"Todeszug nach Yuma" (USA 2007) Kritik – Der Western lebt!

„Die Seite an ihnen gefällt mir, Dan.“

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Der Western lebt! Zwar nicht mehr so intensiv wie früher, aber es gibt ihn noch. Zum Glück kann man sagen. Mit Filmen wie ‚Open Range‘, ‚Jesse James‘ und zuletzt ‚True Grit‘ wurde dem Genre immer wieder neues Leben eingehaucht. 2007 konnte Regisseur James Mangold mit dem Film ‚Todeszug nach Yuma‘ das Genre ebenfalls mal wieder so richtig aufleben lassen und inszeniert einen hochspannenden und vielschichtigen Film der jedem Western-Fan das Herz öffnet.

Der Bürgerkriegsveteran Dan Evans hält sich und seine Familie gerade so mit einer Ranch in Arizona über Wasser. Mit seinen Söhnen beobachtet er einen brutalen Postkutschenüberfall des berüchtigten Ben Wade und seiner Bande. Der hartgesottene Kopfgeldjäger McElroy ist der einzige Überlebende, den Evans mit einem Bauchschuss zum Arzt bringt. Auch Wade ist in der Stadt und kann in einer unvorsichtigen Minute gepackt werden. Sofort muss eine Eskorte zur Bahnstatation in Contention zusammengestellt werden. Von dort fährt der Zug direkt zum Staatesgefängnis nach Yuma wöchentlich um Punkt 3 Uhr 10 ab. Um zu beweisen, dass er kein Versager ist, lässt sich Dan auf einen riskanten Deal ein: Für 200$ soll er gemeinsam mit einer Handvoll Männer den Verbrecher zum Zug bringen. Wades Komplizen lassen allerdings nichts unversucht um ihren Boss zu befreien…

Wie es sich für einen ordentlichen Western gehört müssen schöne und eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen vertreten sein. Hier hat ‚Todeszug nach Yuma‘ so einiges zu bieten. Kameramann Phedon Papamichael liefert Oscarreife Arbeit ab und fängt die felsige, unberührte Natur in wunderschönen Bildern ein. Bilder an denen man sich kaum sattsehen kann. Auch die Kamerafahrten, ganz besonders hier bei der Jagd durch die Stadt gegen Ende, sind fantastisch. Komponist Marco Beltrami rundet die visuelle Klasse mit seinem tollen Soundtrack perfekt ab. Gefühlvoll, gewaltig und immer punktgenau eingesetzt. Ganz besonders auch wieder bei den letzten 15 Minuten, die wirklich blendend unterstrichen wurden.

Auch bei den Schauspielern beweist James Mangold ein mehr als feines Händchen und lässt keine Wünsche offen. An erster Stelle Christian Bale als Familienvater und Gutmensch Dan Evans. Dass Christian Bale ein toller Schauspieler ist sollte inzwischen hoffentlich bekannt sein und auch als Dan Evans kann er durch sein ausdrucksstarkes und emotionales Schauspiel voll überzeugen. Russell Crowe steht dem natürlich in nichts nach und kann als berühmt berüchtigter Bandit und Bandenchef Ben Wande sein ganzes Können ausspielen und einen zwielichtigen wie interessanten Charakter verkörpern. Ein weiteres Highlight in der Besetzungsliste ist Ben Foster als durch und durch verdorbener Charlie Prince, der so was wie Wades rechte Hand ist. Foster zeigt wieder sein unglaubliches Talent und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Auch die anderen Nebenrollen sind mit Alan Tudyk, Peter Fonda und Logan Lerman stark besetzt.

An erster Stelle sollte man noch erwähnen, dass ‚Todeszug nach Yuma‘ ein „Remake“ des Klassikers ‚Zähl bis Drei und bete‘ ist, sich aber in einem Punkt deutlich davon unterscheidet. Mangold geht, anders als Elmore Leonard, auf die Charaktere der Geschichte ein und legt großen Wert darauf ihnen die nötige Tiefgründigkeit zu verleihen.

Dementsprechend vielschichtig und interessant sind die wichtigsten Charaktere des Films auch gezeichnet. Zuerst Dan Evans, der ein armer Rancher in Arizona ist. Gezeichnet durch den Bürgerkrieg und erdrückt von Schulden versucht er sich und seine Familie irgendwie durchzuschlagen. Doch die Dürre macht ihm einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Dazu kommt auch noch, dass sein Ältester ihn für einen Wachlappen hält. Auf der anderen Seite Ben Wade. Wade steht auf der falschen Seite des Gesetzes und schlägt sich mit seinen brutalen Verbrechen durchs Land. So durchtrieben Wade auch auf den ersten Blick aussehen mag, sein wahres Ich sieht anders aus. Auf der gemeinsamen Reise lernen sich die beiden Männer kennen. Dan Evans dient hier zuerst natürlich als klare Identifikationsfigur und Ben Wade wird noch als personifiziertes Verbrechen dargestellt. Ein Mörder, ein Draufgänger, aber unglaublich charismatisch. Der Zuschauer wird in eine Zwickmühle gedrängt, denn so schlecht Wade auch sein mag, genauso schwer fällt es auch ihn nicht zu mögen. Nach und nach kommen wir den Charakteren immer näher und entwickeln viel Sympathie für beide, allerdings auf unterschiedliche Art und Weise. Genau wie Ben und Dan, die das aber nicht wahrhaben wollen. Immer mehr geht Mangold auf die beiden ein und der wahre Charakter so wie die Vergangenheit kommen Stück für Stück ans Licht. Die Rolle des wahren Bösewichts übernimmt dann eindeutig Charlie Prince. Ein widerlicher und gewissenloser Charakter der ohne Probleme über Leichen geht. Diese Figuren, vor allem natürlich Wade und Evans, wurden fantastisch gestalten und verkommen nicht zum typisch wortkargen Cowboy ohne jegliche Gefühle.

Mangold inszeniert mit ‚Todeszug nach Yuma‘ eine Geschichte über Moral, Ehre, Mut und wahre Stärke. Auch wenn sich die beiden, und das kann man nicht abstreiten, leiden können, so zielstrebig müssen sie auch sein. Evans darf sein Ziel nicht aus den Augen verlieren, denn er will nicht vor seinen Kindern als Versager dastehen. Wade kann das verstehen und gibt ihm die Chance ihn irgendwie zum Zug zu bringen. In der Stadt wartet allerdings Wades Bande die ziemlich treffsicher ist. So kommen wir auch gleich zum zweiten Punkt des Films: die Action. Die sitzt nämlich genauso wie die Charakterisierung. Allein der nervenaufreibende und furiose Showdown ist absolut fantastisch inszeniert und knallt nur so über den Bildschirm. Aber auch die zahlreichen Schießereien oder der Kutchenüberfall sind ungemein spannend und keinesfalls blutarm. ‚Todeszug nach Yuma‘ hält perfekt das Gleichgewicht aus Charakterfilm und rasantem Western-Action-Abenteuer und fesselt über die gesamte Laufzeit.

Fazit: ‚Todeszug nach Yuma‘ ist exzellentes Western-Kino voller Action, Spannung und dem nötigen Tiefgang. Die fantastischen Schauspieler, die grandiosen Bilder und der starke Soundtrack tun ihr übriges und runden den Film einfach hervorragend ab.