"Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen" (USA 2008) Kritik – Die Qualen beginnen

„Und so verliebte sich der Löwe in das Lamm.“

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Hype ist wieder einer dieser Begriffe, die sich langsam aber sicher in unseren deutschen Sprachgebrauch eingeschlichen haben. Hinter dem Wort verstecken sich Personen, Filme und Romane, die gerade durch die Presse und Medien geistern und in den höchsten Tönen angepriesen wurden. Durch die Mundpropaganda wird dieser Hype dann noch weiter angetrieben und auf unzählige andere Menschen übertragen und alles nimmt seinen Lauf. Stephenie Meyers Roman „Bis(s) zum Morgengrauen“ wurde Teil eines solches Hypes und die Geschichte um einen Vampir und eine Sterbliche mauserte sich zum Liebling von Millionen Teenies. Was musste also als nächstes kommen? Natürlich eine Verfilmung des Stoffes. Die Folgen davon bekommen wir auch noch heute zu spüren und jede Kleinigkeit die man in Verbindung mit ‚Twilight‘ bringen kann, wird in astronomische Höhen gepusht. Niemand wird davon verschont und die Augen wurden in der Zwischenzeit sicher nicht nur einmal genervt verdreht, wenn man die Namen Edward und Bella zu hören bekam. Aber lohnten sich die vielen Worte denn überhaupt über die erste Verfilmung der erfolgreichen Buchreihe? Ganz sicher nicht. ‚Twilight‘ aus dem Jahr 2008 ist eine grauenvoll öde und furchtbar platte Vampir-Romanze.

In der amerikanischen Kleinstadt Forks steppt nicht gerade der Bär. Die 17-jährige Bella muss sich an den Umzug zu ihrem Vater, ein Polizist, erst mal gewöhnen. Sie findet trotzdem schnell Freunde an der Schule, doch ein anderer Schüler ist ihr besonders ins Auge gefallen: der gutaussehende Edward Cullen. Sie fängt langsam an sich in den blassen Jungen zu verlieben, doch muss bald feststellen, dass Edward kein normaler Schüler ist. Er ist ein Vampir und Forks ist voll von ihnen. Allerdings entwickelt auch Edward Gefühle für Bella und das könnte eine große Gefahr für sie darstellen, denn nicht nur Edward hat das Verlangen nach ihrem Blut, sondern auch andere Vampire die ihr Blut schon aus der Ferne riechen…

Im Buch wird der Vampir Edward Cullen als ein unbeschreiblich schönes Wesen beschrieben, der mit seinem Aussehen jeden überstrahlt. Ein dementsprechend passender Schauspieler musste also gefunden werden, der besonders die jüngere Zielgruppe genauestens anspricht. Das ist auch gelungen und die Wahl fiel schlussendlich auf Robert Pattinson, der über Nacht zum Schwarm aller Mädchen wurde und die Zimmerwände und Bettdecken nun mit seinem Antlitz schmücken darf. Aber kann Pattinson auch als Schauspieler überzeugen? Kein Stück. Ohne Charisma oder Kraft dümpelt er als blasser Loverboy und Alleskönner durch die Scheinlosigkeit. Ein Gesichtsausdruck reichte also schon, um für Ohnmachtsanfälle zu sorgen. Verstehen muss man das natürlich nicht, noch viel weniger nachvollziehen. An seine Seite wurde ihm Kristen Stewart als Bella Swan gestellt. Stewart konnte in Filmen wie ‚Into the Wild‘ oder ‚Das gelbe Segel‘ schon etwas von ihrem Talent beweisen, davon ist hier allerdings nichts mehr zu sehen. Sie setzt ihren depressiven Blick aus und spielt so hölzern, als hätte sie noch nie vor einer Kamera gestanden. Schauspielerisches Versagen ist hier das Stichwort, wobei man das, was Stewart hier zeigt, wirklich nicht als Schauspielen bezeichnen kann. Und dann wäre da auch noch der langhaarige Taylor Lautner als Jacob. Auch bei seiner Darstellung fehlen einem die Worte, vor allem die lobenden. Seine zwanghaften Versuche seinen Charakter irgendwie auszufüllen scheitern kläglich. Charakterlose Gesichter wohin man nur blickt.

