"True Romance" (USA 1993) Kritik – Eine blutige Liebe

„Ich lese sehr viel, besonders so Sachen über Geschichte. Ich finde dieses Zeug faszinierend und ich weiß wahrscheinlich was, was sie nicht wissen. Sizilianer sind Ableger von Niggern.“

null

Tony Scott ist ein Regisseur, der für astreine und stylische Action steht. Ob ‚Last Boy Scout‘, ‚Man on Fire‘ oder ‚Top Gun‘. Man weiß, was man bekommt, wenn man sich einen Film von ihm anschaut. Sicher keine hochintelligenten und komplexen, aber unterhaltsame, bleihaltige und spannende Geschichten. Im Jahr 1993 ging Scott dann jedoch einen anderen Weg und entschied sich dazu, seinen filmischen Horizont als Regisseur zu erweitern. Mit ‚True Romance‘ brachte er einen Gangsterfilm in die Kinos, wie man ihn so von ihm eigentlich nie erwarten hätte dürfen. Allerdings war diese Neuorientierung kein voller Erfolg, denn Scotts Inszenierung wirkt nicht nur selten äußerst gewollt, sondern auch immer scharf an der Grenze der Belanglosigkeit.

Clarence und Alabama lernen sich im Kino kennen, verlieben sich und stürzen sich schlagartig in eine Heirat. Alabama hat Clarence jedoch nicht die ganze Wahrheit erzählt, denn in Wirklichkeit war sie nicht aus eigenem Interesse im Kino, sondern Clarence Chef wollte ihm eine Freude mit ihr machen, denn sie ist ein Callgirl. Das stört Clarence wenig und als Alabama ihm erzählt, dass ihr Zuhälter ein äußert gewalttätiger Zeitgenosse ist, tötet Clarence ihn und schnappt sich einen Koffer, der randvoll mit Kokain ist. In L.A. wollen die beiden den riesigen Haufen verkaufen, doch schon längst sind Polizei und Mafia ihnen auf den Fersen.

Die Besetzung von ‚True Romance‘ ist durchzogen von hochkarätigen Darstellern. Aber fangen wir mit den wichtigsten Charakteren an. Clarence wird von Christian Slater verkörpert, der ja immer wieder gerne unterschätzt wird. Slater zeigt, dass er ein toller Schauspieler sein kann und füllt seine Figur mit viel Sympathie und Energie aus und bringt hier sicher eine seiner besten Leistungen. Als Alabama ist Patricia Arquette zu sehen, die ihre Sache auch kein Stück schlechter macht und sich mit viel Gefühl in ihre Rolle legt. Beide harmonieren grandios und man kauft ihnen die frische Liebe in jedem Moment voll und ganz ab. Jetzt aber zu den Nebenrollen, die zwar immer nur kurze Szenen bekommen, aber diese ebenso toll ausfüllen. Vertreten sind Größen wie Dennis Hopper, Samuel L. Jackson, Christopher Walken, Gary Olman und Brad Pitt. Wobei Dennis Hopper und Christopher Walker eine der besten Szenen des Films haben und einen genialen Dialog in Vollendung abliefern.

