"The Man with the Iron Fists" (USA, HK 2012) Kritik – RZA lässt Fanboy-Träume wahr werden

„I always bring a gun to a knife fight.“

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Wenn Musiker von der Musik genug haben und nach neuen Herausforderungen suchen, probieren sie oftmals eine Karriere in Hollywood ins Rollen zu bringen. Nicht wenige zieht es dabei vor die Kamera, und auch wenn offensichtlich nicht jeder Musiker zum Schauspieler berufen ist, feiert so manch einer mit diesem Berufswechsel große Erfolge. Andere besonders kreative Köpfe zieht es dagegen hinter die Kamera: Das kann in einem absoluten Desaster enden, wie jüngst Pop-Queen Madonna mit ihrem Historien-Drama „W.E.“ bewiesen hat, aber auch zu durchaus interessanten Ergebnissen führen, wie im Falle des französischen Ausnahme-Künstlers Quentin Dupieux (Mister Oizo), der mit seinem Experimentalfilm „Rubber“ mal eben die Kino-Konventionen auf den Kopf stellt. Mit „The Man with the Iron Fists“ versucht nun auch Wu-Tang-Legende und bekennender Kung-Fu-Film-Fanatiker RZA im Filmgeschäft Fuß zu fassen. In diesem hat der Clanführer nicht nur die titelgebende Hauptrolle übernommen, sondern versucht sich auch gleich noch als Regisseur und Drehbuchautor. Das Resultat ist ein trashiger Martial-Arts-Streifen, der zwar merkliche Schwächen in der Inszenierung besitzt, aber auch durch eine ganze Reihe ausgefallener Ideen Punkten kann.

In Jungle City ist der Teufel los: Seitdem die zwei verfeindeten Clans der „Lions“ und der „Wolves“ ihre Machtkämpfe in der kleinen Stadt austragen, ist dort kein Einwohner mehr sicher. Auch der geheimnisvolle Schmied (RZA) wird in den Kampf um Macht und Gold hineingezogen und stellt für beide Parteien außergewöhnliche Kriegswaffen her. Als auch noch der eigenwillige Kopfgeldjäger Jack Knife (Russel Crowe) und der stählerne Killer Brass Body (Dave Bautista)auf der Bildfläche erscheinen, eskaliert die Lage in der Dschungelstadt…

Gleich in den ersten fünf Minuten fackelt RZA ein Martial-Arts-Feuerwerk sondergleichen ab. Wenn zu donnernden Beats und einem legendären Rap-Part des verstorbenen Wu-Tang-Mitgliedes ODB bereits im Prolog ordentlich Prügel verteilt werden, Knochen brechen und Gliedmaßen durch die Gegend fliegen, weiß man, worauf man sich die nächsten 90 Minuten einzustellen hat: Trashige Martial-Arts-Unterhaltung der alten Schule. Was RZA hier in den Kampfszenen auf die Leinwand zaubert, scheinen die Wirklichkeit gewordenen Fantasien eines echten Martial-Arts-Fanboys zu sein. Denn durch die detailreichen Kostüme, die spektakulären Waffen, die halsbrecherischen Kampfmoves und das breit gefächerte Figurenarsenal, von denen jeder einzelne Charakter schrill, überzeichnet und verdammt tödlich ist, werden zumindest die Action-Einlagen bis zuletzt nie langweilig. Wenn der amerikanische Pistolero Jack Knife auf den gefürchteten Blasrohr-Killer Poison Dagger trifft, sich todbringende Freudenmädchen mit dem gefürchteten Lion-Clan anlegen und ein Schmied mit eisernen Fäusten in den direkten Schlagabtausch mit dem stählernen Killer Brass Body tritt, ist blutige Martial-Arts-Action wie zu den Hochzeiten der Shaw-Brothers-Filme garantiert.

Doch leider verliert sich der Film allzu oft in einer unnötig hohen Anzahl aus verschiedenen Handlungssträngen. Rache, Verrat, Machtgier: Jeder Charakter hat seine eigenen Beweggründe um sich in den Kampf um Jungle Village einzumischen. In diesem Durcheinander verliert man schnell einmal den Überblick, wer denn gerade mit wem unter einer Decke steckt und warum. Und so gestaltet sich die Zeit zwischen den furiosen Kampfsequenzen als Geduldsprobe für den Zuschauer, die lediglich Russel Crowe als notgeiler Cowboy ein wenig auflockern kann. Da wäre es doch durchaus interessant zu wissen, ob die ursprünglich auf vier (!) Stunden angedachte Fassung von RZA für ein wenig mehr Klarheit in der wirren Figurenkonstellation gesorgt hätte.

Das RZA eigentlich der richtige Mann für einen coolen Soundtrack ist, hat er bereits mehrfach bewiesen. So steuerte er beispielsweise die herrlich minimalistischen Beats für Jim Jarmuschs „Ghost Dog“ bei, oder machte die Serie „Afro Samurai“ erst durch seine musikalische Untermalung zu einem der coolsten Animes der letzten Jahre. Doch gerade in seiner Königsdisziplin erreicht RZA diesmal nur das Mittelmaß, was wohl in erster Linie daran liegen dürfte, dass viele der Songs diesmal gar nicht aus der Feder des Wu-Tang-Masterminds stammen. Herausgekommen ist ein Soundtrack auf Wu-Tang B-Seiten-Format, ein glatt gebügelter Mix aus Rap R&B, der leider nicht recht mit der trashigen Atmosphäre des Films harmonieren will.

Fazit: Trotz tatkräftiger Unterstützung von Eli Roth („Cabin Fever“) und Quentin Tarantino („Kill Bill“) kann das filmische Erstlingswerk des Wu-Tang-Oberhauptes RZA nicht vollends überzeugen. Denn die konfuse Handlung um die Geschehnisse in Jungle City bremst „The Man with the Iron Fists“ immer wieder aus. Dass wir RZA nicht zum letzten Mal auf dem Regiestuhl gesehen haben werden, steht bereits schon jetzt fest, denn mit „Genghis Khan“ und „No Man’s Land“ sind gleich zwei Projekte für die nächste Zukunft geplant.

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