"Der unglaubliche Hulk" (USA 2008) Kritik – Die durchschnittliche Rückkehr

„Wenn ich das, was ich heute weiß, in meinen Körper von vor 10 Jahren stecken könnte, würde ich nicht gegen mich selbst kämpfen wollen!“

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5 Jahre sollte es dauern, bis sich das beliebte grüne Monster Hulk nach Ang Lees gescheiterter Interpretation 2003 wieder über die großen Leinwände hermachte. Ein neuer Versuch sollte es also werde und keine Fortsetzung, wie es auch heute noch von vielen fälschlicherweise angenommen wird. Auf dem Regiestuhl fand sich diesmal der französische Regisseur Louis Leterrier wieder, der vorher die ersten zwei ‚Transporter‘-Filme mit Jason Statham in der Hauptrolle inszenierte. Mit Action kannte sich der Mann also aus, aber würde das auch für eine würdige neue Hulk-Verfilmung reichen? Wohl nicht ganz. ‚Der unglaubliche Hulk‘ ist zwar klar besser als Ang Lees schwache Version, hat aber dennoch zu viele Schwächen, um sich vom Durchschnitt erheben zu können.

Nachdem der Wissenschaftler Bruce Banner ein Opfer von biochemischen Experimenten war, bei dem sein Körper verstrahlt wurde, wird Bruce in unkontrollierbaren Momenten zum Ungetüm Hulk. Seitdem ist Bruce in Brasilien untergeschlüpft und versucht ein Gegenmittel zu finden. Lieutenant General Ross weiß jedoch, was in Bruce schlummert und jagt ihm den Soldaten Emil Blonsky an den Hals. Auch Blonsky verwandelt nach einer Injektion in ein Supermonster, das nur Hulk stoppen kann…

Die Kamerafahrten über die brasilianischen Slums sind ganz große Klasse und liefern einige beeindruckende Einstellungen, die im Gedächtnis bleiben werden. Peter Menzies Jr. leistet tolle Arbeit und mischt einen dunklen Grundton unter seine klaren Aufnahmen, die auch dem Film einen düsteren Touch geben können. Der kraftvolle Score von Craig Armstrong begleitet den Film ebenfalls immer genau, ohne dabei zu übertrieben oder Gefühle erzwingen zu wollen. Die Spezialeffekte sind ausgereifter und der Hulk sieht einfach gefährlicher und wütender (!) aus. Auch Abomination, in den sich Blonsky verwandelt, ist ein furchtbares Monstrum und braucht sich vor dem Hulk sicherlich nicht verstecken.

In der Hauptrolle des Bruce Banner ist der Charakterdarsteller Edward Norten zu sehen, der vorher in Filmen wie ‚Fight Club‘ und ’25 Stunden‘ ganz tolle Leistungen brachte. Norton macht seine Sache auch hier besser als sein Vorgänger Eric Bana, auch wenn er nicht wirklich gefordert wurde und sein ganz großes Können kaum entfalten durfte. Akzeptabel ist die Leistung in jedem Fall. Liv Tyler als Betty Ross bleibt allerdings viel zu blass und kann keinerlei Impulse in ihrer Rolle setzen. Tim Roth spielt den Soldaten Emil Blonsky, der sich in das Monster Abomination verwandelt. Auch Roth passt zu seiner Figur und füllt sich dementsprechend gut aus. William Hurt als Lieutenant General Ross ist jedoch verschenkt und bleibt in seiner Rolle einfach uninteressant wie nebensächlich. Auch in kleinen Rollen sind wieder Lou Ferrigno und Stan Lee zu sehen.

Leterrier schlägt von Anfang an den richtigen Weg ein und verliert keine unnötige Zeit für eine öde Charaktereinführung wie Ang Lee. Er legt das klare Interessengebiet auf Bruce Banner. Die Einführung kriegen wir durch den Vorspann geboten und die darin steckenden Rückblenden, in denen gezeigt wird, wie Bruce zum Hulk werden konnte. Wir treffen Bruce dann in Brasilien und sehen ihn mit seinen eigenen Problemen und den Versuchen, sich durch dieses Leben zu schlagen. Nach 25 Minuten ist dann soweit und der Hulk darf ein erstes Mal in der Fabrik wüten. Allerdings lässt Leterrier ihn im Dunkeln und macht die ganze Sache noch reizvoller. Leterrier tritt ab diesem Punkt aufs Gas und macht Bruce zu einem heimatlosen Streuner und Flüchtling. Ein Gefangener seiner Selbst, der sowohl mit seiner alten Liebe also auch mit bekannten und unbekannten Feinden konfrontiert wird.

‚Der unglaubliche Hulk‘ macht genau das, was Ang Lee nicht verstand. Leterrier verliert keine Zeit mit einer ausufernden Charaktereinführung, die den Film eben doch nicht weiterbringt. Bruce steht im Zentrum und alles andere dreht sich um ihn. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und Betty ist hier zwar auch wieder etwas zu aufgesetzt, als wirklich interessant zu sein, aber dennoch glaubwürdiger und straffer als in ‚Hulk‘. Dazu macht Leterrier endlich das, was wir bei Lee schmerzlich vermissen sollten. Er streicht einige schleppenden Nebenstränge wie die Vater-Sohn-Konflikte und gibt dem Hulk einen Gegner. Dementsprechend ist auch das Highlight des Films der krachende und feurige Straßenkampf der beiden Monster, die sich gegenseitig die Seelen aus den Körpern prügeln. Wer hier allerdings ein Action-Feuerwerk der Extraklasse erwartet, wird enttäuscht. Eigentlich gibt es nur drei richtige Actionszenen mit dem Hulk, die haben es dafür aber umso mehr in sich und lassen den Bildschirm wackeln.

Aber auch ‚Der unglaubliche Hulk‘ hat so seine Defizite. Die Charakterzeichnung von Bruce ist zwar gelungener, aber eine Entwicklung findet nicht statt. Bruce ist am Anfang und am Ende die gleiche Person. Auch einige unschöne Längen schleichen sich vor allem in die zweite Hälfte des Films ein und lassen den Film etwas zäher erscheinen, als er in Wirklichkeit ist. Nichtsdestotrotz ist ‚Der unglaubliche Hulk‘ nettes, aber durchgehend anspruchsloses Action-Kino für zwischendurch, welches aber viel ausgereifter hätten sein müssen, denn die Möglichkeiten waren dieses Mal noch mehr gegeben.

Fazit: ‚Der unglaubliche Hulk‘ unterhält die meiste Zeit gut. Es gibt allerdings auch hin und wieder klare Durchhänger und Leterriers Inszenierung ist insgesamt einfach nicht ausgereift genug, um den Film wirklich gut zu machen. Schlussendlich kann man sich ‚Der unglaubliche Hulk‘ einmal ansehen, nicht zuletzt wegen der guten Effekte und den starken Kameraaufnahmen.

Bewertung: 5/10 Sternen