‚True Romance‘ ist einer der Filme, bei denen man schon beim Durchlesen der Handlung schnell einige Regisseure vor Augen hat, die aus diesem Gangsterstreifen etwas Einmaliges zaubern können. Ob wir jetzt von Guy Ritchie oder auch den Coen-Brüdern reden. Doch ganz besonders hämmert sich der Name Quentin Tarantino in den Hinterkopf. Und wer hätte das gedacht, Tarantino hat seinen Teil zum Film natürlich beigesteuert und das exzellente Drehbuch, ein Jahr bevor er das sich mit ‚Pulp Fiction‘ unsterblich machte, geschrieben. Dementsprechend genial wäre es gewesen, wenn der Meister persönlich den Regiestuhl besetzt hätte und True Romance zu einem seiner ganz persönlichen und unverkennbaren Geniestreiche gemacht hätte. Aber Tony Scott ist eben kein Tarantino und das sollte von vornherein klar sein. Fangen wir aber erst mal ganz vorne an. In ‚True Romance‘ geht es in erster Linie um ein Paar, welches sich gezielt gefunden hat, aber nie wieder trennen kann. Dabei durchlebt dieses unzertrennliche Paar die schlimmste Zeit, in dem es irgendwie Versucht den Koffer voller Kokain in L.A. zu verscherbeln und dabei kreuzen sie die Wege mit allerhand skurrilen und verschrobenen Typen. So ist True Romance fast schon ein entfernter Verwandter von Lynchs Road-Movie-Romanze ‚Wild at Heart‘, in der sich auch eine endlose Liebe inmitten unzählige Abgründe entfacht.

Hier liegt auch die klare Stärke von ‚True Romance‘. Die Charakterzeichnung, die sich in Bezug auf Clarence und Alabama immer weiter entfalten darf und den Zuschauer fesselt, so dass er dem Pärchen auf Schritt und Tritt folgt und ihnen nur das Beste wünscht. Eben auf dieser Reise zum großen Geld werden die verschiedensten Figuren eingestreut und mit den typischen Genre-Klischees gespielt. Da hätten wir zwei Polizisten, wie sie perfekt aus einer 70er Jahre Cop-Serie stammen können, einen versifften Kiffer, der anscheinend nur auf dem Sofa lebt, schmierige Mafiosos und kaltblütige Gangster. Und dann wären da eben unsere zwei Turteltauben, die mithilfe von zwei Freunden in L.A. das Kokain im Showbusiness verscherbeln wollen. Das wird uns von Tony Scott in flotter, unbeschwerter, abwechslungsreicher, cooler, naiver, lustiger und auch mal dramatischer Art, mit geschliffenen Dialogen und viel Blut geboten und ‚True Romance‘ wird ein Film über die Grenzen zwischen Gut und Böse und die Verwischung dieser Trennlinien. Ein Film, irgendwo zwischen dem Tod und der Unsterblichkeit. Über Macht und Verlust und über Ängste und deren Überwindungen. Aber ganz besonders ein Film über die Liebe und ihre unerträgliche und unausweichliche Wirkung.

Das ist auch alles gut und schön, aber nicht durchgehend der Fall. Immer wieder wirkt Scotts Inszenierung viel zu gewollt und aufgesetzt und er versucht fast zwanghaft jemand anderes zu sein. Er will die Handschrift von anderen Regisseuren klauen, deren Esprit und Charme vermischen und uns vortragen. Das gelingt nicht, denn die Fälschung fällt immer wieder deutlich auf und die letzte Konsequenz geht ihm so auch zunehmend verloren. Sicher ist diese etwas andere Lovestory kein Reinfall und auch das furiose Finale ist eine schöne Hommage an das Hong Kong-Actionkino, Sicher ist diese etwas andere Lovestory kein Reinfall und auch das furiose Finale ist eine schöne Hommage an das Hong Kong-Actionkino, doch ein anderer Regisseur hätte „True Romance“ deutlich besser getan und vielleicht etwas wirklich Fantastisches rausholen können, denn an diesem Stoff konnte Scott nur scheitern, einfach weil seine Stärken weder im Geschichten erzählen liegen, noch im Gefühle vermitteln.

Fazit: True Romance hätte großes Gangsterkino werden können, scheitert aber zu oft an der eigenen Inszenierung. Zwar ist der Film unterhaltsam, mit knackigen und gut harmonierenden Schauspielern, einem tollen Soundtrack (Hans Zimmer in seiner Blütezeit), tollen Dialogen und schönen wie dreckigen Szenen. Doch ein anderer Regisseur hätte dem Film deutlich besser getan und so ist ‚True Romance‘ sicher ein netter und ansehnlicher Film, aber nichts Besonderes.