"The Wrestler" (USA 2007) Kritik – Mickey Rourke und sein ewiger Kampf

„Ich bin ein ausgebranntes Wrack, ich hab es verdient allein zu sein. Ich will nur nicht, dass du mich verachtest…“

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Weiter geht die Reise durch die Welt der Gewalt, allerdings legal und gebündelt im sportlichen Machtkampf. Heute: Wrestling. Wenn dann noch jemand wie Darren Aronofsky, einer der besten und interessantes Regisseure der jüngeren Generation, auf dem Regiestuhl platznimmt, dann ist das schon mal sehr vielversprechend. Wenn dieser Regisseur dazu dann noch Wut im Bauch hat, wegen seines zu Unrecht verschmähten ‚The Fountain‘, dann dürfen die Erwartungen gerne noch etwas höher sein. Zum Glück kann Aronofsky diesen Erwartungen standhalten und inszeniert mit ‚The Wrestler‘ aus dem Jahr 2007 ein einfühlsames und intensives Außenseiter-Drama, das sich ganz klar von seinen bisherigen Filmen unterscheidet.

Maryse Alberti lässt Mickey Rourke kaum aus dem Blickfeld. Mit seiner Handkamera ist er immer ganz nah an ihm und lässt uns mit dem Wrestler verschmelzen. Die Handkamera ist hier endlich mal kein Störfaktor und bereit keine Kopfschmerzen. Sie passt perfekt und findet ihren Einklang mit den körnigen Bildern. Wenn Clint Mansell dann noch als Komponist tätig ist und für die musikalische Unterstreichung verantwortlich, dann kann man sicher sein, das diese fantastisch ist. Das bestätigt sich natürlich auch bei ‚The Wrestler‘ und Mansell rundet die Bilder mit seiner feinfühligen, aber dennoch starken Musik toll ab. Auch Bruce Springsteens Lied „The Wrestler“, das extra für den Film geschrieben wurde, ist eine Punktlandung und trifft den Film genau an seiner verletzlichsten Stelle.

Schauspielerisch kriegt man hier eine One-Man- Show par excellence geliefert. Mickey Rourke als Randy the Ram zeigt, dass er es immer noch absolut drauf hat und es auch nie verlernt hat. Rourke liefert eine authentische, aufopferungsvolle, eindringliche und ehrliche Vorstellung ab und wohl auch seine beste Karriereleistung. Marisa Tomei als Stripperin Cassady kann in ihrer Rolle, wie auch Evan Rachel Wood als Tochter Stephanie, mit emotionalem Schauspiel glänzen. Allerdings gehört die große Bühne voll und ganz Mickey Rourke und der lässt nur wenig Raum neben seiner Darstellung.

Mit ‚The Wrestler‘ erzählt Aronofsky uns die Geschichte eines gefallenen Wrestling-Helden. Randy the Ram. In den 80ern ein gefeierter und umjubelter Star für die Massen. Poster von ihm hingen in Zimmern, Videospiele mit seinem Namen wurden produziert und er konnte sich im Ruhm sonnen. Heute erlebt er die Schattenseiten dieses Erfolges. Randy ist verbraucht, sein Körper ist durch die harten Jahre gezeichnet und der Jüngste ist er auch nicht mehr. Alles fällt sichtlich schwerer und das Herz macht zunehmend Probleme. Randys Leben dreht sich nur um Wrestling. Das nötige Geld kann er damit allerdings nicht mehr eintreiben. Von einer Familie die ihn in irgendeiner Weise unterstützt ganz zu schweigen. Seine einzige Bezugsperson ist die Nachtclub Stripperin Cassidy, mit der er sich ab und an trifft. Sie rät ihn endlich einen anderen Weg einzuschlagen, jetzt, wo es noch geht. Das Wrestling an den Nagel hängen und Kontakt zu seiner Tochter aufzunehmen. Die Versuche sich in die Gesellschaft einzubinden gehen schief. Seinem Versagen als Vater blickt er in die Augen und versucht eine Beziehung zu seiner Tochter aufzubauen. Für sie ist er nur ein fremder, die ihm dennoch eine winzige Chance gibt. Er fällt allerdings zurück in seinen alten Lebensstil und vergisst sie. Ratschläge für ein besseres Leben beherzt er nicht und jagt immer zu seiner Vergangenheit hinterher. Seinen Ruf, den er sich über Jahre aneignete, hat er nur noch bei wenigen Leuten. Er braucht die jubelnde Menge, die Masse, die seinen Namen brüllt. Die ihn anfeuern seine Gegner zu zerbrechen. In großen Sälen ist sein Name inzwischen unbekannt, in kleinen Hallen kann er sich noch austoben. Randy kann nicht loslassen, auch wenn es ihn zerstören wird. Er sucht nach Ruhm und findet sein einsames, gescheitertes Ich. Er fühlt sich schuldig und verantwortlich für seine Fans und kann sich nicht losreißen. Einmal ein Teil, immer ein Teil, auch wenn es ihn zerreißen wird…

Das ‚The Wrestler‘ so verdammt gut funktioniert, liegt klar an Mickey Rourke. Er trägt den Film auf seinen Schultern durchs Ziel. In gewisser Weise spielt er schließlich auch sich selbst. Der gefallene Star, durch seine Lebensart aus der Bahn geworfen, versucht zurück zu alter Größe zu kommen. Seine Figur, Randy the Ram, bleibt ein Verlorener. Rourke hingegen hat sich mehr eindrucksvoll zurückgemeldet.

Wer die vorherigen Filme von Aronofsky gesehen hat weiß, wo die Stärken dieses Mannes liegen. Er schafft es, eine Bilderflut sondergleichen zu erzeugen, mit spektakulären Schnitten prasselt er auf den Zuschauer ein und setzt sich fest. Mit ‚The Wrestler‘ geht er nun einen völlig anderen und minimalistischeren Weg, in Bezug auf seine anderen Filme. Wir verfolgen Randy durch sein bitteres Leben, dass er irgendwie in den Griff bekommen will. Randy ist eine tragische Figur, das macht Aronofsky mehr als deutlich, allerdings lässt er die Geschichte nicht zu einem selbstzerstörerischen und deprimierenden Dahinscheiden verkommen. Viel mehr erleben wir hier 100 Minuten voller Ruhmsucht, Einsamkeit, Schmerz, Blut, Sehnsüchten und zarter Verletzlichkeit. Die gelegentlichen Längen kann man den Film allerdings manchmal nicht absprechen, das fällt aber kaum ins Gewicht. Die Wrestling-Kämpfe stehen hier nie im Mittelpunkt und vor allem sind die Kämpfe völlig ohne und Glanz und Gloria inszeniert. Wenn sich die blutverschmierten Körper im Ring krümmen, ist klar, dass es hier nicht um den Spaß an der Sache geht. Schonungslos und ehrlich wird hinter die Fassade dieser Menschen geblickt, sowie in die Kämpfe selbst.

Fazit: Mit ‚The Wrestler‘ führt Darren Aronofsky seine starke Filmkarriere fort. Zwar ist es nicht sein bester Film, aber sein Reifster. Durch den fantastischen Mickey Rourke, Clint Mansells Musik, die intensiven Bilder und Aronofskys feiner Inszenierung wird ‚The Wrestler‘ zu einem Film, den man gesehen haben sollte, allein um Mickey Rourke zu bewundern, denn der ist hier wirklich ein Erlebnis.

„Die Einzigen, die mir sagen dürfen, wann es für mich vorbei ist, dass seid ihr hier. Ihr hier in der Arena, ihr dürft mir das sagen.“

Bewertung: 8/10 Sternen