"Training Day" (USA 2001) Kritik – Guter Bulle, böser Bulle

„King Kong ist nichts im Vergleich zu mir!“

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Die Geschichte vom guten Cop und dem bösen Cop könnte man schon fast als alten Hut in der Filmgeschichte bezeichnen. Warum der alte Hut jedoch nicht immer gleich von einer dicken Staubschicht befallen sein muss, lässt sich ganz klar daran erklären, dass dieses Aufeinandertreffen von Gegensätzlichkeit immer noch ihre eigenen Reize mit sich bringt. Allgemein sind es doch die Geschichten über Polizisten und deren Alltag, ob durchtrieben oder nicht, die wohl nie etwas von ihrer Spannung verlieren werden, nicht umsonst gibt es unzählige Cop-Klassiker: „Dirty Harry“, „Heat“, „Serpico“ und „Bullitt“. Nur ein kleiner Auszug aus dem riesigen und ebenso beliebten Subgenre. Wenn wir uns aber in die Zeit nach der Jahrhundertwende begeben, dann wird das hochklassige Material doch etwas knapp. Filme wie „Gesetz der Ehre“, „Helden oder Nacht“ oder „Rampart“ zählen zum langweiligen Einheitsbrei, trotz guter Besetzung, und müssen sich wohl oder übel als deutliche Enttäuschungen betiteln lassen. Für ein Highlight in diesem Genre sorgte jedoch der amerikanische Regisseur Antoine Fuqua mit seinem Film „Training Day“ aus dem Jahre 2001.

Jake Hoyt muss den ersten Tag, dem sogenannten Training Day, mit seinem neuen Vorgesetzten Alonzo Harris überstehen. Wenn Harris ihn für würdig erklärt, dann kann Jake seinen Traum als Ermittler im Los Angeles Drogendezernat erfüllen und eine Karriere bis ganz nach oben einschlagen, doch der Tag verläuft ganz anders als geplant. Alonzo hat andere Ansichten von der Gerechtigkeit, als die, die Jake auf der Polizeischule eingetrichtert bekommen hat und weitet seine Methoden unbegrenzt aus. Jake wird unter Waffengewalt gezwungen Drogen zu rauchen und driftet daraufhin immer tiefer in einen Strudel aus Korruption, dunklen Machenschaften und auswegloser Gewalt, aus dem nur einer der beiden lebendig herauskommen wird…

Man braucht sich nichts vormachen: Das Drehbuch von David Ayer, der auch das Drehbuch zum Cop-Thriller „Street Kings“ geschrieben hat, bietet keine Neuheiten und kann sich auch nicht unbedingt als wirklicher Innovationsknüller bezeichnen lassen, doch das fällt hier zum Glück nur weniger ins Gewicht, denn die Darstellerleistungen reißen es bei „Training Day“ vollkommen raus. Hauptdarsteller Denzel Washington gibt Detective Alonzo Harris, einen bis ins Mark korrupten Cop. Washington zeigt sich in Topform und kann nicht nur das Interesse für seinen durchtriebenen Charakter wecken, sondern springt immer umher zwischen verstellter Freundlichkeit und verdorbener Rohheit. Der Lohn war der Oscar für den Besten Hauptdarsteller, etwas zu viel wenn man ehrlich ist, aber gänzlich unverdient war es sicher nicht. Neben Washington glänzt auch ein wunderbarer Ethan Hawke als Officer Jake Hoyt, der gerne als „blass“ und „unauffällig“ bezeichnet wird, doch gerade das macht doch die Tiefe seines verwirrten wie unerfahrenen Charakters aus. Er steht vollkommen hinter dem dominanten Harris, will die Erfolgstreppe hinaufsteigen und muss gezwungenermaßen die Regeln brechen. Hawke liefert eine großartige Performance, ist zwar nicht so impulsiv wie Washington, aber seine ruhige Note gibt den mehr als überzeugenden Gegenpart.

„Ist nicht lustig wenn der Hase die Kanone hat, häh?“

In „Training Day“ finden wir uns im hitzigen Los Angeles wieder, in dem die Straßen besudelt sind von Kriminalität und Brutalität. Überall wimmelt es von Gangs, bestimmte Viertel werde als „Dschungel“ bezeichnet, in dem sich kein Polizist hineinwagt, denn heil wird man dort nicht entlassen und auch der Drogenhandel kommt nie zum Stillstand. In diese dreckige Gegenwart wirft Regisseur Antoine Fuqua den moralischen und aufstrebenden Officer Jake Hoyt und setzt ihm den korrupten und genauso harten Detective Alonzo Harris gegenüber, der selber ein Teil dieser dreckigen Welt ist und überall, so scheint es, seine schmutzigen Finger im Spiel hat. Die Charaktere sind klar gestrickt, der Good Cop und der Bad Cop, und doch ist „Training Day“ kein wiederholen der alten Laier, denn das Fuqua seinen Film wirklich auf 24 Stunden anlegt und keinen größeren Zeitraum ausfüllen möchte, macht die Geschichte und den Verlauf immer spannend und keinesfalls konstruiert. Hier treffen gezwungener Gesetzesbruch, abgründige Manipulation und bittere Gnadenlosigkeit aufeinander, um in der entscheidenden Nacht zu explodieren. „Training Day“ bietet dem erfahrenen Zuschauer zwar keine Neuigkeiten und das gewisse Ecken in Los Angeles ein ziemliches raues und hartes Pflaster besitzen ist mit Sicherheit auch keine Überraschung, genau wie die typischen Sprüche vom „Nigger“ bis zum „Weißbrot“, die in Hülle und Fülle vom Zaun gebrochen werden, finden hier natürlich ihren Platz. Nichtsdestotrotz besitzt der Thriller viel Spannung, die er gekonnt aus den interessanten Charakteren ziehen kann, und weiß über seine 120 Minuten als gute Unterhaltung zu überzeugen, doch eine tiefgehende Milieu/Charakter-Studie sollte man nicht erwarten.

Fazit: „Training Day“ ist in jedem Fall ein wirklich guter Cop-Thriller, der einige dramatische Spitzen beinhaltet, mit viel Spannung glänzen kann und zwei tolle Charaktere bietet, die das Interesse, gerade in ihrer offenen Gegensätzlichkeit, durchgehend aufrecht halten. Neu ist das Ganze nicht und auch für eine tiefgehende Auseinandersetzung reicht es nicht, denn dafür ist Antoine Fuquas Inszenierung doch zu oberflächlich und deutlich. Ein packender Film, mit tollen Hauptdarstellern, und schwülen Großstadtaufnahmen, die die schmutzige Atmosphäre stimmig verpacken.

Bewertung: 7/10 Sternen