"The Ward" (USA 2010) Kritik – Vom Regen in die Traufe

„Was ist das erste, woran du dich erinnerst?“ – „Feuer…“

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„Halloween – Die Nacht des Grauens“, „The Fog – Der Nebel des Grauens“, „Die Klapperschlange“ und „Das Ding aus einer anderen Welt“. Das sind vier mehr als wichtige Klassiker, die ihren unzerstörbaren Status in der Filmwelt wohl bis in alle Ewigkeit genießen dürfen und das Horror wie Science-Fiction-Genre maßgeblich beeinflussten. Hinter diesen Werken versteckt sich ein Name: John Carpenter. Einst ein Meister mehrerer Fächer, ein Visionär, ein Könner, mit einem inszenatorischen Verständnis, welches den Zuschauer unhaltbar in die Geschichten aufsaugen konnte und wohlig gefangen nahm. Aber es gibt auch die berüchtigten Schattenseiten im Schaffen eines beliebten und angesehenen Filmemachers, die sich in manchen Fällen nur über einen kurzen Zeitraum erstrecken, oder gleich das jähe Ende einer glänzenden Weltkarriere einleiten. Im Fall von John Carpenter muss man traurigerweise zugeben, dass der ehemalige Altmeister seit den 90er Jahren schon einiges von seinem glänzendem Ruhm verloren hat und Sachen wie „Flucht aus L.A.“ und „John Carpenters Ghosts of Mars“ in ihrer ganzen Unnötigkeit auf die zähnefletschende Welt losgelassen hat. 2010 sollte sich das Blatt wieder wenden und die Legende wollte sich nach 10 Jahren Spielfilmpause mit „The Ward“ eindrucksvoll zurückmelden, doch das Ergebnis ist eine durchweg ernüchternde Enttäuschung.

Kristen wird gegen ihren Willen in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert, nachdem sie von der Polizei bei extremer Brandstiftung auf frischer Tat ertappt wurde. Dabei erweckt die attraktive Kristen nicht den Eindruck, ein psychisches Problem zu haben. Auf der Station muss sie sich, auch wegen dem fragwürdigen Einfluss von unbekannten Drogen, erst einmal zurechtfinden. Ihre Erinnerungen an die Zeit vor der Einlieferung sind jedoch vollkommen aus ihrem Gedächtnis gelöscht, doch der jungen Frau wird schnell klar, dass auch an diesem Ort irgendetwas nicht stimmt: Die weiteren Patientinnen sprechen von mysteriösen Vorfällen, bei denen immer wieder Patienten verschwinden und Kristen, die von diesen Sachen eigentlich nichts halten wollte, muss sich schnell eingestehen, dass hier noch andere Mächte vertreten sind…

John Carpenters musste natürlich, und daran führt auch für andere Regisseur selten ein Weg vorbei, mit der Zeit gehen und nicht nur seine Inszenierung ein stückweit an die modernen Umstände anpassen, sondern auch seine Charaktere ansprechend besetzen. In der Hauptrolle entschied man sich dann für die bezaubernde Schönheit Amber Heard („Rum Diary“), die schon so manchem männlichen Wesen mit ihrem verschmitzten Lächeln den Verstand geraubt hat. Heard spielt Kristen und wenn man sich mal von ihrer äußeren Makellosigkeit löst und sie nicht nur auf die oberflächlichen Werte reduziert, muss man zugeben, dass Heard keine wirklich großartige Schauspielerin ist. Mit einer echten Charakter-Darstellung konnte die Texaner bis dato noch nicht glänzen und das ändert sich auch in „The Ward“ nicht. Heard spielt solide, gerät immer wieder leicht in den unglaubwürdigen Bereich, aber kann sich im rechten Moment haarscharf vor den einladenden Überzogenheiten retten. Die anderen Damen im Bunde wie Mamie Gummer als Emily, Danielle Panabaker als Sarah, Lyndsy Fonseca als Iris und Mika Boorem als Alice bleiben uninteressant und haben außer ihrer Schminke nicht viel zu bieten. Jared Harris als Anstaltsleiter Dr. Stringer ist sicher der beste Darsteller im Cast, verkauft sich aber gänzlich unter Wert und endet als erklärende Randnotiz.

Das erste, was „The Ward“ nach dem Abspann hinterlässt, ist das Gefühl der Profillosigkeit. Würde der Name John Carpenter nicht als Regisseur vermerkt sein, so könnte man meinen, es hätte sich mal wieder ein namenloser Neuling am Horror-Genre versucht, aber musste sich dem miserablen Script nach wenigen Minuten bereits geschlagen geben. Und da liegt schon das größte Problem von „The Ward“: Das Drehbuch von Michael & Shawn Rasmussen ist derart verstaubt, dass sich jeder Antiquitätenhändler bei der bloßen Betrachtung grinsend die Hände reiben würde. Altbekanntes wird nicht gekonnt auf die heiße Platte gestellt und danach mit ordentlich Zunder dem Zuschauer serviert, sondern zu einem lauwarmen Aufguss vergangener Zeiten geformt. Dabei war das Setting der alten Psychiatrie sicher kein schlechter Drehort, um die Geister wieder spuken zu lassen und die labilen Patientinnen mit ihrer Todesangst in den Überlebenskampf zu schicken. Carpenter reiht eine austauschbare „Grusel“szene an die nächste, beweist dabei keinerlei Talent für das Erzeugen einer fesselnden Atmosphäre und die schnöde Abwechslungslosigkeit, die uns hier geboten wird, lässt alle einstigen Akzente Carpenters schmerzlich vermissen. Das Desinteresse an den Figuren wächst mit jeder Minuten und die Patientinnen, die immer akkurat geschminkt sind, erweisen sich als charakterlose Schlaftabletten, die in ihrer erzwungenen Art und Weise nur noch von dem furchtbar dummen wie vorhersehbaren Finale getoppt werden.

Fazit: John Carpenter meinte es wahrscheinlich gut mit seinen treuen Anhängern, doch stößt ihnen mit einem vollkommen austauschbaren Genre-Langweiler gnadenlos vor den Kopf. Die Charaktere sind langweilig, die Geschichte schon unzählige Male durchgekaut worden und die Inszenierung selbst ist auf dem Niveau eines Anfängers, ganz zu schweigen von dem schwachen Drehbuch, das selbst vor 20 Jahren niemandem mehr vom Hocker gerissen hätte. „The Ward“ hätte das große Comeback einer einstigen Legende sein könnten, doch erweist sich letztlich als schnöder Rohrkrepierer.