Die Geschichte von der eigentlich unmöglichen Liebe zwischen einem Vampir und einem Menschen würde viel komplexen und anspruchsvollen Stoff für eine tragische Ballade bieten. ‚Twilight‘ besitzt diese Ansätze natürlich, doch Regisseurin Catherine Hardwicke hat ihr Bestes gegeben, um diese Ansätze möglichst schnell zu erdrücken und den Film zu einer herzlosen Aneinanderreihung von Momenten zu machen. Da hätten wir die reiche Vampirfamilie, die allesamt wie geleckt aussehen und eigentlich gar nicht böse ist, sondern sich nur vor anderen Vampiren schützen muss. Das depressive Mädchen, das eigentlich viel Mut besitzt, doch mit ihrem neuen Leben erst mal klarkommen muss, sich aber gerade in dieser schweren Zeit in den hübschen Vampirbengel verliebt. Dieser Vampirbengel, der eigentlich das Auftreten eines knochigen Waschlappens besitzt, weiß genau, worauf er sich einlässt und das eine solche Liebe eigentlich nie möglich wäre. Dann gibt es da noch den anderen Jungen, der Bella vor den gefährlichen Cullens schützen will, in sich aber auch noch ein äußerst haariges Geheimnis trägt. Man hätte daraus sicher etwas Annehmbares machen können, doch das Ganze verkommt zu einem dermaßen lieblos zusammengeschusterten Allerlei, das wirklich in keinem Augenblick das Interesse des Zuschauers wecken kann.

‚Twilight‘ ist belangloser Brei aus der untersten Schublade. Diese Schublade sollte auch in Zukunft unbedingt verschlossen bleiben, denn die furchtbaren Dialoge, der schmalzige Kitsch und die hundertprozentigen Klischees beglücken nur noch die Justin Bieber und Miley Cyrus-Fraktion. Hier werden keine Emotionen aufgebaut, noch Abwechslung oder Höhepunkte geboten. Eigentlich ist es durchgehend erschreckend egal, was hier vor sich geht, oder wie sich die Charaktere entfalten werden. Aber keine Sorge, auf eine wirkliche Charakterentwicklung wurde gänzlich verzichtet. Hauptsache Edward Cullen darf ab und an süß in die Kamera schmunzeln und seiner Bella verheißungsvolle Blicke zuwerfen, die sie mit ihrer aufgesetzten Melancholie in der eigenen Langeweile verspeist. Wenn die Vampire sich dann draußen zu einem Baseballspiel treffen, dann ist die Lächerlichkeit auf ihrem überzogenen Höhepunkt angekommen. In Sachen Peinlichkeiten ist das nur noch schwer zu toppen. Was am Ende bleibt ist eigentlich rein gar nichts, wenn man mal von den pochenden Kopfschmerzen absieht, die die glitzernde Knabberstange mit dem weißen Puder im Gesicht ausgelöst hat.

Fazit: Die einzigen Punkte über die man eigentlich nicht meckern kann, sind die kühle Optik und der Soundtrack, der zwar nicht gerade zum Film passt, aber einige gute Lieder zu bieten hat. Das war es dann. Die Schauspieler sind keine und dümpeln einfach von A nach B, die Story ist flach und löchrig wie ein Sieb und Hardwickes schwache Führung treiben den Film nah den Nullpunkt, wer unbedingt etwas über die Geschichte von Edward und Bella erfahren will, sollte dann lieber zum Buch greifen, wobei auch das wohl nur noch eine bestimmte Altersgruppe wirklich ansprechen sollte. Das hier war jedenfalls mehr als schlecht.

Bewertung: 2/10 Sternen