte sein Handwerk, ‚Die Verdammten des Krieges‘ und ‚Mission: Impossible‘, sind die besten Genreübergreifenden Beispiele dafür. ‚The Untouchables‘ zählt zu den großen De Palma-Filmen, wie zu den großen Cop vs. Gangster-Filmen der Filmgeschichte, die niemals ihren einmaligen Glanz verlieren werden.

Der Genuss von Alkohol ist auf Grund der Prohibition untersagt, doch der Alkoholschmuggel ist in vollen Zügen und unterwandert die Stadt Chicago immer schwerer. Vor allem der mächtige Mafiaboss Al Capone hat überall seine Hände im Spiel. Eliot Ness wird in das Schatzamt berufen und soll diesem dreckigen Schmuggel endlich ein Ende setzen. Zu Anfang blamiert er sich noch, als sich dann eine ausgewählte Truppe zusammengetan hat, wird der Kampf dem Verbrechen erneut angesagt und erste Erfolge zeigen sich. Die Gangster bleiben jedoch nicht ruhig und schlagen zurück…

1983 fing De Palma mit ‚Scarface‘ das Feeling der 80er Jahre genial ein und versprühte einen Retro-Charme, den man so nicht nachahmen oder imitieren kann, denn diese Perfektion ist wirklich einmalig und jeder Versuch würde scheitern. In ‚The Untouchables‘ geht es zurück in das 30er Jahre Chicago und De Palma schaffte es mal wieder, eine Zeit genau einzufangen und das Flair dieser Jahre detailliert und authentisch einzufangen. Die Kostüme und die Kulissen. Alles ist grandios ausgewählt und aufgemacht. Kameramann Stephen H. Burum leistete fantastische Arbeit und hält den Film in grandiosen Aufnahmen fest, die einige der berühmtesten Einstellungen der Filmgeschichte lieferten. Ennio Morricones Score ist wie immer über jeden Zweifel erhaben und untermalt die tolle Atmosphäre auf den Punkt.

Besetzt ist ‚The Untouchables‘ in so gut wie jeder Rolle vollkommen hochkarätig. Angefangen mit Kevin Costner als Eliot Ness, der hier eine seiner besten Rollen hat und voll und ganz aufblühen kann. Für Sean Connery als Jim Malone gilt das Gleiche und Connery konnte hier endlich seinen lang überfälligen Oscar verdient entgegennehmen. Andy Garcia als Meisterschütze George Stone ist ebenfalls blendend besetzt,genau wie Charles Martin Smith als Oscar Wallace. Auf der Seite der Bösewichter sieht es ebenso erstklassig aus. Das ganz besondere Highlight ist natürlich Robert De Niro als berühmt berüchtigter Al Capone und wer hätte besser in die Rolle des kaltblütigen Mafiabosses gepasst als De Niro. Hervorragend wie immer in diesen Jahren. Auch Billy Drago als schmieriger Frank Nitti ist super ausgewählt und rundet den tollen Cast exzellent ab.

Nochmal zur Erklärung: unter Prohibition versteht man das Verbot von bestimmten Drogen, zum Beipiel Alkohol, und es ist daraufhin untersagt, in den Genuss von Alkohol zu kommen, oder mit ihnm zu handeln. Mit ‚The Untouchables‘ kehren wir zurück in diese Zeit der Prohibition, die in den vereinigten Staaten von 1919 bis 1933 jeglichen Umgang mit Alkohol untersagte, bis Roosevelt das Verbot wieder aufhob. Ein gefundenes Fressen für die Gangs und das organisierte Verbrechen, diese Regeln zu brechen und den Alkohol durch die schmutzigen Hände der Unterwelt laufen zu lassen und die Bosse damit reicher und reicher zu machen. Das war die „Blütezeit“ des Al Capone, um den sich auch in ‚The Untouchables‘ dreht, der heute zu den bekanntesten Verbrechern der Geschichte zählt und nicht nur mit dem illegalen Alkoholhandel sein falsches Geld machte, sondern auch mit Geldwäscherei, Prostitution und Glücksspiel. Auch Eliot Ness gab es wirklich und ging als mutiger Kämpfer gegen Al Capones dreckigen Handel ebenfalls in die Geschichte ein. Doch da hört es mit den historischen Anleihen auf und hundertprozentig korrekt zeichnete De Palma diese Charaktere auch nicht,darauf kommt es hier aber gar nicht an. Mit Eliot Ness, Jim Malone, George Stone und Oscar Wallce, haben wir eine ungleichen Truppe mit verschiedenen Stärken, aber einem rechtmäßigen, anständigen und guten Herzen. Unsere Protagonisten machen sich auf in die düstere Welt der Chicagoer Unterwelt, um den Staatsfeind Nr.1, Al Capone, zu fassen und zu stoppen. Diesen Kampf inszenierte Brian De Palma durchgehend fesselnd und punktgenau.

‚The Untouchables‘ ist kein Film über das Verbrechen während der Prohibition, sondern ein Film über Polizisten und Ordnungshüter, die das Verbrechen stoppen und vernichten wollen. Brian De Palma zog klare Linien zwischen den beiden Seiten. Hier gibt es nur die Guten und die Bösen, das Licht und die Dunkelheit. Niemand würde sich hier verkaufen oder seine Partner verraten. Ein Einzelkämpfer will keiner sein und nur durch den Zusammenhalt kann man das schwere Ziel mit Glück und dem nötigen Können erreichen. ‚The Untouchables‘ ist ein vorbildlicher Großstadt-Western mit viel Stil, kompromissloser Brutalität und durchgehender Hochspannung. Die Bahnhofsszene ist längst ein Klassiker, genau wie die Brückenschießerei und das anschließende Verhör. Ein Cop vs. Gangster-Thriller, verpackt als grandioses Unterhaltungskino mit Niveau und Herz. Brian De Palma ist und war ein Ausnahmeregisseur, das beweis er auch hier einmal wieder und inszenierte einen der Filme, die man immer wieder sehen kann und trotzdem kommt nie ein Hauch von Langeweile auf.

Fazit: Brian De Palma ist ein Könner, erschreckenderweise wird er auch heute noch unterschätzt und seine Erfolge viel zu gerne übergangen. ‚The Untouchables‘ ist einer der großen Kracher seiner Karriere, der nicht dokumentieren will, sondern auf beste Art und Weise unterhalten. Die fantastischen Darsteller, die tolle Kameraführung, der einmaligen Score von Morricone, die hervorragende Ausstattung und De Palma starke Inszenierung machen ‚The Untouchables‘ zu einem Highlight in jeder Hinsicht.