"Unterwegs mit Mum" (USA 2013) Kritik – Mit der Mutter durch die USA

Autor: Stefan Geisler

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„You ungrateful little shit.“

Autofahrten mit der eigenen Mutter können, besonders in den pubertären Phasen der Menschwerdung, zu einer echten Qual werden – für alle Beteiligten. Doch auch später herrscht dieser Fahrer-Beifahrer-Kombination eine ganz besondere Magie inne, denn eingezwängt auf engstem Raum, zum Stillsitzen verdammt, ist man plötzlich wieder ganz Kind. Auch Regisseurin Anne Fletcher („27 Dresses“) widmet sich in ihrem neusten Film „Unterwegs mit Mum“ diesem Thema und schickt mit Barbra Streisand („Is’ was, Doc?“) und Seth Rogen („Ananas Express“) zwei Comedygrößen aus unterschiedlichen Generationen als schräges Mutter-Sohn-Duo gemeinsam auf einen Road-Trip durch die USA. Herausgekommen ist eine harmlose, aber charmante Komödie, die einzig und allein von seinen spielfreudigen Hauptdarstellern lebt. Bei der Besetzung wäre da sicherlich noch einiges mehr drin gewesen.

Bereits seit frühsten Kindestagen interessiert sich Andy Brewster (Seht Rogen) für die Wissenschaft. Nach seinem Studium hat er seine gesamte Energie darauf verwendet, ein organisches Reinigungsmittel zu entwickeln, das umweltfreundlich ist und dennoch kraftvoll gegen Schmutz wirkt. Doch leider scheint sich keine Firma für sein Produkt zu interessieren. Seine letzte Chance sieht er in einer Tour durch die USA. In allen wichtigen Städten will er die letzten verbliebenen optionalen Geschäftspartner aufsuchen und sie von der Wirksamkeit seines Produktes überzeugen. Mit dabei ist auch seine allein lebende Mutter Joyce (Barbra Streisand), die er unter einem falschen Vorwand mit auf diese Tour genommen hat, um sie wieder mit ihrer großen High-School-Liebe zusammenzuführen.

Road-Movies: Einst Ausdruck eines neuen, freien Lebensgefühls und der grenzenlosen Möglichkeiten des modernen Kinos, wird das Genre in den letzten Jahren immer öfter dazu missbraucht, einfallslosen Drehbuchschreibern die ideale Steilvorlage für zusammenhangslose Sketchparaden zu liefern, in denen die Protagonisten während ihres „verrückten“ Trips von einem ulkigen Missgeschick ins nächste stürzen. Natürlich sind nicht alle Road-Trip-Komödien durchweg missraten, doch leider machen es sich die Drehbuchschreiber oft zu einfach. Auch Drehbuchautor Dan Fogelman („Crazy, Stupid. Love“) holt aus den gegebenen Möglichkeiten einer Road-Movie-Komödie zu wenig raus, denn hier bleibt ein Steak-Wettessen gegen die Zeit in einer texanischen Mampfbude der spannungsarme Höhepunkt des besagten Ausflugs.

Erstaunlicherweise zeigen sich die qualitativen Möglichkeiten von „Unterwegs mit Mum“, wenn die beiden Protagonisten im Abspann plötzlich ungebunden an Drehbücher auch mal ein wenig über die Stränge schlagen dürfen und dabei mehr Sinn für Humor beweisen, als in sämtlichen Szenen zuvor. Ein wenig Improvisation und/oder eine Prise von Seth Rogens Anarcho-Humor hätten dem Film an einigen Stellen durchaus gut getan. Leider ist „Unterwegs mit Mum“ dafür dann aber doch zu deutlich auf ein Publikum jenseits der Vierzig zugeschnitten, dass es im Kinosaal lieber gemütlich als aufregend haben möchte. Dazu passt auch die vorhersehbare Moral des Feel-Good-Trips, die wie Balsam auf gekränkte und geschundene elterliche Seelen wirken dürfte, deren Ratschläge seit Jahren ungehört von der jüngeren Generation im Raum verpuffen. Denn natürlich muss Nörgel-Sohn Seth Rogen sich am Ende des Films eingestehen, dass die Tipps und Tricks seiner Mutter hilfreicher waren, als er es gern wahr gehabt hätte.

Dass der Film trotz eines uninspirierten Drehbuchs dennoch seinen ganz eigenen Reiz entwickelt, liegt am hervorragend harmonierenden Schauspiel-Duo Seth Rogen und Barbara Streisand. Beinahe möchte man ihnen sogar glauben, dass sie sich bereits ihr ganzes Leben kennen. Die nervtötenden Gespräche im Auto, die gut gemeinten Hilfeleistungen und Tipps, die im Endeffekt alles noch schlimmer machen und die sprachlichen Missverständnisse: All das kennt man so oder so ähnlich aus den eigenen Erfahrungen. Die Charaktere von Streisand und Rogen sind überdies so angelegt, dass sie als perfekte Projektionsfläche für den typischen Mittelstandbürger dienen. In irgendeiner Macke und Marode der Hauptcharaktere wird sich hier sicherlich jeder Zuschauer wiederfinden.

Fazit: Leider kann Anne Fletchers Road-Movie „Unterwegs mit Mum“ nur bedingt überzeugen: Einem gut aufgelegten Mutter-Sohn-Ensemble steht ein Drehbuch gegenüber, bei dem vielen Kinogängern die Füße einschlafen werden. Wer vielleicht dennoch plant, seine Mutter demnächst mal wieder ins Kino einzuladen, dürfte mit dieser harmlosen Komödie dennoch gut beraten sein.