"The Watch – Nachbarn der 3. Art" (USA 2012) Kritik – Mit Ben Stiller auf Streife

„Listen to my words, and hear his face.“

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Nachbarschaftswachen haben in den USA Tradition. Seit den sechziger Jahren ist diese Institution fester Bestandteil vieler amerikanischer Vororte und erfreut sich großer Beliebtheit. Das änderte sich jedoch schlagartig, als am 26. Februar 2012 in Sanford (Florida) ein unbewaffneter afroamerikanischer Teenager von einem Mitglied der Nachbarschaftswache niedergeschossen wurde. Einen schlechteren Zeitpunkt hätten die Verantwortlichen bei 20th Century Fox wohl kaum wählen können, um ihre derbe Nachbarschaftswachen-Komödie „The Watch – Nachbarn der 3. Art“ auf den Markt zu werfen. Immerhin änderte man den Titel von „Neighborhood Watch“ in „The Watch“ und schnitt eine Szene aus dem fertigen Film, in der Jonah Hill aus dem Auto mit dem Finger auf vorbeilaufende Passanten schießt. Doch auch ohne die unerfreulichen Ereignisse im Vorfeld hätte die neue Komödie vom „Lonely Island“-Mitglied Akiva Schaffer („Hot Rod“) wohl nur schwer an den Kinokassen bestehen können. Denn die unausgegorene Mischung aus Science-Fiction und Fäkalhumor ist vieles, aber eins ganz bestimmt nicht: Witzig.

Im kleinen Örtchen Glenview ist ein bestialischer Mord verübt worden und die Polizei tappt noch immer im Dunkeln. „Eine Schande“, denkt sich der Costco-Geschäftsleiter und selbsterklärter Gutmensch Evan (Ben Stiller) und ruft kurzerhand eine Nachbarschaftswache ins Leben. Doch groß scheint das Interesse nicht zu sein, denn außer ihm melden sich nur noch drei weitere mehr oder weniger besorgte Bürger zum Dienst: Familienvater Bob (Vince Vaughn), Waffennarr Franklin (Jonah Hill) und Jamarcus (Richard Ayoade). Doch viel Zeit zum Kennenlernen bleibt den Freizeit-Polizisten nicht, denn eine intergalaktische Bedrohung ist im Anflug auf das gemütliche Örtchen…

Dabei hätte doch alles so wunderbar werden können, schließlich galt das Originalskript von Jared Stern zu „The Watch“ nicht ohne Grund als äußerst bissige Satire auf den modernen Vorstadt-Pantoffelhelden und fand sich 2009 sogar auf Platz 16 der sogenannten Black List wieder. Doch scheinbar enthielt das Original-Drehbuch von Jared Stern deutlich zu wenig Niveaulosigkeiten, um damit gegen die Komödienkonkurrenz anzustinken und so beschloss man, dem Skript noch das gewisse Etwas hinzuzufügen. Das R-Rated-Komödien momentan ordentlich die Kassen klingeln lassen, ist längst kein Geheimnis mehr und so entschloss man sich, das Drehbuch von den Furz-Witz-Experten Seth Rogen („Superbad“) und Evan Goldberg („Ananas Express“) noch einmal kräftig „überholen“ zu lassen. Gesagt, getan – Und so stopfte das Autorenduo allerlei anrüchige Anspielungen, derbe Sprüche und eimerweise Sperma-Witze in den Film. Doch leider geht unter den ganzen Zoten der satirische Biss vollends verloren. Schade, denn zumindest ansatzweise lässt sich noch erahnen, welches Potenzial in dem Film gesteckt hätte.

Zudem wird man während der gesamten Laufzeit das Gefühl nicht los, eigentlich gerade zwei grundverschiedene Filme zu sehen, denn so recht wollen die vulgären Blödeleien nicht mit dem spacigen Alien-Handlungsstrang harmonieren. Wenn die Begegnungen mit den blutrünstigen Besuchern vom fernen Stern immer wieder von pubertären Gesprächen über Konsistenz und Geruch von Wichse unterbrochen werden, kann beim besten Willen keine Spannung aufkommen. Und selbst wenn die Comedy mal der Action weicht, kann der Film wenig unterhalten. Denn statt pointierten Action-Einschüben wird hier radikalerweise gleich alles in die Luft gejagt, was nicht niet- und nagelfest ist. Es scheint beinahe so, als soll das hochexplosive Finale dem Zuschauer das zuvor Gesehene förmlich aus dem Kopf sprengen – wenn es doch nur so einfach wäre. Dabei hat doch erst im letzten Jahr Joe Cornish mit seiner Science-Fiction-Komödie „Attack the Block“ gezeigt, wie spaßig sich ein Kampf zwischen Aliens und Nachbarn gestalten kann.

Doch es gibt nicht nur schlechtes über „The Watch“ zu sagen. Immer dann, wenn das eigentliche Image der amerikanischen „Hilfs-Sheriffs“ mal so richtig herzlich aufs Korn genommen wird, macht der Film wirklich Spaß. Denn wenn sich naive Weltverbesserer mit waffenverrückten Muttersöhnchen und alleinerziehenden Familienvätern zusammentun, um für das Wohl der Nachbarschaft zu sorgen, ist das Chaos doch schon vorprogrammiert. Welch wunderbar satirischen Blick auf die Arbeit selbsterklärter Vororts-Gesetzeshüter der Film hätte bieten können, zeigt die Szene in der Stiller, Hill und Co. nicht mehr ganz nüchtern, dafür aber mit stolzgeschwellter Brust einen jugendlichen Eierwerfer bei der Polizei abliefern. Hier bekommt man eine ungefähre Vorstellung davon, wie wunderlich sich ein kleines bisschen Macht auf das Ego eines Jedermanns auswirken kann, vor allem, wenn noch reichlich Alkohol im Spiel ist.

Fazit: „The Watch – Nachbarn der 3. Art“ ist leider zumeist ein interstellarer Totalausfall. Zotige Witze statt satirischem Biss – scheinbar traut man dem amerikanischen Kinopublikum inzwischen gar nichts mehr zu. Da können selbst gut aufgelegte Comedy-Größen wie Ben Stiller, Vince Vaughn und Jonah Hill wenig retten.

Bewertung: 3/10 Sternen